Das aktuelle Wetter NRW 5°C
Verbraucher

Vom "Premium-Paket" blieb für vier Urlauber eine Taxifahrt

23.10.2012 | 18:51 Uhr

Essen.  Ärgernis für vier Urlauber: Sie buchten eine Reise nach Mallorca und zahlten für Zusatzleistungen wie Freigepäck und Aufenthalt in der Flughafen-Lounge. Doch von den Versprechungen blieb am Ende nur eine Taxifahrt. Experten raten: auf das Kleingedruckte achten.

Das Kleingedruckte macht Verbrauchern immer wieder zu schaffen. Denn dort verstecken Firmen gerne den Teil eines Angebots, der für den Kunden wenig attraktiv ist. Das musste auch die Essener Leserin Beate Winter erfahren. Zusammen mit ihrem Ehemann und einem befreundeten Ehepaar buchte sie beim Reiseveranstalter TUI eine Reise an die Playa de Palma auf Mallorca. Gut 2200 Euro kostete der neuntägige Trip in den Süden, den sie im Reisebüro gebucht hatte. Mit im Paket war ein „Premium-Paket“ für 48 Euro pro Person, macht 192 Euro für die Gruppe.

Das Zusatzangebot versprach handfeste Vorteile. Ein individueller Transport ins Hotel war darin enthalten, auch sollten die Zimmer bereits zur morgendlichen Ankunft bezugsfertig sein und am Abreisetag erst am Abend geräumt werden müssen. Gerade dieser Service hat Beate Winter angelockt, denn so kann man sowohl den ersten als auch den letzten Tag in Ruhe genießen. Zudem lockte am Flughafen der Aufenthalt in einer Lounge, im Flugzeug wurden 10 Kilogramm Freigepäck – zusätzlich und kostenlos – versprochen.

Böse Überraschungen

Doch es kam anders. Erst am Nachmittag ließ das Hotel die Gruppe ein. Sie musste am Abreisetag auch bis zum Mittag ausziehen. Die Lounge war am frühen Morgen noch geschlossen, die Lufthansa vom Freigepäckangebot ausgenommen. Von den Premiumleistungen blieb so am Ende nur die Taxifahrt von wenigen Kilometern übrig. „Dafür hätten wir höchstens 20 Euro bezahlen müssen“, erinnert sich Winter. Doch Beschwerden beim Reisebüro und beim Veranstalter blieben erfolglos. Denn im Kleingedruckten der Reisebedingungen behält sich der Konzern eine wesentliche Einschränkung seiner Leistungen vor. Den frühen Check-In und den späten Check-Out gibt es demnach „je nach Verfügbarkeit“. „Es ärgert mich“, sagt Beate Winter, „dass sie uns für dumm verkaufen wollen.“

Das Reiseunternehmen verweigert einen Ausgleich der entgangenen Serviceleistungen. Denn alle Leistungen und Einschränkungen des Premium-Pakets seien im Katalog beschrieben, erläutert der Konzern auf Anfrage dieser Zeitung. Die Öffnungszeiten der Lounge seien ebenso verzeichnet wie die Liste der Fluggesellschaften, die das zusätzliche Freigepäck mitnehmen. Auch dass der komfortable Check-In im Hotel nach Verfügbarkeit gewährt wird, finde sich im Katalog wieder. „Hier kamen sicherlich einige unglückliche Umstände zusammen“, räumt TUI-Sprecherin Anja Braun immerhin ein. Mit einer Rückzahlung kann das Ehepaar Winter daher nicht rechnen. Zwei Flaschen Wein ließ TUI kürzlich jedoch als Trost überbringen.

