Verbraucherschützer warnen vor Kapital-Lebensversicherungen

Genau kalkulieren: Eine Kapital-Lebensversicherung vorzeitig zu kündigen, lohnt sich häufig nicht.
Genau kalkulieren: Eine Kapital-Lebensversicherung vorzeitig zu kündigen, lohnt sich häufig nicht.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Kapital-Lebensversicherungen bergen viele versteckte Kosten bei geringen Erträgen. Kritisiert werden auch die langen Laufzeiten der Verträge.

Berlin.. „Finger weg!“: Wenn es um Kapital-Lebensversicherungen geht, gerät der Chef des Bundes der Versicherten (BdV), Axel Kleinlein, aus dem Stand in Rage. „Kapital-Lebensversicherungen sind legaler Betrug. Sie rentieren sich eigentlich nie; außer, man stirbt sofort nach Vertragsabschluss“, sagte Kleinlein. Das zuzeiten beliebteste Produkt der Deutschen für die Altersvorsorge und die Risikoabsicherung der Familie gilt der Verbraucherlobby als reiner Bauernnepp.

Auch die Verbraucherzentralen raten „dringend“ ab: „Kapitallebensversicherungen gehören zu den schlechtesten Produkten für die Altersvorsorge“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Bloß nicht!“

Versteckte Kosten sind oftmals hoch

Für die rigorose Ablehnung der Verbraucherschützer gibt es mehrere Gründe. Becker-Eiselen stören besonders die hohen versteckten Kosten. Viele Kunden übersehen, dass sich der Garantiezins nur auf den Sparanteil der eingezahlten Beiträge bezieht. Der Rest geht für Verwaltungskosten der Versicherungen und die Risikoabsicherung im Todesfall drauf. Der Sparanteil beträgt deshalb nur etwa 70 bis 80 Prozent der eingezahlten Beiträge. Anfang 2015 ist der gesetzliche Garantiezins auf nur noch 1,25 Prozent gefallen – legt man die ohnehin magere Verzinsung auf den Sparanteil um, sinkt der Garantiezins in Wahrheit noch weiter.

Ähnlich sieht es bei den beworbenen Überschüssen aus: „Sie sind eine unverbindliche Prognose und keineswegs sicher“, warnt der BdV. Hält der Zinsnotstand an den Kapitalmärkten noch ein paar Jahre an, ist schon heute absehbar, dass die avisierten Überschüsse dahin schmelzen.

„Die Absicherung im Todesfall ist bei Kapitallebensversicherungen außerdem viel zu gering“, kritisiert Becker-Eiselen. Denn durch die Kombination von Altersvorsorge und Risikoabsicherung in einem Produkt zahlen die Versicherten hohe Prämien – der Anteil für die Absicherung der Hinterbliebenen im Todesfall fällt in der Praxis meist viel zu gering aus. Auch die langen Vertragslaufzeiten von oft 20 bis 30 Jahren gefallen den Verbraucherschützern nicht. „Das passt einfach nicht mehr zu den heutigen Lebensläufen“, meint Becker-Eiselen. Scheidungen, der Verlust des Arbeitsplatzes oder andere unvorhergesehene Lebenseinschnitte sind weit verbreitet.

Vertrag nicht vorzeitig kündigen

Wer seine Ersparnisse in eine Kapital-Lebensversicherung steckt, kommt im Notfall meist nur mit hohen Verlusten an sein Geld. Vor allem in den Anfangsjahren. Drei von vier Kapital-Lebensversicherungen werden nach Angaben der Verbraucherschützer vor Vertragsende gekündigt. Sie lohnen sich aber in der Regel nur, wenn sie bis zum Schluss durchgehalten werden. Eine vorzeitige Kündigung bei einem Liquiditätsengpass ist deshalb keine gute Idee. „Der Vertrag sollte, wenn es irgendwie geht, bis zum Ende der Laufzeit durchgehalten werden“, rät Becker-Eiselen.

In jedem Fall sollte man sich beraten lassen, wenn man eine laufende Kapital-Lebensversicherung kündigen will. Auch vom Steuerberater. Beim BdV kann man sich ausrechnen lassen, was eine Kündigung kostet. Der Verkauf einer Versicherung an spezialisierte Unternehmen wie „Cash Life“ ist auch eine Möglichkeit, sie zahlen oft mehr als die Versicherung. Aber: Die Verbraucherzentrale Hamburg ist skeptisch. Derzeit laufe der Markt für die Kunden nicht gut, sagt Becker-Eiselen.

Die Aufkäufer knüpften den Aufkauf „gebrauchter“ Policen an strikte Bedingungen, es gebe zudem viele schwarze Schafe. Verbraucher sollten sich an seriöse Unternehmen wenden, die Mitglied im „Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen“ (www.bvzl.de) sind. Leichter ist es hingegen, einzelne Bestandteile aus einer Police „herauszukündigen“. Etwa eine Beitragsdynamik, eine gekoppelte Unfallversicherung oder einen Berufsunfähigkeitsschutz (BU). Diese sind jährlich kündbar. Und ohnehin keine gute Idee für eine Koppel-Police. Muss man etwa die Kapital-Lebensversicherung frühzeitig kündigen, geht auch die BU verloren. Je älter man wird, umso schwerer und teurer wird dann der Abschluss einer neuen Versicherung.

Gute Tipps aktuell kaum möglich

Fazit: Eine laufende Kapital-Lebensversicherung sollte, wenn irgend möglich, nicht vor Vertragsende gekündigt werden. Ein Neuabschluss ist hingegen seit Wegfall der Steuervorteile Ende 2004 fast nie sinnvoll. Nur etwa dann, wenn der Arbeitgeber im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge Geld dazugibt. Oder, wie BdV-Chef Kleinlein zugespitzt formuliert, der Versicherungsnehmer kurz nach Vertragsabschluss stirbt und die Hinterbliebenen die Versicherungsleistung einstreichen. Ansonsten empfiehlt sich als Absicherung für die Familie eine einfache und preiswerte Risiko-Lebensversicherung.

Die Tests von Stiftung Warentest oder Ökotest bieten nach Einschätzung der Verbraucherzentrale eine gute Orientierung. Sparen fürs Alter sollte immer getrennt laufen. Wegen der derzeit mickrigen Renditen sind gute Tipps aktuell kaum möglich. Becker-Eiselen empfiehlt Familien mit kleineren Einkommen und vielen Kindern einen Riester-Vertrag, der wegen der staatlichen Förderung immer interessant sei. Auch Banksparpläne sind sicher. „Wer mehr Geld hat“, so die Verbraucherzentrale, „kann Fonds kaufen oder für eine Immobilie sparen.“