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US-Polizei steht unter Rassismusverdacht

15.02.2012 | 13:36 Uhr
US-Polizei steht unter Rassismusverdacht
Polizeikontrolle der New Yorker Polizei NYPD (New York City Police Department) am Times Square in New York . Foto: dapd

New York/Washington.   Polizeikontrolle nach Hautfarbe: 680 000 Mal haben die Ordnungshüter in New York Menschen im vergangenen Jahr auf der Straße gefilzt. Ein neuer Rekord. Fast 90 Prozent der Kontrollierten waren Schwarze oder Latinos.

Die Ordnungshüter in New York stehen unter Rassismusverdacht: 680 000 Mal wurden Menschen im vergangenen Jahr auf der Straße gefilzt. Ein neuer Rekord. Fast 90 Prozent waren Schwarze oder Latinos.

Die New Yorker Polizei, mit 35 000 Beamten die größte und mächtigste des Landes, steht nicht zum ersten Mal unter Rassismus-Verdacht. Diesmal glauben Bürgerrechtler die Klage mit harten Zahlen belegen zu können.

Nur 9 Prozent Weiße

Im vergangenen Jahr haben NYPD-Officer auf den Straßen von Manhattan und den anderen Stadtbezirken 684 330 Personen-Kontrollen durchgeführt, knapp 180 000 mehr als 2009. Absoluter Rekord, seit die Behörde darüber Buch führt. Während Polizeichef Ray Kelly die Statistik als Ausweis für die gestiegene Sicherheit in der Millionen-Metropole nimmt, spricht Donna Liebermann von der renommierten „Civil Liberties Union“ von einem „handfesten Skandal“. Ihr Argument: Mit 87Prozent waren die meisten Kontrollierten Schwarze oder aus spanischsprachigen Ländern stammende Latinos. Nur 9 Prozent, so belegt die erst per Gerichtsurteil öffentlich gemachte Statistik, waren Menschen weißer Hautfarbe.

Schwarze und Latinos stellen nur  50 Prozent der Bevölkerung New Yorks. „Das ist Rassismus, nichts weiter“, sagte der bekannte Bezirkspolitiker Scott M. Stringer gestern der „New York Times“. Der Demokrat will 2013 die Nachfolge von Bürgermeister Michael Bloomberg antreten. Seit dessen Amtsantritt sind die so genannten „stop-and-frisk“-Polizeikontrollen, die der Oberste Gerichtshof 1968 erlaubt hat, um 600 Prozent gestiegen.

Spontane Kontrollen

Bei den besagten Kontrollen können Polizeibeamte jede Person auf der Straße stoppen, zum Stillstehen oder Hinlegen verdonnern und körperlich durchsuchen, wenn sich aus ihrer Sicht auch nur der leiseste Verdachtsmoment ergibt. Nach polizeiinternen Befragungen reicht dabei die Begründung bereits aus, die jeweilige Person habe sich „irgendwie seltsam bewegt“.

Dass von dieser Taktik vor allem junge Schwarze und Latinos betroffen sind, ist erwiesen. 2009 wurden in New York ausweislich der Polizeistatistik rund 132 000 Mal schwarze Männer im Alter von 16 bis 24 Jahren kontrolliert; obwohl nur 120 000 Personen, auf die diese Kriterien zutreffen, in der Stadt leben.

„Wir werden kriminalisiert, weil wir Schwarze sind“

Welches Gefühl das hinterlässt, beschreibt Nicholas K. Peart, Student am Manhattan Community College und selbst bereits fünf Mal gefilzt worden: „Für junge Leute in meiner Nachbarschaft ist es eine Gewohnheit geworden. Wir rechnen jeden Moment damit, dass die Polizei uns festhält. Wir kennen die Regeln: Nicht weglaufen, nichts erklären. Für sich selbst einzutreten, kann dich ins Gefängnis bringen. Oder Schlimmeres. Am Ende fühlen wir alle immer dasselbe. Wir werden erniedrigt, verfolgt, kriminalisiert, weil wir Schwarze sind.“

Polizeichef Kelly weist die Vorwürfe von sich. Über seinen Sprecher Paul Brown lässt er ausrichten, dass die umstrittenen Personenkontrollen maßgeblich dafür verantwortlich seien, dass die Zahl der Morde in New York in der zehnjährigen Amtszeit Bloombergs auf 5430 zurückgegangen sei – gegenüber 11 058 Toten in der Dekade davor. Kelly unmissverständlich: „Kontrollen retten Leben.“

