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ARD-Doku

Warum Bill Gates und andere Superreiche ihr Geld spenden

02.07.2012 | 15:01 Uhr
Warum Bill Gates und andere Superreiche ihr Geld spenden
Microsoft-Gründer Bill Gates.

Essen.   Geben ist seliger denn nehmen. Das jedenfalls haben sich Microsoft-Gründer Bill Gates und weitere Big Spender auf ihre Fahnen geschrieben. Eine ARD-Doku folgt ihren Spuren. Doch obwohl „Das Gewissen der Superreichen“ sehenswert ist, schafft es der Film nicht, unter die Oberfläche der Menschenfreundlichkeit zu tauchen.

Die erste Einstellung zeigt einen leeren alten Ledersessel. Nach dem Runterzählen „drei, zwei, eins“ tritt ein zufriedener alter Mann ins Bild und setzt sich. Ja, die Filmemacher sind sichtlich stolz auf sich, einen der reichsten Männer der Welt vor die Kamera bewegt zu haben. Und dieser Warren Buffett will auch noch 99 Prozent seines nach Milliarden zählenden Vermögens spenden, auch noch andere Superreiche zum Mitmachen animieren. „Ich brauch’s nicht“, sagt der alte Mann.

Eine tolle Geschichte, die „Das Gewissen der Superreichen“ (ARD, Dienstag, 22.45 Uhr) erzählt, oder etwa nicht? Das Projekt „The Giving Pledge“ konnte 70 richtig Reiche in den USA zu der Selbstverpflichtung bringen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden, insgesamt bereits 200 Milliarden US-Dollar (was, nebenbei bemerkt, sicher auch zu einer schönen Steuerermäßigung führen dürfte und die Staatseinnahmen reduziert).

Den Multimilliardären nah gekommen

Die Autoren Gisela Baur und Ralph Gladitz sind den Multimilliardären nah gekommen, den Rothschild-Baronen mit dem alten Geld, Bill Gates mit dem Computer-Money und eben dem in den USA verehrten Finanzstar Warren Buffett: Buffett in seinem Auto (Mittelklasse), Buffett in seinem Stammlokal (gediegen), Buffett mit seinem Privatjet. Buffett mit dem Ehepaar Gates in seinem Stammlokal.

Zweifellos haben Baur und Gladitz ein sehenswertes Stück Dokumentation abgeliefert, filmisch gut umgesetzt, interessant gedreht, vertont, geschnitten. Auch Kritiker des „Gebe-Versprechens“ (so die Übersetzung von „Giving Pledge“) dürfen sich in den 75 Minuten äußern, der selbst schwerreiche SAP-Gründer Hasso Platner etwa und der kaum minder betuchte Peter Krämer. Der Reeder: „Es darf nicht im Belieben von Milliardären stehen, wofür was gespendet wird. Sondern es ist die Aufgabe des Staates, für das Richtige zu sorgen.“

Film kommt nicht unter die Oberfläche der Menschenfreundlichkeit

Und trotz dieses Versuchs der Ausgewogenheit schafft es „Das Gewissen der Superreichen“ nicht, unter die Oberfläche der Menschenfreundlichkeit zu tauchen. Warum gibt es kein Geld für die Impfung, wenn sie pro Kind in Afrika nur zehn Cent kostet? Wie gerecht ist es, dass in den USA (und sonst wo) die 100 Reichsten mehr haben als 90 Prozent der Bevölkerung zusammen? Und wie ungerecht ist die globale Wirtschaft sowie das soziale System, und wer profitiert eigentlich davon? Wenn Eigentum verpflichtet, warum zahlen die Dagoberts dieser Welt dann die geringsten Steuern?

Gerne hätten man beispielsweise auch die Meinung eines Franziskaners zum Thema aufgehäufte Besitztümer gehört, oder des Papstes. Der in den gläubigen USA gerne zitierte Jesus hatte sich bereits vor 2000 Jahren ausführlich zum Thema Reichtum geäußert. Die kleine Spende der armen Witwe war ihm viel mehr wert als die Abgabe des Überflusses, verbunden mit der Anweisung: Spende im Verborgenen. „Tue Gutes und rede darüber“, dieser Glaubenssatz findet sich nur in der Bibel der Werber.

Gerd Heidecke


Kommentare
05.07.2012
13:31
Warum Bill Gates und andere Superreiche ihr Geld spenden
von Frankfurter | #12

In Deutschland hat Her Gottschalk 20 Millionen € gespendet und Herr Jauch ca. 10 Millionen €. (Alle Einnahmen aus Werbung)
Wie viel und überhaupt die Multimillionäre Herr Gysi und Herr Lafontaine, beide in der "Partei der sozialen Gerechtigkeit" gespendet haben ist mir nicht bekannt.

Es gibt zum Beispiel bei der Bundesregierung ein Konto auf das man freiwillig Steuern einzahlen kann. Dort sind ca. 127000 € eingegangen. 100000 waren vom Unternehmer Herrn Hopp (SAP) und der Rest Kleinbeträge von Bürgern. Des weiteren unterstützt her Hop Sportvereine und kulturelle Einrichtungen in seiner Region.

