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Vierfach-Mord in den Alpen - war der Radfahrer das Ziel?

18.09.2012 | 21:39 Uhr

Paris/Annecy.   Gut zwei Wochen nach dem Vierfachmord von Annecy in den französischen Alpen geht die dortige Polizei einer neuen Tatversion nach. Was, wenn nicht die britische Familie das Ziel der Killer war, sondern der Radfahrer, der bis dato als zufälliger Zeuge galt? Der Mann arbeitete in der Nuklearbranche.

Der Alpenmord wird immer rätselhafter. Zwei Wochen nach dem schrecklichen Blutbad, bei dem vier Menschen am helllichten Tag kaltblütig hingerichtet wurden, gehen die französischen Fahnder einer neuen Tatvariante nach: Danach war nicht der Familienvater aus London das Ziel des brutalen Killers, sondern der 45 Jahre alte Sylvain Mollier - jener französische Radfahrer, von dem Staatsanwalt Eric Maillaud annahm, dass er sich „zur falschen Zeit am falschen Ort“ aufgehalten hatte. Es ist eine überraschende Version, über die der ermittelnde Kriminalkommissar Benoît Vinnemann jetzt gegenüber Journalisten spekulierte.

Gegenüber der britischen Zeitung „Daily Mail“ äußerte sich der französische Gendarm so über Sylvain Mollier: „Wir reden über jemanden, von dem jedermann sagt, er sei ein Gentleman gewesen. Aber genauso gut könnte er ein Doppelleben geführt haben.“

Aus der Tatwaffe waren 25 Schüsse abgefeuert worden

Bislang gingen französische wie britische Ermittler davon aus, dass nur der aus Bagdad stammende Saad Al-Hilli sowie seine Familie umgebracht werden sollten und der Radfahrer Mollier ein  zufälliges Opfer war. Von einem Erbschaftsstreit mit dem jungen Bruder war bislang die Rede und von rätselhaften Verbindungen in den Irak. Die britische Familie war an jenem Nachmittag in ihrem weinroten BMW-Kombi in der malerischen Alpenregion unterwegs. Der 50 Jahre alte Ingenieur und Geschäftsmann saß am Steuer, seine ebenfalls getötete Frau (47) und die Großmutter (74) auf der Rückbank. Nur die beiden Kinder Zainab (7) und Zeena (4) überlebten das Blutbad, erstere mit schweren Schädelverletzungen.

Schauplatz des mysteriösen Verbrechens war ein abgelegener Waldparkplatz nahe dem Städtchen Chevaline im Département Haute-Savoie. Während die Familie mit jeweils zwei Kopfschüssen hingerichtet wurde, fand man im Körper des Franzosen fünf Einschüsse, darunter zwei in den Kopf. Bei der Tatwaffe, aus der 25 Schüsse abgefeuert wurden, handelt es sich Medienberichten zufolge um eine Pistole der Marke Luger vom Typ „P 08“.

War der tote Radfahrer Mitwisser illegaler Atomgeschäfte?

Sylvain Mollier, der nun überraschend ins Visier der Fahnder rückt, arbeitete bei einer Nuklearfirma namens Cezus, die zum weltweit operierenden Areva-Konzern gehört und Hüllen für atomare Brennstäbe erzeugt. 2007 geriet Cezus ins Zwielicht, als man dem Unternehmen unterstellte, angereichertes Uran an den Iran geliefert und damit das UN-Embargo gebrochen zu haben.

Mollier lebte in dem Dörfchen Ugine nahe dem Annedy-See und nicht weit entfernt vom Tatort bei Chevaline: zusammen mit seiner Frau, einer Apothekerin, dem erst im Juni geborenen Baby sowie zwei Söhnen aus seiner ersten Ehe. Die Beerdingung ging in aller Stille vonstatten. Nur etwa dreißig Personen, engste Verwandte, Kollegen und Freunde, nahmen am Montag Abschied. Offenbar hatte Molliers Familie den Wunsch geäußert, die sterblichen Überreste zu verbrennen. Stattdessen wurde der Verstorbene in einer Erdbestattung beigesetzt. Ein Indiz dafür, dass die Ermittler möglicherweise weitere gerichtsmedizinische Untersuchungen nicht ausschließen?

Gerd Niewerth

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