Warum dürfen Frauen im Büro Rock tragen, Männer aber keine Shorts?

Auf dem Surfbrett okay, im Büro meist nicht: Mann in Shorts.
Auf dem Surfbrett okay, im Büro meist nicht: Mann in Shorts.
Foto: Thinkstock
Was wir bereits wissen
Es wirkt paradox: Rock im Büro? Kein Problem! Kurze Hose im Büro? Schwerer Verstoß gegen den Dresscode! Doch warum müssen Männerbeine an heißen Sommertagen schwitzen, während Frauen luftig auftreten dürfen? Ein überholtes Ritual strenger Sittenwächter oder steckt mehr dahinter?

Essen.. Was unterscheidet eine kurze Hose von einem Rock? Was ein Schneidermeister antworten würde, ist klar. Doch spannender ist es, die Frage einem Banker oder Unternehmensberater zu stellen. Denn jeden Sommer wieder schwitzen männliche Angestellte in Sakko und Stoffhose, während ihre weiblichen Kollegen im Sommerkleid bzw. -rock vorüber defilieren.

Der Dresscode vieler Unternehmen - ob ausgesprochen oder nicht - hat nichts gegen Kleid und Rock, wohl aber gegen kurze Hosen über Männerbeinen. Selbst in der Redaktion, wo es modetechnisch eher leger zugeht, sind nackte Männerwaden die Ausnahme, und das ohne verbindlichen Dresscode.

Schwedens Lokführer kommen im Rock zur Arbeit

Handelt es sich beim Shorts-Verbot also gar nicht um eine repressive Maßnahme tyrannischer Chefs? Sind wir selbst Ursprung des Problems, weil wir den Anblick haariger Männerbeine als unästhetisch empfinden, wenn wir eigentlich eine gebügelte Stoffhose erwarten?

Busfahrer Dass es anders geht, haben schwedische Lokführer gezeigt. Gepeinigt von schweißtreibenden Uniformhosen nahmen sie den Dresscode ihres Arbeitgebers wörtlich - und erschienen im Rock zur Arbeit. Mit Erfolg: Die Bahngesellschaft hat das strikte Shorts-Verbot gelockert. Ähnlich entspannt betrachtet die Post das Thema: Sie stellt ihren Briefträgern verschiedene Klamotten zur Verfügung, darunter auch Shorts für heiße Sommertage.

Vertrauen Sie dem Bankberater in kurzen Hosen?

Lokführern und Postboten gestehen wir die Beinfreiheit auch unumwunden zu. Schwieriger fällt das, wenn es um den Bankberater geht. Wäre es Ihnen tatsächlich völlig egal, wenn der Mensch, dem sie ihr Geld anvertrauen wollen, Sie in Bermudashorts und Flipflops begrüßt?

Gut, dass zumindest nach Feierabend jeder tragen kann, was ihm gefällt.