05.07.2012
09:14
Warum Bill Gates und andere Superreiche ihr Geld spenden
von Unverkennbar | #11

Wäre das System nicht so fehlerhaft müsste auch nicht gespendet werden. Dazu ist statistisch erwiesen: Arme spenden anteilig mehr ihres Einkommens als Reiche. Im Gegenteil, Spenden wie auch Subventionen schädigen natürliche Kreisläufe und führen z.B erst zu einer Überbevölkerung in Gebieten wie der Sahelzone oder zu dem Entstehen korrupter Eliten in afrikanischen Staaten. Leider kann man in Zeiten der Globalisierung nicht mehr sagen: "Wir lassen euch in Frieden, macht mal euer Ding", denn dann kommen die Chinesen und die gehen nicht besonders zimperlich mit dieser Erde um.

04.07.2012
21:35
Ich stehe zur demokratischen Grundordnung
von meigustu | #10

und spende nichts. Schon allein damit Politikern nicht ein billiges Argument geliefert wird, die soziale Gerechtigkeit abzubauen weil ja soooo viele spenden.

Allerdings wünsche ich mir mehr direkte Demokratie statt eines mehrjährigen Blankoscheck für Politiker.

04.07.2012
11:09
Warum Bill Gates und andere Superreiche ihr Geld spenden
von tegtmeier | #9

Ich spende auch, bin aber nicht reich. Dass ich selbst entscheiden kann, wofür ich spende, finde ich gut. Allerdings muss ich viel mehr Geld für Steuern berappen. Das wird dann für viele gute Sachen, aber fast in gleichem Maße für Unfug, korrupte Verbrecher und bedenkliche oder schlimme Entwicklungen verbraten. Ich habe auch etwas gespart. Wenn ich sterbe, wird wohl Erbschaftssteuer anfallen. Schön wäre es, im letzten Willen sicherstellen zu können, dass auch dieser Teil meines Nachlasses für gute Dinge verwendet wird.

03.07.2012
22:00
Warum Bill Gates und andere Superreiche ihr Geld spenden
von Hugo60 | #8

Und iwe man an vielen legitimativen Kommentaren sieht: die Reichen haben Erfolg damit, wie sie die Normalbürger an der Nase herumführen.

03.07.2012
21:59
Bill Gates und andere Superreiche spenden lieber, weil es billiger ist als Steuern zu zahlen
von Hugo60 | #7

Die Reichen haben zwei Möglichkeiten, weniger Steuern zu zahlen-

1) Sie zwingen den Staat die Steuern zu senken, wodurch der Staat gezwungen ist, sich seine Einnahmelücke von den Reichen zu leihen.
Statt Steuern zu zahlen, bekommen sie vom Staat regelmäßig Zinszahlungen

2) Und dann spenden sie, um der Öffentlichkeit etwas vorzumachen,.

03.07.2012
21:55
Warum Bill Gates und andere Superreiche ihr Geld spenden
von Hugo60 | #6

@popeye2
Haben Sie eigentlioch die ganzen letzten Jahrzehnte verschlafen? Die Gewinne, die realisiert wurdem, wurden eben nioht wieder in die Realsirtschaft investiere, sondern im Gegenteil, den Finanzmärkten zugeführt, wo sie volkswirtschaftlich keinerlei Sinn machen.

Apropos Gewinne: da die Lohnsumme der Arbeitnehmer gesamtwirtschaftlich nur Kosten der Unternehmer sind, kann eine volle Verausgabung dieser Lohneinkommen den Untrnehmen insgesamt ja nur Einnahmen in Höhe der zuvor verausgabten Kosten (also der Lohneinkommen) zuführen. Woher kommt dann aber der Gewinn?




03.07.2012
14:14
#3 ergänzend sei noch darauf hingewiesen,
von meigustu | #5

das nicht nur bei der Entstehung von Gewinnen dem Staat Geld entzogen wird, sondern auch beim Spenden an sich. Denn das wird je nach Land und Steuersatz bis zur Hälfte staatlich subventioniert.

Es findet also eine doppelte Entmündigung des Souveräns der Demokratie - dem Volk - statt.

03.07.2012
14:10
Gewinne #3
von meigustu | #4

sind das was nach Investitionen übrigbleibt.

Ob Gewinne nun Funktionären oder Manager4n und Shareholdern zugeführt werden bleibt vom Ergebnis her gleich. Deutschland ist heute genauso pleite wie die DDR 1989 oder Reichsdeutschland 1945.

Von daher taugen ihre Beispiele nicht die Überlegenheit unserer Wirtschaftsordnung oder die der USA zu belegen.

Geld als Motivationsfaktor ist sicher menschengerecht. Unser Problem ist wie auch in den letzten deutschen Diktaturen, dass seit Kohl (letzte Hürden fielen unter Schröder) die meisten gesetzlichen Regelungen zerstört wurden, die die Adenauertruppe geschaffen hat um sicherzustellen, dass der persönliche Egoismus Einzelner möglichst viel Breitenwohlstands generiert.

03.07.2012
13:43
Gewinne #1
von popeye2 | #3

Das ist leider falsch. Nur Gewinne lassen eine Expansion zu, um Wachstum und Entwicklung, sowie Investitionen zu finanzieren.
Gewinn, auch finanzieller Art (aber nicht nur), ist für erfolgsorientierte Menschen ein Motivationsfaktor. Erfolgsorientierung und Zielsetzungen gehen aber immer mehr Menschen in Deutschland verloren. Sie werden faul, denn die meisten haben alles, was sie zum Leben brauchen.
Werden Gewinne, zumindest theoretisch, gleich dem Volksvermögen zugeführt anstatt dem Leistungsträger, endet es wie in der Ex-DDR. In Unproduktivität, Armut, Unterversorgung und letztlich diktaturähnlichen Systemen um den aufkeimenden Freiheitsdrang der Menschen zu unterdrücken.

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