Warum der Krassnitzer-„Tatort“ trotz Schwächen dennoch lohnt

Das "Tatort"-Team aus Wien: Adele Neuhauser, Udo Samel (Bildmitte) und Harald Krassnitzer.
Das "Tatort"-Team aus Wien: Adele Neuhauser, Udo Samel (Bildmitte) und Harald Krassnitzer.
Foto: ARD Degeto/ORF/Domenigg
Der Wiener „Tatort“ glänzte zuletzt mit überdurchschnittlichen Fällen. Da kann „Deckname Kidon“ nicht ganz mithalten. Der Krimi lohnt dennoch.

Wien.. Das Duo Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser gehört zu den besten TV-Ermittlern, die der „Tatort“ zu bieten hat. Obendrein glänzte die Wiener Fahnder zuletzt mit überdurchschnittlich guten Fällen. Der Krimi „Angezählt“ erhielt zu recht einen Grimme-Preis. Derart gute Leistungen wecken allerdings die Erwartung, dass es bei Bestleistungen bleibt. „Deckname Kidon“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) kann das gewohnte Niveau nicht halten. Und dennoch ist der Film alles andere als Dutzendware.

Der Reihe nach. Max Gruber hat einen Agenten-Fall um ein Thema entwickelt, das längst aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit verschwunden ist: illegale Lieferungen für das umstrittene Atom-Programm des Iran. Israelische Geheimdienstler versuchen sie zun stoppen und, mehr noch, die Drahtzieher dieser verbotenen Geschäfte zu töten.

Tatort Schnell wird klar, dass der Fenstersturz eines hochrangigen iranischen Diplomaten keineswegs ein Selbstmord war. Vielmehr deuten Spuren auf Aktivitäten eines israelischen Sommerkommandos namens Kidon hin.

Konventionelle Erzählung, vorzügliches Ensemble

Krassnitzers Moritz Eisner und Neuhausers Bibi Fellner bewegen sich von der ersten Sekunde an auf politisch dünnem Eis. Das Eis wird noch dünner, als ein dubioser Adeliger ins Spiel kommt, der offensichtlich etwas mit dem Atom-Deal zu tun hat. Dummerweise nutzt er seine politischen Beziehungen, um den Ermittlern das Leben schwer zu machen.

Das ist konventionell erzählt. Und dennoch zeigen Regisseur Thomas Roth und sein vorzügliches Ensemble, das auch scheinbar bekannte Geschichten und Motive packend neu erzählt werden können. Vor allem Udo Samel liefert eine Gala-Vorstellung ab, der seine Interessen mit sanfter Brutalität durchsetzt.

Twitter Krimi ist glänzend bebildert

Eine Gala-Vorstellung liefert auch Kameramann Jo Molitoris ab. Er hält den dialoglastigen Film buchstäblich in Bewegung, in dem er den Schauspielern auf Schritt und Tritt folgt. Zuweilen umkreist er sie in bester Michael-Ballhaus-Manier. Obendrein gehört Molitoris zu den wenigen Spitzenkönnern seines Fachs, die den notgedrungen zweidimensionalen Fernsehbildern durch geschickte Inszenierung räumliche Tiefe abgewinnen.

Der Krimi hat nebenher weitere Schauwerte zu bieten – etwa die barocke Benefiz-Party des unedlen Edelmanns.

Natürlich thematiert der Krimi Grundfragen der Demokratie: Gibt es wirklich gleiches Recht für alle? Und: Gibt es eine Schnittmenge von Recht und Gerechtigkeit? Der Film gibt am Ende eine überraschende Antwort.