US-Segment der ISS evakuiert - Ammoniak ausgetreten

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst arbeitet im Oktober an der Internationalen Raumstation ISS.
Der deutsche Astronaut Alexander Gerst arbeitet im Oktober an der Internationalen Raumstation ISS.
Foto: ESA/NASA/dpa (Archiv)
Was wir bereits wissen
Die Astronauten an Bord der ISS haben sich nach einem Zwischenfall in den russischen Teil der Raumstation begeben.

Moskau.. Notfall im All: Nach einem Ammoniak-Alarm auf der Internationalen Raumstation ISS ist das US-amerikanische Segment evakuiert worden. Der Druck im Kühlsystem dieses Segments sei plötzlich sehr stark gefallen, teilte die Flugleitzentrale bei Moskau nach Angaben von russischen Agenturen am Mittwoch mit. Als möglicher Grund wurde der Austritt von hochgiftigem Ammoniak vermutet. Die US-Astronauten Barry Wilmore und Terry Virts hätten sich zur Sicherheit mit großer Eile in den russischen Teil begeben.

Austritt von Ammoniak gilt - neben einem Brand und einem Druckabfall - als größte Gefahr für den Außenposten der Menschheit. Der Stoff dient unter anderem zur Kühlung des Stromkreislaufs auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde. Derzeit arbeiten auch noch drei Russen und eine Italienerin auf der ISS.

Nasa nimmt Vorfall "sehr ernst"

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa teilte mit, der Austritt von Ammoniak sei zunächst unbestätigt. Sicherheit gehe allerdings vor. Der Raumfahrtbehörde Roskosmos in Moskau zufolge werden die beiden US-Astronauten vermutlich bis zu diesem Donnerstag im russischen Segment bleiben. "Es gibt dort genug Sauerstoff und Lebensmittel", sagte Roskosmos-Chef Oleg Ostapenko. "Gegenwärtig ist das amerikanische Segment der ISS isoliert, die Mannschaft ist in Sicherheit und befindet sich im russischen Segment", betonte er.

Raumfahrt Der deutsche Raumfahrer Alexander Gerst sagte, die Situation auf der Raumstation führe hoffentlich nicht zu größeren Schwierigkeiten. Die Mannschaft sei auf solche Fälle auch vorbereitet. "Das wird im Training geübt", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Darmstadt. Die Hälfte der Übung sei Notfalltraining, berichtete der Geophysiker. Er hatte von Mai bis November 2014 auf der ISS geforscht.

"Die Luke zum US-Segment ist geschlossen, nun läuft die Untersuchung", sagte Frank De Winne von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. Man nehme den Zwischenfall sehr ernst. (dpa)