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"Überall-Fernsehen" DVB-T ist für die Sender ein teurer Spaß

21.01.2013 | 15:23 Uhr
"Überall-Fernsehen" DVB-T ist für die Sender ein teurer Spaß
Satellitenschüssel auf einem Verwaltungsgebäude der RTL Group in Köln. Die Ausstrahlung via Antenne rechnet sich für die Sender kaum.Foto: ddp

Essen.   RTL steigt 2014 aus, ProSiebenSat.1 überlegt noch: DVB-T ist im Vergleich zur TV-Verbreitung via Kabel und Satellit ein teurer Spaß. Verbraucherschützer jedoch kämpfen für die Technologie: Für Zuschauer ist sie gratis.

Überall-Fernsehen wird es manchmal genannt, DVB-T heißt es offiziell. Für die Zuschauer ist es einfach zu empfangen und kostenlos. Empfänger anschließen, Kabel zum Fernseher – fertig. Für die Sender ist es ein teurer Verbreitungsweg mit technisch limitierten Möglichkeiten. Die RTL-Sendergruppe hat deshalb den Ausstieg beim digitalen Fernsehen über Antenne bis Ende 2014 angekündigt. Verbraucherschützer befürchten einen Domino-Effekt. Nicht abwegig.

Denn vor allem für die Privatsender rechnet sich dieser Übertragungsweg bisher kaum. Deshalb stellt auch die ProSiebenSat.1-Gruppe die Ausstrahlung via DVB-T auf den Prüfstand. Man wolle bis Ende März eine Entscheidung darüber treffen, bestätigt eine Unternehmenssprecherin. Die Öffentlich-Rechtlichen übertragen dagegen weiter mit DVB-T. „Die terrestrische Fernsehübertragung ist für die ARD wichtig, da sie den Zuschauerinnen und Zuschauern eine attraktive Möglichkeit bietet fernzusehen“, sagt Michael Rombach vom federführenden NDR. Allerdings haben ARD und ZDF durch ihren gesetzlichen Versorgungsauftrag auch kaum eine Möglichkeit auszusteigen – obwohl sie viel Geld sparen könnten.

Hintergrund
RTL-Gruppe will ab 2015 nicht mehr über DVB-T senden

Derzeit lassen sich alle großen deutschen Sender über DVB-T empfangen - doch 2015 ist damit Schluss: Die RTL-Gruppe will aus dem digitalen Antennenfernsehen aussteigen, weil DVB-T zu teuer sei, etwa 1,17 Millionen Haushalte sind deutschlandweit betroffen.

Denn für die Sender ist DVB-T teuer. RTL kostet es nach Senderangaben etwa 30-mal so viel wie die Ausstrahlung über Satellit. Und die Öffentlich-Rechtlichen kostete DVB-T laut Finanzkommission KEF pro Haushalt im vorigen Jahr 37,26 Euro. Für Satellit wurden lediglich 4,02 Euro fällig, für Kabel sogar nur 2,32 Euro.

Und im Vergleich zu den Kosten, bietet der Übertragungsweg wenig. In HD, also hoch auflösend, kann bisher nicht gesendet werden, eine für die Sender wichtige Verschlüsselungsmöglichkeit gibt es nicht, und insgesamt lassen sich maximal 30 Programme per DVB-T empfangen. Beim Kabel sind es knapp 100, über Satellit 120 und mehr. Und die Anbieter von Internetfernsehen kündigen bereits Hundertschaften empfangbarer Kanäle an.

Kommt DVB-T2 noch?

Viele Zuschauer scheint das nicht zu stören. Laut Verbraucherzentrale NRW nutzen 14 Prozent der 8,2 Millionen Fernsehhaushalte in NRW das Antennenfernsehen als ersten Empfangsweg, weitere fünf Prozent setzen DVB-T für Zweit- oder Drittgeräte ein. Die regionalen Unterschiede sind jedoch groß. Während das Antennen-Fernsehen im Sauer- und Siegerland oder am Niederrhein mangels Empfangbarkeit kaum eine Rolle spielt, empfängt im Ruhrgebiet mehr als jeder vierte Haushalt TV über Antenne.

Klaus Müller, Vorstand der Düsseldorfer Verbraucherzentrale, hat die Landesregierung deshalb aufgefordert, „darauf hinzuwirken, dass DVB-T als populärer Verbreitungsweg von Rundfunk dauerhaft erhalten bleibt und weiterentwickelt wird“. Technisch ist das möglich. Ein in Entwicklung befindlicher neuer Standard (DVB-T2) soll bessere Bilder in HD-Qualität und mehr Programme ermöglichen.

Andreas Böhme

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Kommentare
22.01.2013
12:40
Ach DESHALB wollten die öffentlich rechtlichen die Gebühr für jeden Haushalt.
von harrass | #11

Damit sie DVB-T abschalten können ohne das sich jeder abmelden darf...

22.01.2013
11:58
Wer mehr will
von Allesmerker | #10

Die flächendeckende Grundversorgung ist durch die öffentlich rechtlichen Fernsehsender sichergestellt. Dafür werden Gebühren erhoben.

Warum sollte ein privater Fernsehanbieter denn sein Angebot kostenlos zur Verfügung stellen?

Wer also mehr als die Grundversorgung will, soll auch bitte dafür bezahlen.

Und wenn es keine Möglichkeit gibt (kein Kabel, Vermieter verbietet Sat-Schüssel) Privatsender zu empfangen ist das eben Pech.

