Das aktuelle Wetter NRW 11°C
PIP-Implantate

TÜV steht wegen PIP-Brustimplantaten vor Gericht

22.03.2013 | 18:07 Uhr
TÜV steht wegen PIP-Brustimplantaten vor Gericht
Wegen der PIP-Implantate steht der TÜV Rheinland vor Gericht.Foto: Michel Euler/ap/dapd

Toulon.   Im Skandal um die PIP-Brustimplantate prüft das Handelsgericht Toulon Schadensersatzklagen von 1500 Frauen. Der Vorwurf: Der TÜV Rheinland soll dem Hersteller nicht gewissenhaft genug auf die Finger geschaut haben

Eine halbe Million Silikonkissen hat die französische Firma „Poly Implant Prothèse“ (PIP) weltweit verkauft. Tausende Frauen leiden unter Schmerzen, weil die PIP-Brustimplantate oft mangelhaft sind. Die Kissen können reißen, undicht sein. Mittel- und langfristige Gesundheitsrisiken seien nicht auszuschließen, wie es beim deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn heißt.

Vor dem Handelsgericht im französischen Toulon musste sich am Freitag der TÜV Rheinland verantworten. Sechs Händler und 1500 Frauen verklagen den deutschen Prüfdienstleister auf Schadensersatz. Der Vorwurf: Der TÜV habe dem Schummel-Hersteller PIP nicht gewissenhaft auf die Finger geschaut.

Minderwertiges Industriesilikon

Der Skandal kam im Frühjahr 2010 ans Licht: Die Firma PIP hatte in hunderttausenden Brustimplantaten minderwertiges und nicht zugelassenes Industriesilikon aus Deutschland verwendet.

Lesen Sie auch:
Dämpfer für Klägerin im Prozess um PIP-Brustimplantate

Es geht um Schadenersatz in Höhe von 20.000 Euro: Vor dem Landgericht Karlsruhe hat der Prozess um minderwertige Brustimplantate des französischen Herstellers PIP begonnen. Die Klägerin hofft auf Entschädigung, weil sie unzureichend informiert worden sei, doch der Richter dämpft ihre Erwartungen.

In Frankreich sind 20 Frauen mit PIP-Implantaten an Krebs erkrankt. Daraufhin hatte das französische Gesundheitsministerium angeordnet, dass allen Frauen die PIP-Kissen entfernt werden müssten. Dies, obwohl es keinen Beweis für einen Zusammenhang zwischen den Krebserkrankungen und den PIP-Silikonkissen gibt.

Dem Hauptverantwortlichen, PIP-Gründer Jean-Claude Mas, soll am 17. April vor dem Strafgericht in Marseille der Prozess gemacht werden. Das Unternehmen von Mas wurde bereits 2011 liquidiert.

Ludwigshafenerin klagte – und verlor

Der TÜV Rheinland sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt und verweist auf das aktuelle Urteil des Landgerichts Frankenthal vom 14. März. Es war der erste PIP-Prozess in Deutschland. Eine 62-jährige Ludwigshafenerin hatte den TÜV auf 100 000 Euro Schmerzensgeld verklagt, war damit jedoch gescheitert.

Der TÜV, so die Richterin, sei „weder zu unangemeldeten Kontrollen“ verpflichtet gewesen, noch dazu, „die konkreten Produkte“ zu überprüfen.

Gerd Niewerth



Kommentare
22.03.2013
20:32
TÜV steht wegen PIP-Brustimplantaten vor Gericht
von Shy_Eye | #2

Ist denn das zu glauben? Der TÜV gibt hier sein Siegel drauf und suggeriert dem Verbraucher automatisch (auch aufgrund von guten Marketing und abgesehen davon, weil nun mal viele viele Menschen auch gute Erfahrungen mit dem TÜV haben und es bis dato einfach immer so rüber kam, dass der TÜV eine seriöses Unternehmen sei) am Ende sind genau diese Implantate "mangelhaft" oder einfach "nicht" für den Markt eingeeignet und der TÜV gibt hier sein Siegel drauf. Was soll man davon halten?

Nun fühlt ich der TÜV RHEINLAND zu Unrecht an den Pranger gestellt. Sag mal hackt es im Hirn? Die Richterin spinnt ja wohl!

Diese Leute haben ein Recht auf "sehr gute" Implantate! Irgendeiner, wer auch immer, muss dafür zahlen und der TÜV hat hier ganz klar eine Linie überschritten!

1 Antwort
TÜV steht wegen PIP-Brustimplantaten vor Gericht
von nussknacker | #2-1

Genau!
Hat denn der TÜV jedes einzelne Implantat geprüft?
Nein, der Hersteller reicht einige zur Prüfung ein und ist verpflichtet, die Serie genau so zu produzieren, wie sie geprüft wurde.
Aber es gibt überall Hersteller, denen die Dollarnoten wichtiger sind, als die Gesundheit der Kunden.

22.03.2013
19:58
TÜV vor Gericht
von Max_Freibier | #1

Der Tüv ist normalerweise nur zuständig, Rechnungen zu kassieren oder darauf zu drängen, dass Autofahrer jedes Jahr statt alle zwei Jahre zum Abkassieren hinfahren. Verantwortung für die eigenen Gutachten? Null. Also bezahlt man für Nichts, zumindest für ein Gutachten ohne jeden Wert. Sehr trickreiche und fadenscheinige Organisation. Sie könnten genauso Ablässe für einen späteren Aufenthalt im Himmel verkaufen. Kommt vielleicht noch...

Aus dem Ressort
The Voice of Germany - Rea Garvey sichert sich „die Waffe“
The Voice of Germany
Die Blind Auditions von „The Voice of Germany“ zeigen, warum Liveshows nicht mehr das Nonplusultra im Fernsehen sind. Die Dramaturgie ist bis ins kleinste Detail geplant. So gab es zum Schluss der fünften Blind Audition den bisher emotionalsten Moment der vierten „The Voice of Germany“-Staffel.
Achtung, Zeitumstellung - Deutschland dreht die Uhren zurück
Winterzeit
Die Mehrheit der Deutschen würde die Zeitumstellung gerne abschaffen. Die Politik hält aber daran fest. Jetzt am Wochenende werden die Uhren wieder umgestellt. Vor? Zurück? Viele Menschen sind verwirrt. Doch für die Mitarbeiter der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ist die Umstellung Routine.
„Killer von Brabant“ – neue Spuren ins Neo-Nazi-Milieu
Belgien
Vor etwa 30 Jahren erschütterte eine Gangster-Bande Belgien. Sie ermordete 28 Menschen. Die Täter seien im Neonazi-Milieu zu suchen, sagt jetzt eine Richterin. Sie hatten ein perfides Ziel: Die Killer wollten die Ohnmacht des Staates vorführen.
Der Herr der Pfeile, Phil Taylor, kommt nach Mülheim
Darts
Keiner trifft so oft wie er ins Schwarze. Der erfolgreiche Dartspieler wird in England gefeiert wie ein Pop-Star. In Krombach gastierte er bei einem Show-Turnier. Und jetzt tritt „The Power“ bei der Dart-Europameisterschaft in Mülheim an.
Ebola breitet sich aus - neue Fälle in New York und Mali
Ebola
Für New York wird ein Schreckensszenario wahr: Es gibt den ersten Ebola-Kranken in der Stadt. Auch in Mali wurde ein erster Fall bestätigt. An vielen Flughäfen werden Gesundheitskontrollen eingeführt. Microsoft-Mitbegründer Paul Allen spendet 100 000 Millionen Dollar für den Kampf gegen das Virus.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?