Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Tierschützer

Walfang-Gegner Paul Watson auf der Flucht vor den Behörden

25.07.2012 | 15:21 Uhr
Walfang-Gegner Paul Watson auf der Flucht vor den Behörden
Der Tierschützer Paul Watson von den Sea Shepherds ist auf der Flucht vor den deutschen Behörden.Foto: afp

Frankfurt.  Im Mai war er festgenommen worden, danach gegen Kaution freigelassen worden - jetzt ist Tierschutz-Aktivist Paul Watson auf der Flucht. Der Gründer und Kopf der Tierschutzorganisation "Sea Shepherds" soll gegen seine Kautionsauflagen verstoßen haben. Costa Rica will ihn vor Gericht stellen.

Der in Deutschland gegen Kaution aus der Auslieferungshaft entlassene weltbekannte Tierschützer Paul Watson befindet sich auf der Flucht. Wie das Oberlandesgericht Frankfurt am Main am Mittwoch mitteilte, kam der 61-Jährige seit Sonntag seinen Meldeauflagen nicht mehr nach, woraufhin der Haftbefehl am Dienstag wieder in Kraft gesetzt wurde. Costa Rica will den Kopf der Tierschutzorganisation Sea Shepherd vor Gericht stellen.

Anscheinend hat sich Watson bereits ins Ausland abgesetzt. Nach Angaben des Gerichts informierte dessen Bevollmächtigter die Richter entsprechend. Dieser habe mitgeteilt, dass sein Mandant ihm telefonisch darüber in Kenntnis gesetzt habe, dass er Deutschland "mit unbestimmten Ziel" verlassen habe. Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums sagte am Mittwoch in Berlin vor Journalisten, der Aufenthaltsort Watsons sei dem Ministerium nicht bekannt.

Watson war Mitte Mai am Frankfurter Flughafen festgenommen worden

Watson war Mitte Mai aufgrund eines internationalen Haftbefehls am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Hintergrund sind Vorwürfe der costa-ricanischen Behörden wegen Behinderung der Schifffahrt. Sie beziehen sich auf eine Aktion aus dem Jahr 2002, als Watsons Organisation vor der Küste Guatemalas einen Dokumentarfilm über die brutale Jagd auf Haie drehte. Das lateinamerikanische Land strebt eine Auslieferung an, um ihm den Prozess zu machen. Ob es dazu kommt, müsste die deutsche Justiz aber erst entscheiden.

Das Frankfurter Oberlandesgericht hatte die gegen Watson auf Antrag der Staatsanwaltschaft für die Dauer des Auslieferungsverfahrens verhängte Haft gegen eine Kaution von 250. 000 Euro und strikte Auflagen außer Kraft gesetzt. Er darf Deutschland nicht verlassen und muss sich nach eigenen Angaben zudem zweimal täglich bei der Polizei melden. Dem kam er nach Angaben der Justiz nun seit Sonntag aber nicht mehr nach, weshalb der Beschluss widerrufen wurde.

Tierschutzaktivistin Brigitte Bardot fordert, Auslieferung nach Costa Rica verhindern

"Da Watson durch seine Flucht gezeigt hat, dass das in ihn gesetzte Vertrauen nicht gerechtfertigt war, war der Auslieferungshaftbefehl wieder in Vollzug zu setzen", teilte das Frankfurter Gericht zu seiner Entscheidung mit.

Die Festnahme und das juristische Tauziehen um den Sea Shepherd-Gründer hatten auch international viel Aufsehen erregt. Watson ist eine Ikone der Tier- und Umweltschutzbewegung. In Paris und Berlin demonstrierten Unterstützer für seine Freilassung, auch die berühmte französische Ex-Schauspielerin und Tierschutzaktivistin Brigitte Bardot schaltete sich ein. In einem offenen Brief forderte sie Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vor kurzem auf, eine Auslieferung von Watson nach Costa Rica zu verhindern.

Sea Shepherd wurde durch den Kampf gegen Walfang berühmt

Die von Watson Ende der 1970er Jahre gegründete Organisation Sea Shepherd (auf deutsch etwa: Schäfer der Meere) widmet sich dem Schutz von Meerestieren. Berühmt geworden ist sie durch ihren Kampf gegen den Walfang sowie brutale Robben- und Delfinjagden. Von Anfang an ging die Vereinigung des ehemaligen Greenpeace-Mitstreiters dabei auch mit rabiaten, von anderen Tierschützern abgelehnten Mitteln vor. Wiederholt rammten deren Schiffe bei ihren Missionen Walfänger und Fischtrawler, um sie außer Gefecht zu setzen. Die Organisation versenkte nach eigenen Angaben auch diverse Walfänger in Häfen.

