Türkei verbietet 138 Wörter

Es geht um die Sittlichkeit, vordergründig zumindest, bei der Internet-Zensur in der Türkei.Foto: Thomas Nitsche
Es geht um die Sittlichkeit, vordergründig zumindest, bei der Internet-Zensur in der Türkei.Foto: Thomas Nitsche
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Was wir bereits wissen
Die Türkei verschärft ihre Internet-Zensur. Die Telekom-Aufsichtsbehörde hat vergangene Woche den Internetprovidern eine Liste mit 138 Wörtern zugestellt, deren Gebrauch auf einer Internetseite künftig bei Strafandrohung untersagt wird

Istanbul.. Noch kann man in der Türkei die Internetseite „donanimalani.com“ aufrufen, ein Onlineshop, der Computer, Hard- und Software, Mobiltelefone und Ähnliches anbietet. Die Betreiber des Ladens werden sich aber bald einen neuen Namen suchen müssen. Sonst droht ihnen die Abschaltung. Die türkische Telekom-Aufsichtsbehörde (TIB) hat vergangene Woche den Internetprovidern eine Liste mit 138 Wörtern zugestellt, deren Gebrauch in einer so genannten Domain, also einer Internetadresse, künftig bei Strafandrohung untersagt wird.

Es geht bei dem Verbot offenbar um die Sittlichkeit, oder was die Aufsichtsbehörde dafür hält. So sind englische Begriffe wie „adult“, „fetish“, „hot“, „teen“ und „escort“, aber auch die türkischen Worte „ciplak“ (nackt) und „atesli“ (heiß), die häufig von Porno-Portalen verwendet werden, fortan untersagt. Das Wort „gay“ (schwul) wird gleich in der englischen und der türkischen Schreibweise (gey) verboten. Auf dem Index stehen auch englische Worte, die im Türkischen eine ganz andere Bedeutung haben. So wird „pic“, eine im Internet geläufige Abkürzung für picture (Bild) verboten, weil es im Türkischen „Bastard“ bedeutet.

OEZE kritisiert Ankara

Mit der Verbotsliste verschärft die Türkei erneut die Zensur im Internet. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) Ankara wegen der Internetzensur scharf kritisiert. Die türkischen Aufsichtsbehörden haben in den vergangenen Jahren mehr als 5000 Webseiten sperren lassen, darunter das Videoportal YouTube. Auf Beschluss des Innen- und Justizministeriums wurde vergangenes Jahr eine spezielle Polizeibehörde geschaffen, die „schädliche“ Internetseiten ausfindig und ihre Betreiber dingfest machen soll. Und warum droht nun dem harmlosen Computer-Onlineshop die Schließung? Schließlich klingt der Name „donanimalani.com“ doch ganz unverfänglich. Er bedeutet so viel wie „Hardeware-Welt“.

Aber wer genau hinsieht, entdeckt in der Internetadresse die Buchstabenfolge „animal“. Und dieses englische Wort (Tier) steht auf dem Index. Nach der gleichen verqueren Logik der türkischen Zensurbehörde muss auch der türkische Technik-Onlineshop „sanalmarketim.com“ um seine Zukunft bangen, enthält seine Internetadresse doch die künftig indizierte Buchstabenfolge „anal“. Ebenfalls auf der Liste der verbotenen Wörter stehen „yasak“ (verboten) und natürlich „free“ (frei).