Bewusste Schikane

Bürgerrechtlerin Donna Liebemann hält das für an den Haaren herbeigezogen und spricht von bewusster Schikane. Sie bezieht sich dabei auf eine umfangreiche Studie des Rechtsgelehrten Jeffrey Fagan aus dem vergangenen Jahr. Danach führten weniger als 5 Prozent der Kontrollen zu einer Festnahme. Bei weniger als 1 Prozent der Kontrollen würden Waffen festgestellt. Fagans Schlussfolgerung: Jahr für Jahren werden in New York  Hunderttausende auf der Straße von der Ordnungsmacht aus nur einem Grund angehalten – ihrer Hautfarbe.

 

 

Dirk Hautkapp

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Kommentare
15.02.2012
15:58
US-Polizei steht unter Rassismusverdacht
von Bronkhorst | #6

Über die Methoden mag man sich streiten. Aber in den USA ist es nicht anders als hier, die mit Abstand meisten Straftaten werden von Migranten begangen. (OK, in den USA ist eigentlich jeder ein Migrant, die Kriminalitätsstatistik teilt sich aber genauso auf.)

15.02.2012
15:09
US-Polizei steht unter Rassismusverdacht
von FernerBeobachter | #5

Vielleicht werden "dank" der verstärkten Kontrollen die tatsächlich begangenen Straftaten der "Schwarzen" einfach nur lückenloser aufgeklärt als die der "Weißen"?

15.02.2012
15:02
US-Polizei steht unter Rassismusverdacht
von montaigne | #4

Menschen mit dunklerer Hautfarbe erleben in Deutschland das gleiche. Während ich Durchschnittsweißer praktisch nie in eine verdachtsunabhängige Kontrolle gerate, können dunkelhäutige Menschen - ganz unabhängig, ob sie einen deutschen, einen amerikanischen, einen senegalesischen oder französischen Pass haben - von regelmäßigen Kontrollen (an Bahnhöfen, auf der Autobahn, als Passanten etc.) berichten. Das ist durchaus Alltag nicht nur in NY, sondern z.B. auch im Ruhrgebiet. Und natürlich würde auch hier jeder Polizeipräsident oder Innenminister hier den Verdacht weit von sich weisen, es handele sich um Rassismus...

15.02.2012
14:56
US-Polizei steht unter Rassismusverdacht
von heinrichh | #3

Im Dortmunder Hauptbahnhof, und in Zügen, kontrolliert die Bundespolizei hauptsächlich die Ausweispapiere von Migranten. Das liegt wohl daran das sich Deutsche hier nicht illegal aufhalten.

Das hindert aber einige Leute nicht daran das als Rassimus zu verurteilen.
Die Polizei kann doch nicht nach Quote kontrollieren, sondern nur nach Verdacht.

1 Antwort
US-Polizei steht unter Rassismusverdacht
von montaigne | #3-1

Die Polizei sollte Kriminalität bekämpfen und nicht den Aufenthaltsstatus von Zugpassagieren überprüfen. Wie wäre es mal mit Taschenkontrollen bei Leuten, die gerade vom Steuerberater kommen (Verdacht auf versuchte Steuerhinterziehung..?). Das ist zwar auch absurd, aber nicht absurder als die Fahndung nach illegalen Ausländern. Abgesehen davon, gibt es auch weiße Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis. Die Hautfabe ist ja nun wirklich kein Indiz für den Aufenthaltsstatus. Mir scheint eher, dass einige Polizisten tatsächlich in solchen Kontrollen fremdenfeindliche Vorbehalte ausleben.

15.02.2012
14:34
@ panemetcircenses
von hubertushwhofmann | #2

Erwarten Sie solche klärenden Details ernsthaft bei diesem Onlineblatt?

15.02.2012
14:11
US-Polizei steht unter Rassismusverdacht
von panemetcircenses | #1

hmmm..87% der Kontrollen betreffen Schwarze und Latinos, die nur 50% der Bevölkerung ausmachen...mir fehlt hier irgendwie der Anteil der Staftaten, die von diesen 50% begangen werden. Das würde das Bild vielleicht etwas abrunden.

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