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"Vatileaks" - War Papst-Butler Handlanger einer Verschwörung?

28.05.2012 | 17:33 Uhr
"Vatileaks" - War Papst-Butler Handlanger einer Verschwörung?
Unter Verdacht: der Butler des Papstes (li.): Paolo Gabriele. Foto: ap

Rom.   Der Butler des Papstes, Paolo Gabriele, soll interne Dokumente an Medien weitergegeben haben. Der 46-Jährige sitzt in Haft. Ob er benutzt wurde oder es um eine Verschwörung gegen den Papst handelt, darüber wird spekuliert. Auch der gefeuerte Chef der Vatikanbank wird beschuldigt, Dokumente verbreitet zu haben.

Bisher ist nur klar, dass es keine Klarheit gibt. Vier Kassetten mit Dokumenten, die er eigentlich nicht haben durfte, hat die Vatikan-Gendarmerie in der Wohnung von Paolo Gabriele gefunden. Doch was wollte der Butler des Papstes mit diesem Material?

326 Seiten umfasst das Buch „Sua Santità“, in dem der Journalist Gianluigi Nuzzi ein geheimes Vatikandokument nach dem anderen ausbreitet. Bei einigen dieser Papiere steht fest, dass nur der Papst und seine engsten Mitarbeiter sie in der Hand gehabt haben können. Aber war es Benedikts Butler, der sie weitergegeben hat?

Die Kurie wird erschüttert

„Vatileaks“ hat der Pressesprecher des Papstes, Federico Lombardi, die Indiskretionen aus dem Vatikan getauft. Sie belegen nach Ansicht vieler Beobachter Auflösungserscheinungen in der Kirchenregierung von Papst Benedikts XVI. Sie sollen offenbar auch zur weiteren Destabilisierung in der Kurie beitragen.

Doch wer steckt dahinter? Keiner glaubt, dass Benedikts Kammerdiener Paolo Gabriele, ein treukatholischer, 46-jähriger Vater von drei Kindern, seine exklusive Lebensstellung leichtfertig aufs Spiel setzt. Auch ist es wohl auszuschließen, dass Gabriele der einzige „Verräter“ war. Sind Kurienmitarbeiter bestochen worden? Ein Prälat, der im Vatikan arbeitet, schließt das nicht aus: „Gemessen an unserer Ausbildung und unserer Verantwortung sind wir entschieden unterbezahlt. Und Rom ist teuer. Wir müssen für unsere Wohnungen selber aufkommen. Ich kann mir also durchaus vorstellen. . .“

Journalist Nuzzi schreibt jedoch, er habe niemandem für den Dokumentenschmuggel bezahlt. Seine Informanten seien „eine Gruppe von Vatikanbürgern oder –angestellten“ gewesen, die „frustriert waren vom Überhandnehmen widerrechtlicher Übergriffe, persönlicher Interessen und unterdrückter Wahrheiten“.

Die Ermittlungen der Vatikangendarmerie und der drei Alt-Kardinäle, die der Papst persönlich eingesetzt hat, ziehen denn auch weitere Kreise: Jemand habe Benedikts Butler „benutzt“, heißt es. Dieser „Jemand“ muss eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein, sonst hätte der Diener des Papstes für ihn keinen Finger krumm gemacht. War es also ein Kardinal? Gab es eine Verschwörung?

„Um die Wahrheit ans Licht zu bringen“

Ob es damit zusammenhängt, oder ob es ein eigener Fall ist, dass weiß man noch nicht. Aber auch der in der vergangenen Woche gefeuerte Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi (67), wird mittlerweile beschuldigt, Dokumente in „ungerechtfertigter Weise verbreitet“ zu haben. Eines schließen die vier honorigen, internationalen Banker im Aufsichtsrat der Vatikanbank dabei übrigens „kategorisch“ aus: dass sie sich bei der Entlassung Gotti Tedeschis ihrerseits für innervatikanische Intrigen haben benutzen lassen.

„Hätte es Druck von irgendeiner Seite gegeben, hätten wir uns dem widersetzt“, sagt der Amerikaner Carl Anderson. Trifft das zu, dann fällt die in italienischen Zeitungen fast als sicher gehandelte Hypothese in sich zusammen, dass nämlich Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der „Zweite Mann“ des Papstes, hinter dem Rauswurf steckt.

Der Verteidiger Paolo Gabrieles sagte am Montag, Benedikts Butler werde „auf alle Fragen der Ermittler antworten, um die Wahrheit ans Licht zu bringen“. Vatikansprecher Lombardi seinerseits erklärte, die drei vom Papst beauftragten Alt-Kardinäle würden ihre Ermittlungsarbeit fortsetzen. Da kommt also bestimmt noch mehr ans Tageslicht.

Paul Kreiner



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