Verzweifelte Todesfahrt endet mit Bewährungsstrafe

Bonn..  Ein 85 Jahre alter Mann, der mit seiner Ehefrau im Auto absichtlich gegen einen Baum gefahren war, ist dafür zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden.

„Ich hatte ihr versprochen, sie niemals alleine zu lassen“, erklärte der alte Mann vor Gericht. Doch ihm seien die Kräfte ausgegangen, seine eigene Gesundheit hatte sich verschlechtert. Er fürchtete, sein Versprechen nicht mehr halten zu können. Und entschied sich für eine Suizidfahrt. Während er überlebte, erlag seine Frau ihren Verletzungen. Der Staatsanwalt hat dem 85-Jährigen heimtückischen Mord vorgeworfen. Doch noch während der Verhandlung wurde der Vorwurf fallen gelassen und in „Totschlag“ geändert, da keine feindliche Gesinnung festzustellen sei, so die Staatsanwaltschaft.

Die Frau, mit der der Mann 60 Jahre verheiratet war, war seit Jahren ein Pflegefall; seit Sommer 2013 wurde sie zudem rapide dement und hatte Angstzustände. In den Tagen vor der Suizidfahrt hatte auch der herzkranke Angeklagte körperliche Probleme; eine Augen- und eine Aorta-Operation standen an: „Ich hatte Angst, vollständig zu erblinden und ebenfalls dement zu werden – und meine geliebte Frau nicht mehr pflegen zu können.“

„Jetzt sind wir beide allein“

Er habe in dem Glauben gehandelt, das Beste für seine schwer kranke Frau zu tun, urteilte das Landgericht Bonn nun. Der 85-Jährige habe sich aufopferungsvoll um seine schwer kranke Frau gekümmert, sagte die Familie vor Gericht aus. Ein Gutachter attestierte dem Angeklagten laut Medienberichten eine verminderte Steuerungsfähigkeit. Doch letztendlich muss sich der Senior offensichtlich in einer ausweglosen Situation befunden haben und sah in dem Tötungsversuch die einzige Lösung.

Doch mit dem missglückten Suizid bekam der Mann das, was er unbedingt vermeiden wollte: „Jetzt“, sagte der 85-Jährige, „sind wir beide allein.“