Warum Knopfloch-OPs besonders schonend sind - und wo sie sich anbieten

Der OP ist bereit, die Technik steht. Bei der Knopfloch-Operation benötigt der Chirurg feine Geräte.
Der OP ist bereit, die Technik steht. Bei der Knopfloch-Operation benötigt der Chirurg feine Geräte.
Foto: Uwe Zucchi/dpa
Chirurgen operieren heute mit feinen Instrumenten durch immer kleinere Einschnitte in den Körper. Diese Form nennt man minimal-invasiv oder auch Knopfloch- oder Schlüsselloch-Operation. Der Vorteil für den Patienten: Die Technik gilt als ungemein schonend.

Essen/Düsseldorf.. Vorbei die Zeiten, in denen Chirurgen den Körper „aufschneiden“ mussten, um zu operieren: Wenn es irgend geht, geschehen viele Eingriffe heute durch knopflochkleine Öffnungen. Auch Roboter unterstützen diese so genannte minimal-invasive Methode. Dr. Stephan Buse, Chefarzt im Alfried-Krupp-Krankenhaus Essen und Experte für Urologie, gehört ebenso wie Dr. Konstantinos Zarras, Chefarzt der Chirurgie am Düsseldorfer Marien-Hospital, zu den Experten der Knopflochchirurgie.

Was bedeutet Knopflochchirurgie?

„Mit diesem Begriff Knopflochchirurgie werden Eingriffe beschrieben, bei denen nicht über einen großen offenen Schnitt, sondern minimal-invasiv oder laparoskopisch – also über kleinste Zugänge – operiert wird“, sagt Stephan Buse. Dafür verwendet der Operateur mikrochirurgische Instrumente und eine Videokamera, die im Bereich des Bauchnabels eingeführt wird.

Welche besonderen Techniken gibt es dabei?

„In den letzten Jahren wurden die Instrumente und Zugänge immer mehr verfeinert. Inzwischen können wir schon durch drei Millimeter große Öffnungen operieren“, erklärt Konstantinos Zarras. Eine zweidimensionale OP mit hochauflösenden Kamerasystemen sei bereits Standard. Dabei kann jeder Arbeitsschritt, der im Körperinneren des Patienten geschieht, über einen Monitor verfolgt werden. Seit neuestem sind auch dreidimensionale Eingriffe möglich – dabei wird dem Arzt ein natürlicher Tiefeneindruck und damit ein präziserer Zugriff auf die Strukturen im Körperinneren ermöglicht.

Kaiserschnitte Dr. Buse operiert am Alfried-Krupp-Krankenhaus mit Hilfe eines Roboters. DaVinci nennt sich das Verfahren, das auch in den Augusta-Krankenanstalten Bochum oder im Klinikum Dortmund genutzt wird und das vor allem bei Prostata-, Blasen- oder Nierenoperationen eingesetzt wird. Der Arzt beobachtet und steuert eine solche Operation an einem Terminal – durchgeführt wird sie von acht Millimeter großen Roboterhändchen. Der Roboter ersetzt quasi Augen und Hände des Chirurgen innerhalb des Körpers des Patienten.

Wie sehen die Vorteile für den Patienten im Vergleich zu einer „normalen“ Operation aus?

Weil das Körpergewebe geschont und der Bauchraum nicht geöffnet wird, gibt es nach einem minimal-invasiven Eingriff nach Erfahrung der Experten weniger Schmerzen und Beschwerden wie etwa Infektionen. „Das Risiko für Narbenbrüche liegt bei null Prozent“, sagt Zarras und Buse meint: „Bei einem roboterassistierten Eingriff kann der Blutverlust durch die gute dreidimensionale Sicht und die Vergrößerung des Operationsfeldes deutlich reduziert werden.“ Das wirkt sich auf den Heilungsprozess aus: Die Patienten können nach Worten der Experten schneller und in fitterem Zustand das Krankenhaus wieder verlassen. Ihnen bleiben nur kleine, fast unsichtbare Narben.

Medizin Welchen Anteil hat diese Art zu operieren bereits im Krankenhausalltag?

„Die minimal-invasiven Verfahren bestimmen den chirurgischen Krankenhausalltag, große Bauchschnitte gehören der Vergangenheit an. Über 90 Prozent aller OPs werden heute auf diese Weise durchgeführt“, erklärt Chirurg Zarras. Dazu gehören Darmoperationen. Experten für roboterassistierte Verfahren wie Stephan Buse haben in den vergangenen zehn Jahren ihr Arbeitsspektrum immer mehr erweitert: „Wir operieren bei Tumorerkrankungen, etwa bei Prostata-, Nieren- und Blasenkrebs, aber auch bei einer Blasensenkung oder angeborenen Nierenfehlbildung mit dieser Technik“, sagt der Urologe.

In welchen Fällen kann man nicht minimal-invasiv operieren – und weshalb?

Ob die Knopflochchirurgie bei einem Eingriff sinnvoll ist, entscheiden die behandelnden Ärzte immer im Einzelfall. „Dabei berücksichtigen wir Risikofaktoren, die den einzelnen Patienten betreffen“, sagt Chefarzt Stephan Buse. Vorsicht ist beispielsweise geboten, wenn es bereits mehrfach Eingriffe in einem Operationsgebiet gab oder Verwachsungen bzw. Vernarbungen vorliegen – denn dann steigt die Gefahr für Narbenbrüche und Organverletzungen. Während eines Narkosegespräches erörtert der Arzt mit dem Patienten, was gegen den Eingriff sprechen könnte und welche Risiken es gibt.

Hüft- und Gallenblasen-OP Wie sieht die Nachsorge aus?

„Eine spezifische Nachsorge ist bei Knopflochchirurgie nicht nötig. Die Schnitte sind so klein, dass nahezu keine Narbenbrüche auftreten und es meist keine Komplikationen gibt“, erklärt der Düsseldorfer Chirurg Konstantinos Zarras. Fäden müssen in der Regel nicht gezogen werden – im Einzelfall sollte man darüber aber mit seinem behandelnden Arzt sprechen.

Welche Perspektive hat die Knopflochchirurgie?

Als zukunftsweisend sieht Chirurg Zarras das Operieren mit Hilfe der 3D-Technologie an, das die Tiefenschärfe während des Eingriffs ermöglicht: „Das, was wir uns in zweidimensionalen Operationen am Bildschirm ertasten müssen, wird visualisiert. Hier erwarte ich für die nächsten Jahre Verfeinerungen sowie Weiterentwicklungen der Instrumente für die dritte Ebene.“ Das Operieren mit 3D-Brille ist aus seiner Sicht nicht nur vorteilhafter für den Operateur, es sei auch sicherer für den Patienten.

Krankenhäuser Stephan Buse operiert bereits in 3D-Technik, er erwartet mit Spannung die Langzeitergebnisse der noch relativ jungen roboterassistierten Operationsverfahren. Er weiß: Erste Schritte hin zu noch schonenderen Verfahren sind schon in Arbeit. „Das gilt etwa für die ,Single-Site-Laparoskopie‘ (LESS), bei der über nur einen Zugang operiert wird, und für die ,Natural Orifice Translumenal Endoscopic Surgery‘ (NOTES). Bei letzterer wird das kranke Organ über eine natürliche Körperöffnung entfernt.“ Beide Verfahren werden derzeit entwickelt und es muss sich zeigen, welche Rolle sie künftig im klinischen Alltag spielen.