22.01.2013
11:07
Verschlüsselung
von 1rudi | #9

Zitat : "eine für die Sender wichtige Verschlüsselungsmöglichkeit gibt es nicht ."

etwas gelogen; In anderen EU-Länder z. B. Holland gibt es verschlüsselte DVB-T Programme


Aber diese Sender.... , oder hat das die WAZ das erlogen ?

1 Antwort
DVB-T Verschlüsselung gibt es auch in Deutschland
von joegillis | #9-1

Auch in Deutschland gibt es verschlüsseltes DVB-T:

In den Städten Stuttgart, Halle und Leipzig werden über Viseo+ die Sender der RTL-Gruppe verschlüsselt übertragen. Zum Nachlesen: www.viseo.tv

Die Nutzerzahlen scheinen sich jedoch in Grenzen zu halten.

22.01.2013
09:58
ich werde...
von rtf | #8

...RTL nicht vermissen.

1 Antwort
Genau das...
von OK-Du | #8-1

denke ich auch .

22.01.2013
09:36
#1 es geht um die Kosten für die Sender,
von meigustu | #7

Da der Kunde bereits irgendwas um die 50 € Grundgebühr fürs Kabel bezahlt, hat das natürlich einen strategischen Vorteil gegenüber all anderen Wegen.

22.01.2013
09:31
Ein teurer Spaß
von gudelia | #6

Ja, es stimmt. Fernsehen ist ein teurer Spaß, aber, nur für die Zuschauer!!! Kein Sender schenkt mir etwas, alles muß ich teuer bezahlen. Hört endlich auf mit solchen Volksverblödungsartikeln. Allerdings muß ich noch anmerken: Zeitungsverlage agieren ja nicht anders. Eine Zeitung wird nicht als ganzes gesehen, sondern in Abteilungen aufgegliedert. Vor langer Zeit hat man sich entschlossen, die Korrektoren abzuschaffen. Das Ergebnis kann man jeden Tag lesen. Dies allerdings ist nur machbar, wenn man die Konkurrenz vorher platt gemacht und aufgekauft hat. Man sieht also, Monopole pfeifen auf soziale Kompetenz, na, wenn sich das nicht mal rächt.

22.01.2013
08:47
Verschlüsselungsmöglichkeit ist der Grund
von DerRheinberger | #5

Der Beitrag für die Rundfunkgebühren beinhaltet eine gesetzliche Pflicht der öffentlich rechtlichen Betreiber, einen bundesweiten lückenlosen Empfang ihrer Programme sicherzustellen.

Es soll mir mal jemand die Rechnung erklären, warum die terrestrische Übertragung durch Digitalisierung plötzlich teurer geworden ist als durch die bisherigen analogen Sender. Im Gegenteil, durch die Digitalisierung können jetzt statt der 6-8 analogen Programme bis zu 36 Sender empfangen werden.

Vielmehr vermute ich hier ein Schurkenstück der Kabelbetreiber, welche angebilch keine Gewinne mehr erzielen. Will man jetzt durch Abschaltung sämtlicher terrestrischer Übertragungswege die Menschen, welche sich keine Schüssel installieren dürfen oder können, auf diesem Wege zu einem Kabelanschluss zwingen.


1 Antwort
Rundfunkgebühren
von joegillis | #5-1

Nur so als kleiner Hinweis: Rundfunkgebühren bekommen nur die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Und Betreiber der terrestrischen Sendeanlagen ist meistens die Media-Broadcast, ein privatwirtschaftliches Unternehmen.

22.01.2013
08:45
Unterschichtensender
von Susan2012 | #4

Soll die doch gehen - werden die Kanäle frei für besseres TV.

Im übrigen, was bitte machen die Menschen , wo es kein Kabel gibt und wo der Vermieter den Anbau von Sat-Schüsseln verbietet (zu Recht, wer will schon ein Haus gespickt mit den Teilen) und die TV-Übertragung per DSL-Breitband funktioniert auch nicht überall.

Was die vornehmlich stört ist , das es keine Verschlüsselung gibt - und da sollte jedem mal klar sein, in Zukunft wird da TROTZ Werbung gezahlt werden müssen, genau wie heute schon bei HD+.

1 Antwort
Besseres TV?
von joegillis | #4-1

Die Kanäle werden nicht für besseres TV frei, sondern für die Mobilfunkbetreiber (Stichwort: Digitale Dividente II). Die Mobilfunker stehen schon in den Startlöchern, genau so wie es im 800 MHz Frequenzband bei der Digitalen Dividende I passiert ist.

22.01.2013
08:44
Es gibt heute noch viele Gegenden, in den der Empfang ....
von Wurzelputz | #3

....der TV-Sender nur über DVB-T oder Satellit möglich ist, kein Breitbandkabel liegt und die Übertragungsgeschwindigkeit über Telefonleitungen schon für Internet grottenschlecht ist und für Entertain erst recht nicht reicht.

Man sollte auch die Privaten zwingen, sich an DVB-T zu beteiligen und nicht nur die lukrativen Teile aussuchen.

22.01.2013
08:41
RTL steigt aus DVB-T aus
von KuKu | #2

Zitat aus dem Artikel: "Und im Vergleich zu den Kosten, bietet der Übertragungsweg wenig." Es kann ja sein, dass der Übertragungsweg für RTL wenig bietet, aber das Dumm und Blöd Fernsehen der RTL Gruppe bietet ja auch nichts. Meinetwegen sollen sie sich von DVB-T verabschieden. Ich denke nicht, dass es mir überhaupt aufgefallen wäre, wenn diese Sender ab 2014 nicht mehr angeboten werden.

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