Unter Wölfen
09.06.2009 | 18:18 Uhr 2009-06-09T18:18:00+0200Sonsbeck/Kevelaer. Im Tierpark Plantaria in Kevelaer-Twisteden beziehen bald vier Wolfjunge ihr neues Gehege. Bis es soweit ist, leben die Welpen beim Sonsbecker Wolfs-Experten Jos de Bruin - und schlafen in seinem Badezimmer.
Jos de Bruin ist beim Zähneputzen nicht allein. Im Badezimmer des Sonsbeckers leben vier Wolfsjunge – vorrübergehend zumindest. Denn wenn die Tiere alt genug sind, sollen sie ihr neues Zuhause im Kevelaerer Tierpark Plantaria beziehen. Bis es soweit ist, können sich Wölfe und Plantaria-Besucher schon einmal kennenlernen – wenn Jos de Bruin die Welpen zur Eingewöhnung mit nach Kevelaer-Twisteden nimmt.
Erst einmal bevölkert der pelzige Nachwuchs allerdings das Haus des Wolfsexperten. Gerade einmal vier Wochen sind die kleinen Wölfe jetzt alt und müssen rund um die Uhr versorgt werden. Das Chaos, das sie im Haus anrichten, übersieht Jos de Bruin gelassen. „Das gehört nun mal zum Leben mit Wölfen dazu”, sagt er.
Neues Zuhause die für Tiergeschwister
Die Welpen stammen aus einem Tierpark, in dem Wölfe und Bären gemeinsam gehalten werden. Das geht an sich gut. Doch bei Wolfsjungen verstehen Bären keinen Spaß. Der Tierpark musste nach einem neuen Zuhause für die insgesamt acht Geschwister suchen und wandte sich an Jos de Bruin.
Der wiederum schlug den Betreibern von Plantaria vor, ein Wolfsgehege einzurichten. Geschäftsführer Heinz-Alois Bosch sagte zu. Zuvor hatte er sich ein ähnliches Projekt in Kaiserslautern angesehen, das ebenfalls drei der Wolfsgeschwister aufgenommen hat. „Ich war überrascht, wie gut das von den Besuchern angenommen wird”, sagt Bosch. „Wichtig ist aber, dass man jemanden hat, der sich mit so etwas auskennt.”
Jemanden wie Jos de Bruin, dem die Plantaria-Betreiber ein etwa 1200 Quadratmeter großes Grundstück im Tierpark überlassen.
Baugenehmigung noch nicht da
Fronleichnam, 11. Juni, und Samstag, 13. Juni, bringt Jos de Bruin die vier Wolfswelpen zum ersten Mal in den Kevelaerer Tierpark.
Jeweils zwischen 14 und 17 Uhr wird der Sonsbecker die kleinen Wölfe dort füttern und Besuchern ihre Fragen zu den Tieren beantworten. Geplant ist, dass Jos de Bruin auch an den folgenden Wochenenden mit den Wölfen im Tierpark ist. Leben die Tiere erst einmal dort, soll es regelmäßig öffentliche Fütterungen geben. Infos zum Tierpark gibt es unter www.plantaria.de.
Das Gehege für die Wölfe steht darauf noch nicht. Erst muss das Bauamt sein endgültiges Okay geben. Doch Bosch ist optimistisch, dass „die Genehmigung noch im Juni kommt”. Dann könnten die Bauarbeiten beginnen und noch vor den Sommerferien beendet sein. Der Wolfsnachwuchs zieht dann im Alter von etwa drei Monaten ein.
Bis dahin will Jos de Bruin die Tiere langsam mit regelmäßigen Besuchen an Plantaria gewöhnen. „Wölfe sind sehr ängstliche Tiere”, erklärt de Bruin. Lärm und viele Menschen erschreckten sie. Deshalb sollen die vier Wolfsjungen die neue Umgebung frühzeitig kennenlernen.
Hoffnung auf ein zweites Gehege
Wolfsvater de Bruin werden die Welpen auch nach ihrem Umzug täglich sehen. Der Sonsbecker wird sie weiterhin versorgen – langfristig mit Unterstützung der Kevelaerer Tierpfleger. Sollte das Wolfgehege die von de Bruin wie Bosch erhofften Besucher anziehen, liebäugelt der Wolfs-Experte mit einem zweiten Gehege, dann für alte und kranke Wölfe.
Das Konzept erinnert an die Auffangstation, die de Bruin auf seinem Sonsbecker Grundstück auf Geheiß der Verwaltungsrichter aufgeben musste. Nachbarn hatten damals gegen die ursprünglich vom Kreis Wesel genehmigte Anlage geklagt.
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