Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Panorama

Türkische Zeitung "Zaman Avrupa" will ein wenig deutscher werden

21.01.2013 | 18:45 Uhr
Foto: /dapd/Adam Berry

Die Zeitung "Zaman Avrupa" ist angekommen im Zentrum der Bundespolitik: Zum Jahresanfang hat sie den Hauptsitz ihrer Redaktion nach Berlin verlegt. 16 Mitarbeiter sind aus der Nähe von Frankfurt in die Hauptstadt gezogen. In einem Altbau wenige Hundert Meter vom Bundestag entfernt produzieren sie nun die Deutschlandausgabe der "Zaman". Am Montagabend wurden die neuen Räumlichkeiten eingeweiht.

Berlin (dapd-bln). Die Zeitung "Zaman Avrupa" ist angekommen im Zentrum der Bundespolitik: Zum Jahresanfang hat sie den Hauptsitz ihrer Redaktion nach Berlin verlegt. 16 Mitarbeiter sind aus der Nähe von Frankfurt in die Hauptstadt gezogen. In einem Altbau wenige Hundert Meter vom Bundestag entfernt produzieren sie nun die Deutschlandausgabe der "Zaman". Am Montagabend wurden die neuen Räumlichkeiten eingeweiht.

Dursun Çelik lebt seit acht Jahren in Deutschland und ist seit April 2012 Chefredakteur der "Zaman Avrupa" ("Zeit Europa"). Zuvor war seine Zeitung am Konzernsitz der World Media Group in Offenbach produziert worden - ganz in der Nähe der türkischen Konkurrenzblätter "Hürriyet" und "Sabah", die ihre internationalen Ausgaben in Mörfelden-Walldorf herstellen.

Vom Umzug verspricht sich Çelik bessere Kontakte in die Politik, und in Berlin verstehe man Deutschland einfach besser als in Offenbach. "Wir wollen die Akteure selbst kennenlernen und uns auch besser kennenlernen lassen."

Die "Zaman" ist die auflagenstärkste Tageszeitung der Türkei. Die "Zaman Avrupa" setzt hierzulande im Abonnement sowie im kürzlich gestarteten Kioskverkauf mehr Exemplare ab als die bekannte Boulevard-Zeitung "Hürriyet". Im vergangenen Jahr lag die verkaufte Auflage bei durchschnittlich knapp 28.000 Exemplaren.

Von der Ausrichtung her stehe "Zaman Avrupa" zwischen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung", sagt der Chefredakteur. Als "konservativ-liberal" beschreibt Redakteur Esat Semiz den Kurs der Zeitung.

Berichte aus Deutschland sollen mehr Platz einnahmen

Am Montag und am Dienstag ist die Niedersachsen-Wahl Aufmacher der "Zaman Avrupa". An anderen Tagen erscheinen Artikel des türkischen Mutterblattes auf der ersten Seite. Mittelfristig sollen noch mehr Geschichten über die Menschen und ihre Probleme hierzulande in der Zeitung landen. "Wir möchten noch mehr Seiten aus Deutschland produzieren, mehr als 60 Prozent ist unser Ziel", erklärt Chefredakteur Çelik. Derzeit liege der Anteil bei 40 Prozent. Zudem ist eine deutschsprachige Ausgabe geplant, die wöchentlich erscheinen soll.

Die Krise der Printmedien treffe die türkischen Zeitung ebenso wie die deutschen. Mehr als die Hälfte der "Zaman"-Leser stammen Çelik zufolge aus der ersten und zweiten Zuwanderergeneration. Nun sollen auch jüngere Deutschtürken als Leser erreicht werden.

Die "Zaman Avrupa" sieht sich dem Dialog verpflichtet. Gerade in Boulevardzeitungen würden zu oft Klischees hochgehalten und die Unterschiede in den Vordergrund gestellt, bemängelt Semiz. Auch einigen Institutionen in Deutschland mangele es an interkultureller Kompetenz, kritisiert Çelik. "Unsere Zielgruppe hat einige Probleme und Schwierigkeiten in Deutschland. Wir wollen mit den politischen Akteuren direkt ins Gespräch darüber kommen und eine Brücke bilden", fügt er hinzu. "Wir möchten unsere Leser auch überzeugen, dass sie sich mehr mit der deutschen Politik befassen sollten. Wir haben natürlich eine starke Verbindung zur Türkei, aber unsere Zukunft ist hier."

Schon ein bisschen mehr Offenheit von beiden Seiten könne helfen, sagt Çelik und nennt als Beispiel ein klassisches interkulturelles Missverständnis. In der Türkei sei es üblich, nach einem Umzug von den neuen Nachbarn willkommen geheißen zu werden. In Deutschland werde hingegen vom Neu-Mieter erwartet, dass er sich den anderen vorstelle. Dies sei lange Zeit auch das Problem bei der Integration der Zuwanderer gewesen: "Unsere Leute haben gewartet und die deutsche Seite auch."

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

 
Aus dem Ressort
Achtung, Zeitumstellung - Deutschland dreht die Uhren zurück
Winterzeit
Die Mehrheit der Deutschen würde die Zeitumstellung gerne abschaffen. Die Politik hält aber daran fest. Jetzt am Wochenende werden die Uhren wieder umgestellt. Vor? Zurück? Viele Menschen sind verwirrt. Doch für die Mitarbeiter der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ist die Umstellung Routine.
Schweden beendet tagelange Jagd auf mysteriöses U-Boot
U-Boot
Eine Woche hat das schwedische Militär in den Stockholmer Schären nach einem mysteriösen Unterwasserfahrzeug gesucht. Medien hatten spekuliert, dass es sich um ein russisches U-Boot handelt. Am Freitag wurde die Suche abgebrochen. Das verdächtige Objekt hat Schweden vermutlich verlassen.
The Voice of Germany - Rea Garvey sichert sich „die Waffe“
The Voice of Germany
Die Blind Auditions von „The Voice of Germany“ zeigen, warum Liveshows nicht mehr das Nonplusultra im Fernsehen sind. Die Dramaturgie ist bis ins kleinste Detail geplant. So gab es zum Schluss der fünften Blind Audition den bisher emotionalsten Moment der vierten „The Voice of Germany“-Staffel.
Achtung, Zeitumstellung - Deutschland dreht die Uhren zurück
Winterzeit
Die Mehrheit der Deutschen würde die Zeitumstellung gerne abschaffen. Die Politik hält aber daran fest. Jetzt am Wochenende werden die Uhren wieder umgestellt. Vor? Zurück? Viele Menschen sind verwirrt. Doch für die Mitarbeiter der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ist die Umstellung Routine.
„Killer von Brabant“ – neue Spuren ins Neo-Nazi-Milieu
Belgien
Vor etwa 30 Jahren erschütterte eine Gangster-Bande Belgien. Sie ermordete 28 Menschen. Die Täter seien im Neonazi-Milieu zu suchen, sagt jetzt eine Richterin. Sie hatten ein perfides Ziel: Die Killer wollten die Ohnmacht des Staates vorführen.