Über 70 Tote in Ägypten - Fußballer wollen nie wieder spielen
02.02.2012 | 07:38 Uhr 2012-02-02T07:38:37+0100Kairo. Nach den Krawallen bei einem Fußballspiel in Ägypten, bei denen am Mittwoch mindestens 74 Menschen starben, wollen sich die betroffenen Spieler aus Kairo offenbar aus dem Sport zurückziehen. Sie wollten "nie wieder Fußball spielen", sagte der Ahly-Torwart. Mehr als 1000 Menschen, darunter auch Spieler, wurden bei den Ausschreitungen verletzt.
Die Spieler der Kairoer Fußballmannschaft Al-Ahly wollen sich nach den Ausschreitungen mit mindestens 74 Toten bei einer Auswärtspartie in Port Said offenbar aus dem Profisport zurückziehen. "Es ist vorbei. Wir haben alle eine Entscheidung getroffen, dass wir nie mehr wieder Fußball spielen werden", sagte Torwart Scharif Ikrami dem privaten Fernsehsender ONTV.
Tote und Verwundete seien am Mittwochabend in die Umkleidekabine getragen worden. "Da sind Leute vor unseren Augen gestorben", sagte Ikrami, der selbst bei den Krawallen verletzt wurde. Wie könne es möglich sein, da wieder Fußball zu spielen? "Wir können überhaupt nicht daran denken."
Demonstrationen gegen den Militärrat
In der Nacht demonstrierten zahlreiche Menschen in Kairo gegen die Nachlässigkeit der Sicherheitskräfte. Vor dem Gelände des Fußballvereins Al-Ahly skandierten Aktivisten Parolen, in denen der regierende Militärrat kritisiert wurde.
Hunderte versammelten sich zudem vor dem Hauptbahnhof, um aus der Mittelmeerstadt Port Said ankommende Verletzte zu empfangen. Auch in Port Said selbst kam es zu Protesten, in denen die Gewalt nach dem Ende des Erstligaspiels verurteil wurde. Für Donnerstag wurde eine Demonstration vor dem Innenministerium in Kairo angekündigt.
Fifa-Präsident Blatter spricht von "schwarzem Tag für den Fußball"
Bei den Ausschreitungen im Stadion waren nach Regierungsangaben mindestens 1000 Menschen verletzt worden. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie Fans den Rasen stürmten und Spieler der Gastmannschaft jagten. Stadionbesucher gerieten in Panik, wurden totgetrampelt oder stürzten von den Rängen. "Das hat mit Fußball nichts zu tun. Das ist Krieg und die Menschen sterben vor unseren Füßen", sagte ein Spieler der Gästemannschaft Al Ahly, einem der erfolgreichsten Teams in dem nordafrikanischen Land. Die Armee setzte Hubschrauber ein, um Spieler und Fans in Sicherheit zu bringen.
Eine kleine Gruppe von Bereitschaftspolizisten versuchte erfolglos, Spieler zu schützen. Fans gelang es, die flüchtenden Sportler zu treten und schlagen. Der Fußballverband verschob einem Bericht des Staatsfernsehens zufolge alle weiteren angesetzten Partien auf unbestimmte Zeit. Fifa-Präsident Sepp Blatter sprach von einem schwarzen Tag für den Fußball: "Solch eine katastrophale Situation ist unvorstellbar und hätte nicht eintreten dürfen."
Schiedsrichter bricht Spiel in Kairo ab
Die meisten Verletzten erlitten nach Angaben des stellvertretenden Gesundheitsministers Gehirnerschütterungen und Schnittwunden. Die Unruhen waren gegen Ende der Partie zwischen Al Ahly und der Heimmannschaft al-Masri ausgebrochen, als Fans von Al Ahly Anhänger des Gastgebers beschimpften. Nachdem ein Fan mit einer Eisenstange bewaffnet auf den Rasen lief, stürmte die Menge den Platz. Auch in der Hauptstadt Kairo kam es zu Ausschreitungen. Kurz nachdem der Schiedsrichter von den Tumulten in der Mittelmeerstadt erfahren hatte, brach er das Spiel ab, woraufhin Fans Teile des Stadions anzündeten.
Seit Ausbruch der Revolten in arabischen Ländern vor mehr als einem Jahr hat die Gewalt in Fußballstadien in der Region deutlich zugenommen. Der regionale Parlamentsabgeordnete Albadri Farghali machte Anhänger des durch den Volksaufstand abgesetzten Präsidenten Hosni Mubarak für die Gewalt verantwortlich.
