Von der Bühne ins Universum - Patrick Stewart wird 75

Patrick Stewart feiert seinen Geburtstag. Der Schauspieler ist bekannt für sein seit Jahren unverändertes Erscheinungsbild.
Patrick Stewart feiert seinen Geburtstag. Der Schauspieler ist bekannt für sein seit Jahren unverändertes Erscheinungsbild.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Patrick Stewart führte das Raumschiff Enterprise als Weltraum-Captain durch unendliche Weiten. Am 11. Juli wird er 75 - und hat sich kaum verändert.

Essen.. Die Schule hat er abgebrochen, trotzdem wird er später Kanzler einer Uni. Alte Dramen führen ihn zur Schauspielerei, bekannt aber wird er mit der Hauptrolle in einer Science-Fiction-Reihe. Am 11. Juli wird Patrick Stewart 75 Jahre.

Als er das erste Mal Platz nimmt auf dem Kommandosessel des Raumschiffs Enterprise, da wechseln viele Zuschauer vor dem Bildschirm erstaunte Blicke. Das soll der Nachfolger von Captain Kirk sein? Dieser haarlose Mann, der lieber diskutiert als kämpft und zum Lachen offenbar in den leeren Turbolift steigt, um in den Keller zu fahren. Sieht ja aus wie jemand, der in seiner Freizeit Shakespeare rezitiert.

Shakespeare ist seine Leidenschaft

Tut er auch. Und nicht nur in seiner Freizeit. Schon lange vor seiner TV-Karriere ist der Sohn eines Berufssoldaten und einer Textilarbeiterin auf den Bühnen seiner britischen Heimat zu Hause. Sein Englischlehrer hat die Lust auf die Klassiker geweckt. Shakespeare knallt er dem jungen Patrick in der Schule auf den Tisch und fordert: „Nun stehe auf und spiele.“

Stewart spielt. Vor seinen Klassenkameraden und bei kleinen Stadttheatern. So sehr kommt er auf den Geschmack, dass er die Schule mit 15 schmeißt. Er lernt Theater in Bristol, spielt in Manchester, kommt nach London, später auch an den Broadway. 30 Jahre steht er auf der Bühne, 25 davon als Mitglied der renommierten Royal Shakespeare Company. Mit knapp 47 Jahren erst tritt er den Dienst auf der Enterprise an.

Star Trek Die anfängliche Skepsis mancher „Star Trek“-Fans verschwindet schnell. Weil Stewart als Jean-Luc Picard nicht so weich ist, wie er aussieht, und nicht so ernst, wie er auf den ersten Blick scheint. 178 Folgen und mehrere Kinofilme lang führt er den Sternenkreuzer durch unendliche Weiten. In ruhigem Ton, mit klugen Entscheidungen und in einer Uniform, die auf Wunsch der Produzenten extrem eng genäht ist. Das sorgte zwar für ein glattes, faltenloses Aussehen, „erzeugte aber auch eine schreckliche Spannung in meinem Nacken und Rücken“, hat Stewart später geklagt. Ansonsten aber ist er äußerst zufrieden mit der Rolle als Weltraum-Captain. Sie habe ihm damals mehr Spaß gemacht als alle Könige und Helden Shakespeares, hat er mal erzählt.

2004 treibt ihn das Heimweh zurück nach England, wo er 2009 von der Königin zum Ritter geschlagen wird. Vor der Kamera wird er zu Professor Xavier, dem weisen Oberhaupt der X-Men, die mit ihren Kinofilmen Milliarden einspielen. Aber er steht auch wieder regelmäßig auf der Bühne, spielt viel Shakespeare und ein wenig Beckett.

Er sieht immer noch gut aus

Über sein Privatleben weiß man nicht viel. Stewart ist in dritter Ehe mit der 38 Jahre jüngeren Sunny Ozell verheiratet, liest gerne, unterstützt die Labour-Partei und den Fußballverein von Huddersfield. In der nordenglischen Mittelstadt ist er Kanzler der örtlichen Universität. Und die Schirmherrschaft über „Refuge“, einer Organisation, die sich um die Opfer häuslicher Gewalt kümmert, hat er auch übernommen. Nicht zuletzt, weil er selber als Kind zu Hause miterleben musste, wie sein Vater seine Mutter schlug, hat er britischen Zeitungen erzählt.

Ob er noch mal an Bord der Enterprise gehen würde, wird er oft gefragt. „Wenn das Drehbuch stimmt, ja“, antwortet er darauf meistens, weiß aber auch, dass die Zeit langsam gegen ihn spielt. Er sei, kokettiert er angesichts seines immer noch guten Aussehens, „in die Jahre gekommen“. Also wenn Weltraum, dann bitte bald.

Shakespeare geht natürlich länger. Seine Werke haben ihn allen anderen Rollen zum Trotz offenbar auch nie losgelassen. „Nachdem ich so viel Zeit mit Shakespeares Welt, Leidenschaften und Ideen verbracht habe, fühlt er sich für mich an wie ein Freund“, hat er einem Reporter mal erklärt. „Wie jemand, der gerade aus dem Raum gegangen ist, um noch eine Flasche Wein zu holen.“