US-Polizei fasst zweiten Gefängnisausbrecher in New York

Die beiden verurteilten Mörder David Sweat (35) und Richard Matt waren vor drei Wochen aus einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat New York ausgebrochen. Matt wurde am Freitag erschossen, Sweat wurde Sonntag gefasst.
Die beiden verurteilten Mörder David Sweat (35) und Richard Matt waren vor drei Wochen aus einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat New York ausgebrochen. Matt wurde am Freitag erschossen, Sweat wurde Sonntag gefasst.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Drei Wochen nach dem spektakulären Ausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis in den USA hat die Polizei den zweiten Flüchtigen gefasst. Der erste war erschossen worden.

Washington.. Drei Wochen nach dem Hollywood-reifen Ausbruch von zwei zu langen Freiheitsstrafen verurteilten Mördern aus dem Clinton-Hochsicherheits-Gefängnis in Dannemora im US-Bundesstaat New York ist eine der spektakulärsten Großfahndungen der USA der vergangenen Jahre mit einem blutigen Showdown zu Ende gegangen.

David Sweat (35) wurde am Sonntag rund 60 Kilometer nordwestlich der Haftanstalt von der Polizei fluchtunfähig geschossen und verhaftet. Sweats bewaffneter Kumpan Richard Matt (49) hatte sich am Freitag keine 20 Kilometer entfernt an einer Waldhütte seiner Festnahme widersetzt und war mit drei Kopfschüssen von einem Scharfschützen der zeitweilig 1300 Polizisten umfassenden Suchtrupps getötet worden.

Ausbrecher hatten Löcher in Wände gebohrt

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo lobte die Arbeit der Sicherheitsbehörden: „Kein Polizist und kein Zivilist ist zu Schaden gekommen, das war bei diesen brandgefährlichen Tätern nicht selbstverständlich. Der Alptraum für die Menschen hier in der Gegend ist endlich vorbei.“

USA Sweat und Matt waren am 6. Juni aus ihrer Zelle geflohen. Sie hatten dazu Löcher in diverse Wände und unterirdische Rohre gebohrt. Erste Rekonstruktionen des Ausbruchs verblüfften selbst Justiz-Experten: „Die beiden hatten intime Ortskenntnis, sie müssen das Ding über Monate geplant haben.“ Der Ausbruch war der erste in über 100 Jahren in dem abgelegenen Knast in den Adirondack-Bergen in der Nähe der kanadischen Provinz Quebec.

Duo hatte offenbar Hilfe von Gefängnis-Wärterin

Nach wenigen Tagen bestätigte sich der Verdacht der Ermittler: Das Duo muss massive Hilfe durch andere Gefängnis-Insassen oder Wärter gehabt haben. Ins Fadenkreuz geriet schnell die Justiz-Angestellte Joyce „Tillie“ Mitchell. Sie unterhielt nach vorläufigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft offenbar mit beiden Häftlingen Affären und versorgte sie nach und nach mit dem nötigen Werkzeug. So sollen etwa in gefrorenes Hackfleisch eingelassene Sägeblätter und Schraubenzieher in die Zelle der Mörder geraten sein.

Mitchells Plan sei es zunächst gewesen, Sweat und Matt nach der Flucht durch die Kanalisation an einem vorher vereinbarten Gully außerhalb der Haftanstalt mit einem Auto abzuholen, sagte Staatsanwalt Andrew Wylie. Danach sollte Mitchell Ehemann Lyle umgebracht werden. Doch die 51-Jährige, die nun selbst mit einer langen Haftstrafe rechnen muss, bekam im letzten Moment kalte Füße.

Sweat und Matt waren nach dem Ausbruch auf sich allein gestellt. In der von dichten Wäldern dominierten Gegend erschwerten ihnen Terrain, kaltes Regen-Wetter und ein immer größer werdendes Polizeiaufgebot das Weiterkommen. Wo sie zwischenzeitlich Unterschlupf fanden, ist noch unklar.

Behörden verfolgten nach Ausbruch 2500 Spuren

Wie Joseph D‘Amico, Chef der Staatspolizei, sagte, verfolgten die Behörden insgesamt 2500 Spuren. Mal hieß es, die Geflohenen seien Richtung Mexiko unterwegs. Später wurde ihnen nachgesagt, sie planten, den Sprung über die grüne Grenze nach Kanada wagen, um dort abzutauchen. David Sweat, dessen genetischer Fingerabdruck (DNA) zuvor an einem Pfefferstreuer in der Nähe des Ortes sichergestellt wurde, an dem Richard Matt starb, kam diesem Ziel am Sonntagnachmittag in der Ortschaft Constable bis auf zwei Kilometer nahe.

Dann erspähte State Trooper Jay Cook, ein Waffenspezialist, am Waldrand einen Mann in Tarnkleidung und forderte ihn auf, sich für eine Kontrolle bereit zu machen. Sweat rannte weg. Zwei Schüsse in den Oberkörper streckten den wegen eines Polizistenmordes 2002 zu lebenslänglich ohne Bewährung verurteilten Häftling nieder, ohne ihn lebensgefährlich zu verletzen.

Zweiter Gefängnis-Wärter festgenommen

Nach seiner Genesung erhoffen sich die Behörden Aufklärung über das ganze Ausmaß der Knast-Konspiration, die in vielen US-Medien Zweifel an der Verlässlichkeit der Hochsicherheits-Gefängnisse ausgelöst hat. Neben „Tillie“ Mitchell wurde inzwischen ein zweiter Schließer verhaftet, der den Ausbruch begünstigt haben soll.

Anwohner zwischen Dannemora und Constable wunderten sich unterdessen, als am Sonntagabend Bilder von der Festnahme Sweats veröffentlicht wurden. Anders als Richard Matt, der von Mücken zerfressen war, als ihn die Polizei stellte, sah der 35-Jährige frisch rasiert und im Gesicht unversehrt aus. Auf ihn wartet eine nachträgliche Verurteilung und die Verlegung in eine andere Haftanstalt. Mit Sonderbeobachtung. Bis zum Lebensende.