Die Sicherheitskräfte hätten die Zusammenstöße zu verantworten oder sie mindestens geduldet. "Der Kopf des Regimes ist gefallen, aber seine Männer sind noch in ihren Positionen." Etliche Ägypter misstrauen dem regierenden Militärrat, dessen Chef Mohamed Hussein Tantawi zwei Jahrzehnte lang unter Mubarak als Verteidigungsminister gedient hatte. (rtr/dapd)
10:43
Soweit ich gehört habe, wurde auch schon weit vor dem gestrigen Abend, das Spiel nicht als ein Solches, sondern von vornherein als “Glaubenskrieg” tituliert.
So schlimm das Geschehene nun auch ist, so ist es mir dennoch etwas unverständlich, warum das Spiel bei dieser politischen Vorgeschichte überhaupt angepfiffen wurde und dann auch noch viel zu wenig Sicherheitspersonal im- und vor dem Stadion war.
10:37
Unten ein Link zum 11 Freunde Magazin, welches die Rolle der Ultras während der Revolution näher beleuchtet und vielleicht den einen oder anderen hier zum Nachdenken bringt, bevor er die dortige Situation mit der in Europa gleichsetzt...
http://www.11freunde.de/international/139306/wir_ultras_haben_den_krieg_gewonnen
10:35
Sport ist (gut bezahlter) Mord.
Manchmal ist Schweigen besser, armer Mensch
10:19
Das ist ein ganz schwarzer Tag nicht nur für den Fussball in Ägypten - das kann auch in Europa passieren . Grundsätzlich hat sich das Fussballumfeld auch hier und durch alle Klassen verschlechtert . Der Fussballsport mit dem Gesamtpaket wird nicht umsonst von einigen bereits als "Asisport" bezeichnet und man sieht die eigenen Kinder lieber woanders aktiv . Ich kann das durchaus nachvollziehen - wenn auch nicht in der Schärfe - und die nächste Hiobsbotschaft ist nur eine Frage von Zeit , Ort sowie Spielklasse .
Dieser Sport hat von Haus aus sehr viele positive Emotionen und benötigt nun wirklich keine weiteren "Anschübe" und schon gar keine Gewalt !
09:52
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09:48
"Fehlverhalten einzelner"??
Wie naiv sind sie eigentlich? Das war von langer Hand geplant, war eine politische Aktion und hat rein gar nichts mit dem "Fehlverhalten einzelner " zu tun, und hatte schon gar nichts mit Sport zu tun. Lesen sie mal und denken sie nach, bevor sie einen Kommentar abgeben.
Die Ägypter haben sich ihre Regierung und unter der Scharia zu leben selber ausgesucht und müssen nun damit leben,. Selber schuld.
09:43
Wie kann man bitte die Diskussion um Pyrotechnik und Gewalt in Deutschland gleichsetzen, mit dem Bürgerkrieg in Ägypten, der dort traurigerweise auch in Stadien geführt wird?
09:41
Ich kann die Entscheidung der Fußballer, nie wieder spielen zu wollen, gut nachvollziehen. Wäre ich ein deutscher oder sonstiger Profifußballer, würde ich auch nicht vor Fußballfans spielen, die - wie es hier in der BRD geschieht - massenhaft rassistische und andere ehrverletzende Fan-Gesänge brüllen, an gegnerischen Fußballfans mit Schallattacken und anderen Mitteln Körperverletzung begehen und Bierbecher mit Kot und Urin in gegnerischen Menschenmengen werfen.
"...massenhaft rassistische...".
