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Warum reiche Londoner in den Untergrund gehen

14.06.2013 | 15:57 Uhr
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Warum reiche Londoner in den Untergrund gehen
Londons Superreiche gehen in den Untergrund: Statt ihren Reichtum groß zu zeigen, halten sie ihn vor den Augen der Öffentlichkeit versteckt. Und zwar im Keller.Foto: dpa

London.   Diskrete Protzereien: Für viele Millionen Euro bauen sich die Superreichen in London vermehrt Luxuskeller mit Turnhallen, Schwimmbäder und Ferrari-Sammlungen. Die meistens nicht minder wohlhabenden Nachbarn sind genervt von den Dauerbaustellen.

Gert-Rudolf Flick macht sich zur Zeit bei seinen Nachbarn so richtig unbeliebt. Der Krösus – geschätztes Vermögen: etwa 630 Millionen Euro – will sein Londoner Anwesen – geschätztes Preisschild: 48 Millionen Euro – aufwerten. Für die Renovierungsarbeiten hat der Daimler-Erbe jetzt die Baugenehmigung vom „Royal Borough of Kensington and Chelsea“ bekommen.

Flicks Nachbarn – darunter: Königin Noor von Jordanien oder Julian Lloyd Webber, der Sohn des Musical-Impresarios – sind entsetzt. „Jetzt wird es wer weiß wie lange Chaos in der Gegend geben“, befürchtet Lloyd Webber. Denn Gert-Rudolf Flick plant nicht nur einen kleinen Anbau. Er will sein Stadthaus am Onslow Square um einen 15 Meter langen Swimming Pool, ein Fitnessstudio, ein Kino, eine Dampfsauna sowie zwei Speicherräume erweitern. Zu diesem Zweck geht er in den Untergrund, ganz buchstäblich: Alle Erweiterungen werden in einem zweistöckigen, unterirdischen Ausbau untergebracht. Drei Jahre sollen die Bauarbeiten dauern.

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Der Protest der Anwohner wird nichts nutzen. In den letzten vier Jahren wurden allein im Stadtteil Kensington rund 800 ähnliche Pläne genehmigt. Die Reichen wollen neue Keller. Der Tiefbau boomt. Und das führt dazu, dass unter den Anwohnern der nobelsten Stadtteile Londons die Fetzen fliegen.

Turnhalle und Tennisplatz unter Tage

Eines der ambitioniertesten Projekte ist das von Jon Hunt, dem Immobilien-Tycoon und Milliardär. Er will unter seinem Haus in „Kensington Palace Gardens“ – auch als „Milliardärsgasse“ bekannt – einen mehrstöckigen, unterirdischen Ausbau vornehmen, der unter anderem eine Turnhalle, einen Pool, einen Weinkeller, einen Tennisplatz und ein Museum für Hunts Sammlung von Ferrari-Sportwagen beherbergen soll. Man nennt sie Eisberg-Häuser: Mehr unter, als über Tage. Es ist ein Trend, der schon seit einiger Zeit zu beobachten ist, und nicht nur damit zu tun hat, dass konventionelle Hauserweiterungen – wie etwa Wintergärten oder Dachgeschossausbauten – in Londons Innenstadt aufgrund der restriktiven Planungspolitik schwer zu realisieren sind. Seit Beginn der Rezession vor rund fünf Jahren werden Londons Superreiche eher vorsichtig bei der Zurschaustellung ihres Vermögens.

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Es macht sich nicht so gut, wenn man, wie es die Formel-Eins-Erbin Tamara Ecclestone kürzlich tat, in einer Nacht rund 30 000 Pfund für Champagner ausgibt und mit einer 5000 Pfund teuren Crystal-Jeroboam fotografiert wird. Da strafen einen die Massenblätter am nächsten Morgen gnadenlos ab.

Derart viele Ferraris kann man eben nicht auf der Straße parken

Die rund 20 Millionen Pfund teueren Luxus-Appartements, die zur Zeit im „Hyde Park One“-Turm zu haben sind, bekommen jetzt den Geruch eines vulgären Statements: Seht her, wie reich ich bin! Da ist es verständlich, dass in Zeiten eines drakonischen Sparkurses der Regierung, der zu Konsumverzicht für die nicht ganz so Reichen führt, sich die Besserverdiener zurückhalten wollen. Wenn man eine Kollektion von Ferraris besitzt, dann kann man die nicht einfach auf der Straße parken. Viel besser aufgehoben sind sie 22 Meter unter Tage.

So wie Jon Hunt machen es jetzt hunderte von anderen Superreichen. Sie bringen ihr Vermögen außer Sicht, ziehen sich in ihre Luxus-Bunker zurück und beginnen sozusagen einen monetären Winterschlaf.

Man hofft darauf, dass die Zeiten besser werden und man seinen Wohlstand wieder öffentlich feiern kann, ohne sich dafür entschuldigen zu müssen.

Jochen Wittmann

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