Einschränkung im Katalog

Rechtlich steht das Reiseunternehmen wohl auf der sicheren Seite. Denn wenn die Leistungseinschränkungen im Katalog beschrieben sind, kann der Kunde nicht auf Unwissenheit pochen und sein Geld zurückverlangen. Da hilft auch der Gang vor das Gericht selten, wie die Reiseexpertin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Kerstin Hoppe, weiß. „Die Messlatte ist recht hoch gelegt“, erläutert sie. Die Gerichte gehen vom „aufgeklärten Verbraucher“ aus. Dieser Modellkunde weiß, dass Vergünstigungen wie durch das Premiumpaket versprochen, oft mit Einschränkungen verbunden sind. Und er kann die Vertragsbedingungen im Prospekt nachlesen. Die Veranstalter sind daher fein raus, wenn ungünstige Vertragsklauseln auffindbar erwähnt werden. Sollten jedoch Versprechen gemacht werden, deren Einschränkungen nicht erkennbar sind, kann der Urlauber das Geld dafür zurück verlangen.

Das Reisebüro des Ehepaars Winter konnte auch nicht helfen. Denn rechtlich sind die Agenturen nur die Vermittler des Urlaubsvertrags.

Tipps für Reisende

Wenn bei der Pauschalreise etwas schief geht, muss sich der Kunde an den Anbieter des Komplettpakets halten, nicht etwa an das Hotel oder die Airline. Auch von der geplanten Schlichtungsstelle für den Luftverkehr erhalten Pauschalreisende keinerlei Hilfe. Nur Individualreisende können sich dort beschweren.

Deshalb bleibt verärgerten Kunden nur der Weg zum Anwalt oder einer der Verbraucherzentralen. Dort sitzen Experten, die die Geschäftsbedingungen auf unwirksame Klauseln hin unter die Lupe nehmen. Werden sie fündig, kann es Geld zurück geben. Doch das kostet den Kunden erst einmal etwas. Die VZ NRW berechnet für eine einfache Rechtsberatung neun Euro. Muss ein Anwalt hinzugezogen werden, kostet es 30 Euro für ein zwanzigminütiges Gespräch.

Der wichtigste Schutz vor Enttäuschungen: „Man sollte sich die Angebote im Vorfeld genau anschauen“, rät Reiseexpertin Hoppe.

Wolfgang Mulke



Kommentare
Aus dem Ressort
Mordfall "Tote im Fjord": Ehemann in Norwegen vor Gericht
Prozesse
Im norwegischen Sandnes beginnt heute der Prozess gegen einen 34-jährigen deutschen Auswanderer, der seine Frau ermordet und später in einem Fjord versenkt haben soll. Nach der zweifachen Mutter war fast drei Wochen lang gesucht worden.
Immer mehr Kinder werden Opfer von Menschenhändlern
Kriminalität
Unter den Opfern des weltweiten Menschenhandels sind immer mehr Kinder. In jedem dritten aufgedeckten Fall handele es sich um ein Kind, teilte das UN-Büro zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) am Montag mit. Im Vergleich zum Vorjahr sei dies eine Zunahme um fünf Prozent.
Cybergewalt richtet sich zumeist gegen Frauen und Mädchen
Gewalt
Wenn im Internet geschmäht und gestalkt wird, dann sind in 80 Prozent der Fälle die Opfer weiblich. Darauf weist das NRW-Gesundheistministerium hin. Am Dienstag wird der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen.
18 Grad und mehr - November 2014 bricht Wärmerekorde
Wetter
Der November 2014 ist mit drei bis vier Grad über dem Durchschnitt besonders warm - so warm, wie kaum ein November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor rund 130 Jahren. Bei Temperaturen um die 18 Grad konnte die Winterjacke auch am vergangenen Wochenende im Schrank bleiben.
Seeleute ertrinken bei Schiffsunfall vor Norderney
Unfall
Zwei Seeleute sind in der Nordsee vor Norderney bei einem Unfall ertrunken. Der Kapitän des Arbeitsschiffes hatte noch einen Notruf absetzen können – aber die Retter konnten die beiden nur noch tot aus dem gekenterten Schiff bergen.
Umfrage
Hygiene, Arbeitsrecht, Streit zwischen Konzern und Franchise-Nehmer: Viele Burger King-Filialen mussten schließen. Was denken Sie darüber?

Hygiene, Arbeitsrecht, Streit zwischen Konzern und Franchise-Nehmer: Viele Burger King-Filialen mussten schließen. Was denken Sie darüber?

 
Fotos und Videos