Auch hier wieder meine Frage: Schonmal in einem Fussballstadion gewesen? Oder wird nur nachgeplappert, was einem die Bild und RTL erzählen? Da, wo ich hingehe, fliegen die Leute aus dem Block, wenn die rassistisch-motivierte Gesänge anstimmen. Und zwar hochkant. Ehrverletzend vielleicht für einige wenige, das nimmt man aber in der regel nicht sonderlich ernst. "Deine Eltern sind Geschwister" ist für mich auch eher lustig als ehrverletzend. Und wenn mal ein Bierbecher mit Urin durch Stadion fliegt, wird da ein Aufriss drum gemacht, als wenn das an der Tagesordnung wäre. Ich habs in 24 Jahren noch nie erlebt. Und erlebt hab ich eine ganze Menge. Wenn 10.000.000 Menschen in einer Saison in die Stadien nur der ersten BL einlaufen, dann sind 10 Bierbecher mit Urin oder anderen Inhalten und ein bis zwei Todesopfern durch Unfälle oder Alkoholmißbrauch zwar schade, aber leider nicht vermeidbar. Das Dinge passieren können, sieht man auch tagtäglich im Straßenverkehr, wo ebensfalls Unbeteiligte oder Unschuldige zu Opfern werden (können), weil manche sich nicht an die Regeln halten. Will man so etwas für sich verhindern, dann muss man wohl den ganzen Tag zuhause bleiben und hoffen, dass kein Flusgzeug aufs dach fällt. Ansonsten gibt es eben ein gewisses Risiko im Leben.
Was in Äqypten passiert ist, hat allem Anschein nach ja auch nicht viel mit Fussball, sondern mehr mit Politik zu tun gehabt. Und Politik hat für die meisten Leute in Deutschland (Hooligans und Ultras inkl.) weder was auf dem Platz noch in der Kurve zu suchen. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen wieder die Regel.
Lieber Paselacki,
ich will mal für Stefan 2 antworten, da ich selber sehr lange aktiv Fußball gespielt habe und noch länger BL-Spiele im Stadion gesehen habe. Ich weiß also, wovon ich rede!!!
Fußball ist in seiner Gesamtheit sehr *******, zumindest , was das Verhalten vieler so-genannter Fans betrifft. Schmährufe sind leider keine Ausnahme, rassistische Gesänge werden immer häufiger.
Dass Becher ,gefüllt mit Urin, in die Menge geworfen werden kenne ich aus dem Dortmunder Stadion aus dem Bereich der Stehplätze schon seit den 80er Jahren. Dort wurde, weil man nicht zu Toilette wollte/konnte in die Becher uriniert und diese anschließend in die Menge geworfen, spätestens nach einem Torerfolg.
Die Tendenz ist hier steigend. Ein *normaler* Mensch wird es sich heute sicherlich gut überlegen, ob er sich unter diesen Pöbel mischt , insbesondere im Stehplatzbereich.
Überdies sind die Fahrten im ÖPNV nach den Spielen ein besonderes Highlight; hier sind alle Regeln hinsichtlich des Benehmens außer Kraft gesetzt, dann ist das Prekariat unter sich ....
09:40
Es sieht so aus, als ob da eine mordgierige Bande unterwegs wäre. Aus welchen Gründen auch immer. Menschen (??) die auch nicht zurück schrecken, wenn bereits die ersten Toten "im Weg liegen" (sorry für den Ausdruck, aber so sieht es aus). Spielen die Gründe da tatsächlich eine Rolle? Unmenschlichkeit, Emphatielosigkeit, Frust oder was auch immer.
Schlimm, das keine Polizei da war, um die Leute zu schützen.
Bei der Aufzählung der schlimmsten Unglücke und Ausschreitungen fehlt 1985, Belgien. Mir persönlich von allen am ehesten in Erinnerung, weil ich das damals auch nicht fassen konnte, mit welcher Gewalt die Leute aufeinander losgegangen sind.
Unglücke passieren, aber solche Dinge sind vom Menschen provoziert und da kann ich nicht mit umgehen:
"Die Katastrophe von Heysel war eine Massenpanik im Rahmen eines Fußball-Europapokalspiels. Sie ereignete sich am 29. Mai 1985 vor dem Endspiel um den Pokal der Landesmeister 1984/85 zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin im Heysel-Stadion in Brüssel. Als Anhänger Liverpools in den neutralen Sektor stürmten, brach Panik aus und eine Wand stürzte ein. 39 Menschen wurden getötet, 454 verletzt."
Ich habe immer noch das Bild vor Augen, wie mit dicken Pflastersteinen auf Menschen geworfen wurde. An diesen Abend kann ich mich gut erinnern. - Leider -
09:16
Ich kann mich nur dafür schämen in einer Welt zu leben bei der die Schuld für das Fehlverhalten von einzelnen direkt auf die Regierung geschoben wird!
Menschen die so etwas sagen sind einfach nur unmündig und man sollte ihnen alle Rechte, welche der Staat ihnen gibt, wieder entziehen, denn sie können mit ihnen nicht umgehen!