Urteil: Muslim darf Dieter Nuhr weiter "Hassprediger" nennen

Dieter Nuhr - hier bei einem Auftritt in Essen - nimmt auf der Bühne bisweilen den Islam ins Visier.
Dieter Nuhr - hier bei einem Auftritt in Essen - nimmt auf der Bühne bisweilen den Islam ins Visier.
Foto: Jörg Schimmel
Was wir bereits wissen
Nuhr erreicht vor Gericht nur einen Teilerfolg gegen einen muslimischen Kritiker. Ein Nuhr-Bild muss aus dem Netz verschwinden, das H-Wort nicht.

Osnabrück.. Dieter Nuhr muss es sich gefallen lassen, wegen seiner Islam-Kritik als "Hassprediger" bezeichnet zu werden. Vor dem Stuttgarter Landgericht scheiterte der Komiker laut einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" mit dem Versuch, dem Muslim Erhat Toka eine solche öffentliche Bezeichnung verbieten zu lassen.

Kritiker von Dieter Nuhr beansprucht Recht auf SatireSatire

Nuhrs Anwälte wollten eine Abmahnung und Unterlassungserklärung durchsetzen, deren Annahme Toka zuvor verweigert hatte. In Anspielung auf die Freiheit der Kunst, die Nuhr für seine Religionskritik in Anspruch nimmt, hatte sich Toka unter anderem mit dem Argument gewehrt, der Begriff "Hassprediger" sei nur als Satire zu verstehen.

Die Anwälte des Bühnen- und Fernsehstars begründeten die Aufnahme des Rechtsstreits gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" damit, dass nicht nur die Bezeichnung "Hassprediger" Nuhrs Rechte verletze, sondern auch eine Abbildung des Komikers, die der türkischstämmige Unternehmer im Internet verbreitet hatte.

Toka hatte Dieter Nuhr im Herbst angezeigtKultur

Tatsächlich untersagte das Gericht Toka unter Androhung eines Ordnungsgeldes die Verwendung des Porträtfotos, das er in ein Verbotsschild montiert hatte. Den Begriff "Hassprediger" hingegen beanstandete die Kammer nicht. In diesem Punkt wies sie Nuhrs Klage also ab.

Toka hatte im Herbst vergangenen Jahres Aufsehen erregt, weil er Nuhr Hetze und die Beschimpfung von Religionsgemeinschaften vorgeworfen und ihn angezeigt hatte. Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden jedoch schnell wieder eingestellt.

Demonstration in Osnabrück

Als Beleg diente Toka damals ein Youtube-Video, das antiislamische Passagen aus Nuhrs Programmen aneinander reiht. Toka hatte auch zu einer Demonstration am Rande eines Gastspiels von Nuhr in Osnabrück aufgerufen.

Dieter Nuhr äußerte sich am Mittwochmorgen via Facebook zu dem Thema: "Jetzt hab ich's: Hassprediger darf MICH "Hassprediger" nennen, weil man JEDEN Hassprediger nennen darf, auch als Hassprediger. Hatte völlig übersehen, daß da noch ein Verfahren lief. Aber durch die Presse erfährt man alles: Er darf weiterpöbeln, darf aber nicht mehr mein Foto verwenden. Gerichtskosten geteilt. Na, das ist doch eine gute Nachricht. Bei uns teilt man auch mit denen, die uns hassen. Gut so." (we)