Verwirrung um Vermisste nach Fährbrand in der Adria

Treibt noch immer ausgebrannt in der Adria: Die Fähre "Norman Atlantic".
Treibt noch immer ausgebrannt in der Adria: Die Fähre "Norman Atlantic".
Foto: dpa
Verschwundene Schiffbrüchige, blinde Passagiere, Vorwürfe gegen die Besatzung: Die Aufklärung des Fährunglücks in der Adria wird lange dauern.

Rom.. Nach dem Fährunglück in der Adria gibt der Verbleib von fast 100 Menschen den Ermittlern noch Rätsel auf. Darunter sind auch zwei Deutsche. "Es gibt 98 Personen, von denen es noch keine Nachrichten gibt", sagte der ermittelnde Staatsanwalt von Bari, Giuseppe Volpe, am Mittwoch. Unklar sei der Verbleib eines Frachters, der bei der Rettung dabei war und dann womöglich nach Griechenland weiterfuhr. Bei zwei Deutschen bemühten sich die deutschen Botschaften mit den italienischen, griechischen und albanischen Behörden "intensiv um Aufklärung", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Donnerstag.

Unterdessen hat die italienische Küstenwache die Liste mit der Zahl der Geretteten korrigiert. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa heißt es nun, 477 Menschen seien von dem brennenden Schiff "Norman Atlantic" gerettet worden. Zunächst hatten die italienischen Behörden die Zahl der Überlebenden mit 427 angegeben. Da aber nicht gesichert ist, wie viele Menschen an Bord waren, ist immer noch unklar, wie viele Menschen noch vermisst werden.

Auf der "Norman Atlantic" war am Sonntag ein Feuer ausgebrochen - es folgte eine dramatische Rettungsaktion. Bisher wurden 13 Tote gezählt, darunter zwei Einsatzkräfte. Unter den Geretteten seien auch 17 Deutsche, heißt es. Weil die Passagierlisten nicht stimmten und blinde Passagiere an Bord waren, befürchten die Behörden weit mehr Opfer als bisher bekannt.

Schlechtes Wetter erschwert die Bergung des Wracks

Das Abschleppen des Schiffswracks vor der Küste Albaniens verzögerte sich wegen des schlechten Wetters weiter. Die "Norman" soll nach Brindisi in Italien geschleppt werden. Dort soll untersucht werden, ob in den Decks mehr Opfer sind. Im Inneren der Fähre hatten sich vermutlich Migranten versteckt.

Die Vorwürfe der Passagiere der "Norman Atlantic", die zur griechischen Anek Lines gehörte, werden derweil immer lauter. "Es war wie in der Hölle, die ganze Zeit Rauch, Rauch, Rauch", sagte eine Überlebende aus München, Ute Kilger, der Deutschen Presse-Agentur. "Die Crew war nicht anwesend, es gab keinen Ansprechpartner, niemanden, der Informationen hatte, niemanden, der einen beschützt hat." Unglück

Spekulationen über die Brandursache

Der Kapitän Argilio Giacomazzi wurde nach der Ankunft in Brindisi in der Nacht mehr als fünf Stunden befragt. Gegen ihn und die italienische Reederei Visemar, die das Schiff verchartert hatte, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Herbeiführens einer Havarie. Laut Nachrichtenagentur Ansa erklärte der Kapitän, zunächst - um keine Panik auszulösen - wie vorgesehen die Besatzung alarmiert und dann den Alarm im ganzen Schiff ausgelöst zu haben. Passagiere hatten kritisiert, dass es keinen Alarm auf der Fähre gegeben habe.

Spekuliert wird weiter über die Ursache des Feuers, das im Fahrzeugdeck ausbrach. Dort waren laut Zeugen viele Laster mit Olivenöl geparkt. Mutmaßungen, wonach blinde Passagiere sich mit einem Feuer wärmen wollten und so den Brand auslösten, bestätigten die Behörden bisher nicht. (dpa)