Über die Jahre gerieten Watson und seine Mitstreiter mit den Behörden vieler Staaten in Konflikt. Zu Verhaftungen, Gerichtsverfahren und Konfrontationen mit den Schiffen staatlicher Küstenwachen kam es schon oft. Nach seiner Festnahme in Deutschland hatte Watson in Interviews unter anderem spekuliert, Japan könne bei dem Vorgang eine Rolle spielen. Einsätze gegen die Walfangflotte des Landes gehören zu den Schwerpunkten der Aktivitäten von Sea Shepherd. (afp)


Kommentare
26.07.2012
10:50
Walfang-Gegner Paul Watson auf der Flucht vor den Behörden
von Pase_Lacki | #5

Weil sich einer gegen Menschen stellt, die Haien lebendig die Flossen abschneiden und anschließend wieder ins Meer werfen, wird gegen ihn juristisch vorgegangen, nicht etwa gegen diese ekelhaften Schlächter. Kranke Welt.

Die Sea Shepherd-Crew ist noch viel zu harmlos. Wenn andere Medien schon den Begriff Öko-Terrorist in den Mund nehmen, dann sollte man den Medien auch einen Grund für solche Bezeichnungen geben. Und zwar richtig.

1 Antwort
Walfang-Gegner Paul Watson auf der Flucht vor den Behörden
von cevau | #5-1

Danke für diesen Kommentar!

26.07.2012
07:17
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

25.07.2012
22:05
Walfang-Gegner Paul Watson auf der Flucht vor den Behörden
von Vatta | #3

lieber Paul Watson, wenn Sie in Deutschland Unterschlupf benötigen, habe ich für Sie immer Platz in meinem Gästezimmer. Es wäre mir eine Ehre Sie zu beherbergen!

25.07.2012
18:58
Walfang-Gegner Paul Watson auf der Flucht vor den Behörden
von PyrotechnikistkeinVerbrechen | #2

Es gibt sie noch, echte Helden. Nicht aufgeben!

25.07.2012
17:37
Ich hoffe, daß man ihm weltweit hilft,
von vantast | #1

da er gegen das große Kapital keine Chance hat, es ist zu viel Geld im Spiel.

Aus dem Ressort
Zwiebelwasser und Fabergé-Eier - Wie Russen Ostern feiern
Ostersonntag
Ostern ist in Russland nicht nur ein kirchliches Fest, sondern vor allem eine jahrhundertealte Tradition, die auch die Kommunisten in der Sowjetunion nicht unterdrücken konnten. Die Feierlichkeiten sind prunkvoller als an Weihnachten. Die Nacht zum Ostersonntag läutet das Ende der Fastenzeit ein.
Von "King Kong" bis "Horror Story" - Jessica Lange wird 65
Geburtstag
King Kong hielt sie in seinen Fängen, eine Küchentisch-Szene machte sie berühmt. Die zweifach Oscar-prämierte Schauspielerin Jessica Lange mischt mit 65 Jahren in Hollywood weiter mit. Und im TV: Sie zählt zu den Stars der preisgekrönten Mini-Serie "American Horror Story".
Wie ein Ei Spitzenköchin Lea Linster glücklich macht
Spitzenküche
Die Luxemburger Spitzenköchin Lea Linster spricht im Interview über Osterhasen, Kostbares in Schale und die große Kunst, trotz Wohlstand die beste aller Küchen im Dorf zu lassen. Eine Begegnung mit einer Frau, die es an die Spitze ihrer Zunft geschafft hat und darüber äußerst charmant geblieben ist.
Drei Menschen in Belgien von Unbekannten erschossen
Gewalt
Unbekannte Täter haben in dem belgischen Ort Visé drei Menschen auf offener Straße erschossen. Nach Angaben der Polizei hatten der oder die Täter am Freitagabend das Feuer auf den Mann, die Frau und das Kind eröffnet. Bislang sind die Hintergründe der Tat unklar.
Taucher entdecken erste Leichen im Wrack gesunkener Fähre
Fähr-Katastrophe
Im Wrack der gekenterten südkoreanischen Fähre "Sewol" haben Taucher erste Leichen entdeckt. Wegen zu starker Strömung und schlechter Sicht hätten die Toten noch nicht geborgen werden können, meldete die Küstenwache. 273 Menschen werden drei Tage nach dem Untergang der Fähre noch vermisst.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?