„Unter Verdacht“ über Pflege-Schmu – Stecken alle unter einer Decke?

Oleg Kindrachuk (Ryszard Ronczewski) und Dr. Eva Maria Prohacek (Senta Berger).
Oleg Kindrachuk (Ryszard Ronczewski) und Dr. Eva Maria Prohacek (Senta Berger).
Was wir bereits wissen
Die ZDF-Reihe war bisher durchweg gut. Aber der aktuelle Fall ist spitze. Senta Berger deckt als Kriminalpsychologin Pflege-Schmu auf.

Mainz.. Das ZDF verkauft die Reihe „Unter Verdacht“ gern mit dem Etikett „Samstags-Krimi“, aber dazu sollte angemerkt werden: „Unter Verdacht“ ist eine der besten Filmreihen im deutschen Fernsehen, gesegnet mit unglaublich guten Schauspielleistungen, großartigen Drehbüchern und glanzvollen Regiearbeiten. Eines ist es sicher nicht: ein simpler Krimi. Das verkauft die Reihe unter Wert. Mag die Hauptdarstellerin auch Kriminalrätin sein: In einem schlichten „Tatort“-Drama mag man sich Dr. Prohacek und Herrn Langner nicht vorstellen. Auch „Grauzone“, der 23. Fall!, ist eine flammende Anklage gegen empörende Missstände, sorgsam verpackt in ein berührendes Gesellschaftsdrama.

ARD Es nimmt seinen Lauf mit einer explosiven Szene. Max Söllner, Mitarbeiter des Sozialamts, stirbt bei einem Autounfall. Sein Bruder Peter, ein Polizist, wird gleichzeitig von Prohacek und Langner vernommen. Ein Handy-Video klagt ihn an, einen Abgeordneten rüde behandelt zu haben, der offenbar betrunken mit hohem Tempo durch die Innenstadt gefahren war. Als die Todesnachricht eintrifft, bricht Prohacek das Verhör ab, begleitet den Polizisten nach Hause und entdeckt, dass die Wohnung verwüstet und der Dienstcomputer gestohlen wurde.

Warum Polizist Söllner so aggressiv auf eine Alkoholfahrt reagierte, wird schnell klar. Seine Ehefrau ist seit einem Unfall gelähmt, verursacht durch einen betrunkenen Autofahrer. Warum der Bruder starb, und was das mit dem Besuch des Beamten bei einem Aussiedler-Ehepaar zu tun hat, wird Stück für Stück – und höchst spannend! – aufgelöst.

Allein die glänzenden Nebenrollen sind das Zuschauen wert

Die Ermittlungen führen zu einem Pflegedienst, der sich auf die Betreuung von alten Menschen mit Migrationshintergrund spezialisiert hat. Das Unternehmen trägt den Namen „La Traviata“ und ist eng verbunden mit dem Abgeordneten Cuntze, jawohl, das ist der mit der Alkoholfahrt.

Natürlich ist auch Dr. Reiter, der Vorgesetzte von Prohacek und Langner, mit von der Partie. Er hat in „La Traviata“ viel Geld investiert. Dr. Reiter ist vergleichbar mit Vize Questore Patta aus den Brunetti-Filmen: Ein hemmungsloser Opportunist, immer dabei, wenn es in Politik und Gesellschaft etwas abzustauben gibt, und am Ende mehr durch Zufall dann doch auf der Seite der Guten.

Tatort Wie immer sind auch die Nebenrollen glänzend besetzt. Ryszard Ronczewskis Greis, der Ehefrau und Würde gegen die Abzocker des Pflegedienstes verteidigt, ist allein das Zuschauen wert. Keiner spielt einen schmierigen Politiker so überzeugend wie Jürgen Tarrach. Gerd Antholz holt aus der Rolle des Dr. Reiter mehr raus, als eigentlich drinsteckt, Rudolf Krauses Herr Langner ist allein wegen der Körpersprache unglaublich gut – und Senta Berger ist eben Senta Berger. Eine spröde Frau Dr. Prohacek, dünnhäutig und doch schonungslos, wenn es der Wahrheitsfindung dient, verletzlich und gnadenlos, das muss man erstmal hinkriegen.

Fazit: Beste Unterhaltung. Darf man nicht verpassen.

Samstag ZDF, 20.15 Uhr