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Bluttat

War die Tat ein Ehrenmord?

06.12.2011 | 17:26 Uhr
War die Tat ein Ehrenmord?
In Stolzenau in Niedersachsen stehen Kerzen an der Stelle, an der das 13-jährige Mädchen ums Leben gekommen ist. Foto: Focke Strangmann/dapd

Essen/Stolzenau.   Vater bringt seine Tochter (13) nach einem Termin mit dem Jugendamt um – auf offener Straße. Spekulationen über einen Ehrenmord.

Es sollte eine Versöhnung geben oder wenigstens eine Annäherung, doch das Familientreffen endete in einer Katastrophe. Im niedersächsischen Stolzenau hat ein 35-jähriger Vater seine 13-jährige Tochter erschossen. Am Nachmittag auf einer belebten Straße in der Innenstadt, wenige Meter von der Weser entfernt. Der blutigen Tat war ein Gespräch vorausgegangen. Das Mädchen, seine Eltern und Mitarbeiter des städtischen Jugendamtes hatten an einem Tisch gesessen.

Seit einem halben Jahr lebte die Jugendliche nicht mehr im Elternhaus, sie hatte sich von ihrer Familie „gelöst“, wie es die Polizei formuliert. „Sie war auf eigenen Wunsch in einer Wohngruppe untergebracht“, sagt Torsten Rötschke, Sprecher des Landkreises Nienburg, auf Anfrage. Zu den genauen Gründen für den Auszug will er sich nicht äußern. Was aber feststeht: Bei dem Zusammentreffen sollte zwischen den Beteiligten vermittelt werden, der Kontakt zu der Familie sollte nicht abreißen. Das Mädchen hatte drei Geschwister, alle minderjährig. Nach der grausamen Tat hat das Jugendamt die Kinder aus der Familie geholt.

Das, was sich auf der Straße „Allee“ abgespielt hat, glich einer Hinrichtung. Nach dem Gespräch in der Jugendhilfeeinrichtung wollte die 13-Jährige in ein Auto steigen, als ihr Vater auf sie zuging und eine Waffe zog. Nach ersten Erkenntnissen sollen drei Schüsse den Kopf getroffen haben, zwei den Hals. Das Mädchen brach tot auf dem Gehweg zusammen, vor den Augen von Passanten. „Von Zeugen sind wir alarmiert worden“, sagt Gabriela Mielke, Sprecherin der Polizei Nienburg.

Von „Ehrenmord“ ist jetzt die Rede. Die Familie stammt aus dem Irak. Seit 2008 lebt sie in Niedersachsen und soll jesidischen Glaubens sein. Jesiden sind Kurden mit teilweise strengen Ansichten. Gläubigen Vertretern ist es verboten, Angehörige anderer Religionen zu heiraten.

Die Polizei ist sich sicher, dass es der eigene Vater war, der seine Tochter erschossen hat. Nach ihm wird gefahndet. Er soll sich mit seinem Auto, einem grauen VW Golf, abgesetzt haben. Nun wird spekuliert, ob er die Tat lange geplant hatte. Angeblich soll er vorher einen Anwalt nach dem Strafmaß befragt haben.

Erst vor wenigen Wochen hatte der Fall einer jungen Frau jesidischen Glaubens in Detmold für Aufsehen gesorgt. Die Polizei hält es für möglich, dass die eigenen Familie die 18-Jährige verschleppt hat, weil sie eine Liebesbeziehung zu einem Deutschen gehabt haben soll.

Kirsten Simon

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Kommentare
11.12.2011
16:01
Blockierter Kommentar.
von Bohrhammer | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

07.12.2011
17:42
War die Tat ein Ehrenmord?
von Hoffi65 | #1

Wie gut, dass es Augenzeugen gibt, sonst würde wieder ein anderes, männliches und natürlich minderjähriges Mitglied der Sippe als verwirrter Einzeltäter vorgeschoben. Wie kann man nur so verblendet sein? Glaube und oder Tradition hin oder her. Kinder sind Kinder und Mord ist Mord. Dafür gibt es weder Verständnis noch mildernde Umstände.

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