Unternehmensanleihen sind heißbegehrt aber hochriskant

Unternehmen geben Anleihen heraus, um sich von Anlegern Geld zu leihen.
Unternehmen geben Anleihen heraus, um sich von Anlegern Geld zu leihen.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
In Zeiten niedriger Zinsen locken Renditen von Unternehmensanleihen. Anfänger sollten davon lieber die Finger lassen, warnen Verbraucherschützer.

Berlin.. Die Fluggesellschaft Air Berlin ist die Nummer zwei in Deutschland hinter der Lufthansa. Viele Reisende kennen das Angebot der Airline aus eigener Erfahrung. Wer Vertrauen in das Unternehmen hat, könnte einen Teil seines Ersparten dort anlegen. Denn Air Berlin gibt Anleihen heraus.

Im Grunde ist die Bezeichnung ein anderes Wort für einen Kredit, den Anleger der Firma geben. In Zeiten niedriger Zinsen könnten sich Unternehmensanleihen lohnen. Eine Anleihe der Fluggesellschaft, die noch bis 2018 läuft, weist derzeit eine Rendite von 5,65 Prozent aus.

Eine riskante Anlage

Im Vergleich zu den Zinsen für Tagesgeld oder Festgeld erscheint diese Ertragsaussicht glänzend. Auch mit Blick auf die Nummer Eins im Geschäft, die Lufthansa, wirkt Air Berlins Anleihe lukrativ. Eine bis zum Sommer 2016 laufende Anleihe der Kranich-Linie wirft aktuell nur 0,84 Prozent Rendite ab. Wie kommt es zu dem großen Unterschied? Air Berlin geht es geschäftlich nicht gut. Finanzspritzen eines arabischen Großaktionärs halten die Gesellschaft am Leben. Im vergangenen Jahr flogen die Berliner ein Rekordminus ein. Mit anderen Worten: Es ist viel riskanter, Air Berlin Geld zu borgen, als es der Lufthansa zu geben. Das höhere Risiko drückt sich in der höheren Verzinsung aus. Das ist ein Grundprinzip von Anleihen.

Finanztipps Da der Ertrag von Anleihen in der Regel von der Bonität des Herausgebers abhängt, müssen sich einfache Sparer schon sehr gut über die so genannten Emittenten informieren und die Kursentwicklung der Anleihe im Auge behalten. Deshalb raten Verbraucherschützer in der Regel vom Kauf einzelner Anleihen ab und empfehlen Sparern, lieber auf große Fonds zu setzen, die als Rentenfonds in den Kurslisten geführt werden. Diese halten viele verschiedene Anleihen und werden professionell gemanagt.

Markt ist für Laien unübersichtlich

Der Anleihenmarkt ist für den Laien zudem recht unübersichtlich. Die wichtigsten Emittenten sind die Staaten rund um den Erdball. Sie verschulden sich über Staatsanleihen wie Deutschland zum Beispiel mit Bundesschatzbriefen. Doch diese vergleichsweise sicheren Anlagen bringen derzeit kaum etwas ein, da sich die Rendite mit dem sinkenden Zinsniveau der Nulllinie annähert. Auch hier gilt die Abhängigkeit des Ertrags vom Risiko. Ärmere Staaten bezahlen höhere Zinsen. Doch müssen die Anleger dann auch, wie es bei Griechenland vor dem ersten Schuldenschnitt der Fall war, mit einem teilweisen oder vollständigen Ausfall der Rückzahlung rechnen.

Auch für Unternehmen, insbesondere für die ganz großen, gehört die Herausgabe von Anleihen zu den üblichen Finanzierungsinstrumenten. Die Kosten sind in der Regel geringer als ein Bankdarlehen und bei sinkenden Zinsen sparen die Firmen erhebliche Beträge. Die Deutsche Bahn ist beispielsweise mit rund 16 Milliarden Euro verschuldet. Muss sie durchschnittlich nur ein Prozent weniger Zinsen dafür bezahlen, bleiben 160 Millionen Euro mehr in der Kasse hängen.

Bei diesen Anleihen gibt es wiederum verschiedene Konstruktionen, auf die Anleger achten sollten. So rät die Stiftung Warentest zu einem Blick in die Bedingungen der Wertpapiere. Manche Unternehmen behalten sich darin das Recht vor, die Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen. Bei einer ungünstigen Kursentwicklung könnte dies zu schmerzhaften Verlusten bei den Sparern führen. Eine andere Besonderheit sind nachrangige Anleihen. In diesen Fällen erhalten die Käufer im Falle einer Insolvenz erst als letzte Gläubiger ihr Geld zurück – wenn dort noch etwas zu holen sein sollte.

Die Experten des Internetportals Finanztip raten derzeit von Anleihen generell ab. Wenn überhaupt, sollten Sparer in Rentenfonds oder in Exchange Tradet Funds (ETF) investieren. Letztere bilden jeweils einen Index der Anleihenmärkte ab. Während die Gebühren bei Fonds relativ hoch sind und den Ertrag erheblich drücken, sind ETF deutlich preiswerter.

Für risikobereite Anleger gibt es auch spezielle Angebote, so genannte High Yields Fonds. Diese legen das Geld nur in Unternehmen mit schwacher Bonität an, die dafür entsprechend mehr abwerfen.