Viel Beifall für Monica Lewinskys Kampf gegen Cyber-Mobbing

Nach einem TV-Auftritt bekommt Monica Lewinsky positive Kritik.
Nach einem TV-Auftritt bekommt Monica Lewinsky positive Kritik.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Jahrelang hatte sich Lewinsky nach der Sex-Affäre mit Bill Clinton versteckt. Nun schlägt sie zurück. Und Ex-Gegner leisten Abbitte.

Washington.. Ferner als diese beiden Frauen kann man sich gar nicht stehen. Jetzt will es der Zufall, dass beide zur gleichen Zeit, wenn auch in verschiedenen Rollen, ins Rampenlicht zurückkehren. Hillary Clinton hat offiziell ihre Bewerbung für die US-Präsidentschaftswahlen 2016 bekanntgegeben. Die 68-Jährige tauscht das bequeme Leben einer horrend gut bezahlten Rednerin, Ex-Außenministerin, Buch-Autorin und Allein-Hoffnungsträgerin der Demokraten mit 24 Stunden täglicher Dauerhinterfragung durch Zeitungen, TV-Sender und Internet-Portale ein.

Gehobener US-Klatsch Welche Wunden einem hier geschlagen werden können, hat Monica Lewinsky seit dem 17. Januar 1998 in beispielloser Weise erfahren. Nach ihrer durch den Gerüchtehändler Matt Drudge öffentlich gewordenen Sex-Affäre mit Bill Clinton, Hillarys Immer-noch-Ehemann und früheren Präsidenten, wurde die damals 24-jährige Praktikantin des Weißen Hauses brutal durchs globale Mediendorf geschleift. Selbst zotig textende Rap-Musiker ergriffen wie selbstverständlich Besitz von der Tochter aus gutem Beverly-Hills-Hause, die wahlweise als Schlampe oder „diese Frau“ abgekanzelt wurde.

Mit einer Brandrede zurück in die Öffentlichkeit

Lewinsky fiel tief und verkroch sich. Vorbei. Seit ihrer spektakulären Brandrede gegen Cyber-Mobbing, den Verlust des Privaten und die eskalierenden Treibjagden im Internetzeitalter auf der renommierten Ideen-Plattform TED („www.ted.org“) Ende März ist Monica Lewinsky wieder präsent. So präsent, dass Barbara Walters, die Grande Dame des amerikanischen Fernsehinterviews, ihr demnächst eine tragende Rolle in einer angesagten TV-Show vermitteln will. „Sie ist klug. Und sie hat eine Geschichte zu erzählen, die uns alle angeht“, ließ Walters jüngst den Talkshow-Papst David Letterman wissen.

USA Für Lewinsky, die abseits des Scheinwerferlichts in London Psychologie studiert hat und zu einer lebensklugen 41-Jährigen herangereift ist, wäre es der erste echte Job seit vielen Jahren. Alle bisherigen Versuche scheiterten an der Wucht der Ressentiments, die ihr Nachname nicht nur in anonymen Hass-Zirkeln des Internets immer noch erzeugt. Während Bill Clinton als honoriger Weltbürger gilt, dem die anfangs geleugnete Schürzenjägerei von damals längst verziehen ist, steckt Lewinsky ohne Partner, ohne Karriereplan und ohne solide Einnahmequellen wie in einer Zeitmaschine fest.

Über zehn Jahr den Kopf eingezogen

Vor dieser in der Ära vor Facebook und Twitter entstandenen Ungleichbehandlung, die sich auf Knopfdruck abbilden lässt, wenn man den Namen Lewinsky googelt, zog sie über zehn Jahre wie paralysiert den Kopf ein. Heute sagte sie der „Kultur der Erniedrigung und Hetze“ den Kampf an. Sie will nicht hinnehmen, dass „jeder vor einem Millionenpublikum mit Worten erdolcht werden kann“. Sie will jenen Mut machen, denen die rasante Umlaufgeschwindigkeit ehrabschneidender Bilder und Worte in den oft unsozialen sozialen Medien jede Lebenskraft absaugt. Manchmal bis zum tödlichen Ende. Wie bei Tyler Clementi. Der 18-jährige Student aus New Jersey hatte sich beim Küssen eines anderen Mannes von Kollegen erwischen lassen. Sie filmten ihn, stellten das Video ins Internet und drohten mit Nachschub. Clementi sprang aus Scham von der George Washington Bridge bei New York in den Tod.

„Je mehr Schande, desto mehr Klicks“

In ihrer hörenswerten TED-Rede in Vancouver, Kanada, nahm Monica Lewinsky ausführlich Bezug auf den Fall, der die Debatte um Cyber-Mobbing in den USA enorm befeuert hat. Sie warb für eine von „Empathie“ geleitete Gegenbewegung zum lukrativen Geschäftsmodell der Belästigung und Zurschaustellung, mit der im Internet Abermillionen verdient werden. „Je mehr Schande, desto mehr Klicks. Je mehr Klicks, desto mehr Werbung.“ Dieser „Blutsport“ müsse aufhören.

Die Reaktionen auf ihren fast drei Millionen Mal gesehenen Auftritt bei TED haben selbst Lewinsky überrascht. Kritiker, die ihr noch vor wenigen Monaten einen Image-Schaden andichteten, der niemals zu reparieren sei, leisten heute demütig Abbitte.

Darunter auch bekannte Geschlechtsgenossinnen wie die Autorin Erica Jong („Angst vorm Fliegen“), die sich 1998 in unsolidarischer Form über die oralen Eskapaden der Paarung Clinton/Lewinsky das Maul zerriss. „Es tut mir leid, was ich damals über sie gesagt habe“, gestand die 73-jährige Feministin dem Magazin „Daily Beast“, „ich bin froh, dass sie es überlebt hat.“

Man darf gespannt sein, wie die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sich verhält, wenn die Lewinsky-Affäre im Wahlkampf demnächst wieder aus der Mottenkiste geholt wird.