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Internet-Hype

Was bringt die "Ice-Bucket-Challenge" der deutschen ALS-Hilfe?

21.08.2014 | 17:07 Uhr
Eiswasser für den guten Zweck: Die Facebook-Timelines sind voll von Videos der "Ice Bucket Challenge". Auch Schlagersängerin Helene Fischer machte mit. Foto: Funke Digital

Essen.  Es ist ein großer Internet-Hype: Bei der "Ice-Bucket-Challenge" übergießen sich Menschen mit eiskaltem Wasser und bürden die Aufgabe dann drei weiteren auf. Auch Promis machen mit und stellen ihre Kübelduschen-Videos ins Netz. Aber was bringt die Aktion dem eigentlichen Zwecke — an Spenden?

Politiker tun es ebenso wie Popstars. Auch Sportler lassen sich nicht lange bitten. Die so genannte „Ice Bucket Challenge“ (IBC), bei der sich Menschen mit Eiswasser übergießen, ist der Trend dieses Sommers. Erst in den USA, mittlerweile auch in Deutschland.

Begonnen hat es im Juni in einer US-Fernseh-Show mit einigen Golfern. Von da an hat sich die Ice Bucket Challenge wie ein Schneeballsystem in der Welt verbreitet. Aber was bringt der #IceBucketChallenge-Hype dem eigentlichen Zweck — Geld für den Kampf gegen die Krankheit ALS zu sammeln? In den USA ist der Erfolg beeindruckend. In Deutschland dagegen hält er sich das Aufkommen an Großspenden noch in Grenzen. So witzig das Ganze ist, die Sache hat einen ernsten Hintergrund.

Welche Idee steckt hinter der Aktion?

Die Ice-Bucket-Challenge ("Eiskübel-Herausforderung") soll Aufmerksamkeit auf die Nervenkrankheit ALS lenken und Spendengeld einbringen. Gestartet wurde die Aktion in den USA, wo sie sich rasend schnell über soziale Netzwerke verbreitete. Vor gut einer Woche schwappte die Challenge dann nach Deutschland.

Nominierte haben 24 Stunden lang Zeit, sich zu entscheiden: Nimmt man die Herausforderung an und übergießt sich mit Eiswasser — oder kauft man sich mit einer Spende an die ALS Association frei? Meist geschieht aber beides. Der empfohlene Betrag liegt bei 100 Dollar. Der "Gekübelte" kann drei weitere Personen nominieren.

Was ist ALS?

Amyotrophe Lateral-Sklerose ist eine degenerative Nervenkrankheit. Die Lebenserwartung liegt nach dem Ausbruch der Krankheit bei drei bis vier Jahren. Bei ALS-Patienten bauen sich unaufhaltsam die motorischen Zellen ab — Zellen also, die für Muskeln und Bewegungen zuständig sind. Die Folge sind Muskelschwund und Lähmungen.

Video
Die bekannte “Ice Bucket Challenge“, die auf die Krankheit ALS aufmerksam machen soll, macht derzeit auch in Herne die Runde. Nachdem sich WAZ-Redaktionsleiter Michael Muscheid mit Eiswasser übergießen ließ, waren nun seine Nominierten an der Reihe.

In Deutschland sind 4000 bis 6000 Menschen an ALS erkrankt, erklärt Horst Ganter, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM). Prominente deutsche ALS-Patienten waren der Maler Jörg Immendorff (1945-2007) und Wolfsburg-Profi Krzysztof Nowak (1975-2005). Auch der chinesische Diktator Mao Tse-tung soll an ALS gestorben sein. Astrophysiker Stephen Hawking leidet schon seit den 60ern unter ALS, allerdings unter einer seltenen, langsam verlaufenden Form.

Was bringt die Aktion in den USA — und in Deutschland?

In den USA hat die Ice-Bucket-Challenge bislang 79,7 Millionen Dollar gebracht. Normal wären im selben Zeitraum 2 Millionen Dollar, heißt es auf der Homepage der Organisation. Der Erfolg ist beeindruckend, zumal sich Prominente von Bill Gates bis George W. Bush mit Eiswasser übergossen und großzügig gespendet haben.

Auch deutsche Organisationen empfangen mittlerweile immer mehr Spenden. Hatte die Eis-Challenge der DGM bis zur vergangenen Woche gerade einmal 3500 Euro an Kleinspenden gebracht, stehe man jetzt bei 59.000 Euro. "Und da sind noch längst nicht alle Spenden erfasst", sagte eine Sprecherin der Organisation. Auch das Medienmanagement von Mario Götze und Marco Reus hatte angekündigt, Geld an die DGM zu spenden. Das übliche jährliche Spendenvolumen beträgt 600.000 Euro.

Internetphänomen
ALS-Patientin nachdenklich über

Seit Tagen geistert die "Ice Bucket Challenge" durchs Internet. Promis und Nicht-Prominente schütten sich für einen guten Zweck Eiswasser über den...

Dennoch merke man, wie unterschiedlich die Spendenkultur in den USA und Deutschland sei, so Ganter. "In den USA klettern die Spenden jeden Tag um Millionen". Dennoch sei er froh über den Hype: "Es lohnt sich auf jeden Fall. Eine seltene Krankheit so stark in die Öffentlichkeit zu bringen ist sonst sehr schwierig."

Neben der DGM gebe es noch ein paar kleine, lokale ALS-Gruppen, so Ganter. Auch die Krzysztof-Nowak-Stiftung des VfL Wolfsburg sammelt Spenden. Unter anderem spendeten hierhin die Fußball-Promis Mats Hummels und Christoph Metzelder, der direkt 1000 Euro überwies. "Auch sonst hatten wir viel guten Zuspruch", sagt Pressesprecherin Barbara Ertel-Leicht. Bisher seien mehr als 10.000 Euro zusammengekommen - von Fußballern, Prominenten, aber auch vielen Bürgern.

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Kommentare
31.08.2014
17:22
Was bringt die "Ice-Bucket-Challenge" der deutschen ALS-Hilfe?
von Judy_15 | #4

Abgesehen von der Tatsache das die USA viel größer sind, ist auch die Seite wo man da spenden kann (http://www.alsa.org/donate/ ) ziemlich klar...
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Was bringt die "Ice-Bucket-Challenge" der deutschen ALS-Hilfe?
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http://www.derwesten.de/panorama/was-bringen-ice-bucket-challenges-der-deutschen-als-hilfe-id9726670.html
2014-08-21 17:07
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