Vom Dorfmädel zur RTL-Ikone

Brilon/Köln.  . Das Sauerland hat sie geprägt. Behütetes Elternhaus, Bodenständigkeit, Spielen mit den Nachbarskindern, Dorfgemeinschaft. All das hat sie geliebt. Aber irgendwann war es ihr zu eng. Heute weiß sie all das wieder zu schätzen. Denn die ungezwungene Kindheit gibt ihr die Kraft zum Durchhalten. Auch wenn sie am Anfang ihrer Karriere mal „die ärmste Sau der Welt“ war, in Köln auf 15 Quadratmetern lebte, Dusche und Klo im Keller hatte. Heute ist Birgit Schrowange d a s Fernsehgesicht, seit 20 Jahren moderiert sie das RTL-Magazin „Extra“. „Es darf gern ein bisschen mehr sein“, heißt ihr zweites Buch, mit dem sie zurzeit auf Lesereise geht und im Herbst nach Brilon kommt.

Die kleine Birgit weiß schon früh, was sie einmal werden will: Fernsehansagerin. „Aus Pappkarton habe ich mir wie beim Kasperletheater einen Rahmen gebastelt, den Kopf durchgesteckt und dann so getan, als sei ich Sonja Kurowsky, Elfie von Kalckreuth oder Petra Schürmann“, erinnert sie sich. Es gab damals keine taffen Journalistinnen, keine Frauen in gehobenen Positionen. Schrowange: „Als ich vor fünfunddreißig Jahren anfing, hatten Männer das Sagen und im Fernsehen durften nur Assistentinnen und Ansagerinnen arbeiten. Als Barbara Diekmann das erste Mal die Tagesthemen moderierte, ging ein Aufschrei um die Welt.“

Der Weg aus dem Papprahmen ins echte Fernsehen ist auch für Schrowange sehr steinig. Nach der Marienschule in Brilon („Manche Schwestern waren wirklich sehr nett, aber eine war auch eine richtige Sadistin“) macht sie eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notargehilfin. Am Wochenende geht’s in die Diskothek oder zum Schützenfest. „Aber am nächsten Morgen war Kirche angesagt. Darauf hat meine Mutter bestanden. Rückblickend betrachtet, haben mir die klaren Regeln zu Hause gut getan. Aber ich wollte raus. Ein Dorf und seine Leute können auch engstirnig und erdrückend sein. Früher war das zumindest so. Naja, letztlich bin ich ja auch nur bis Köln gekommen“, sagt Birgit Schrowange. In Köln angekommen, spart sie jeden Groschen für Sprech- und Schauspielausbildung. Die Frau will nach oben. Von der Redaktionsassistentin beim WDR arbeitet sie sich hoch bis zur Moderatorin. „Ich glaube, es gab damals beim ZDF eine Tagespauschale von hundertfünfzig Mark. Für Klamotten, Anreise nach Mainz und Unterkunft musste man selbst aufkommen. Eigentlich hatte ich null Geld, habe mich manchmal nur von Nudeln und Ketchup ernährt. Aber das war nicht schlimm. Denn ich hatte ein Ziel vor Augen“, sagt sie. Hartnäckigkeit zahle sich aus.

Die Frau, die neun Jahre mit TV-Kollege Markus Lanz zusammen war und mit ihm den inzwischen 14-jährigen Sohn Laurin hat, schafft es ganz nach vorn, wird zur RTL-Ikone, zur Moderatorin auf Galas und Veranstaltungen. Kein Wunder, dass auch ihre Lesungen fast ständig ausverkauft sind: „Ich lese und erzähle ein bisschen aus meinem Mut-Mach-Buch für Frauen“, sagt Birgit Schrowange und: „Frauen nehmen sich zu viel zurück, sind immer noch zu bescheiden. Deshalb sage ich den Frauen auch in meinem Buch: ‘Ihr müsst die Verantwortung für Euch in Eurem Leben selbst übernehmen!’“

Sozial engagiert und mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet

Auch deshalb möchte Schrowange, die heute 57 Jahre alt wird, nie den Anschluss verpassen: „Ich möchte eine coole Alte werden.“ Mit der Zeit will sie gehen, sich modernen Techniken nicht verschließen und sich niemals sagen hören: Früher war alles besser. Sozial engagiert ist sie obendrein, wurde gar mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet. Sie ist Patin beim Kinderhospiz in Olpe, arbeitet für das Kinderhilfswerk „Arche“ und für die RTL-Kinderhäuser. Schrowange: „Es macht mich traurig zu sehen, wie manche Kinder aufwachsen müssen.“

Ein Problem mit dem Älterwerden hat Birgit Schrowange nicht: „Obwohl ich schon ein sehr eitler Mensch bin;. Aber ich würde mir die Haare nicht färben, wenn es nicht von RTL so gewünscht wäre. Ich moderiere aus einer so genannten Greenbox, in der graue Haare komisch aussehen würden. Petra Schürmann, mit der ich gut befreundet war, hat mal gesagt: Ab vierzig ist jeder für sein Gesicht selbst verantwortlich. Und da sieht man alles: Glück, Zufriedenheit, aber auch Neid und Missgunst.“ Es sei auch von Vorteil, wenn man älter, gefestigter und gelassener sei. „Außerdem habe ich gute Gene mitbekommen. Auch meine Eltern sehen noch sehr gut aus.“