Trotz Kauknochen und Postboten - Hunde verschlafen "Dog TV"

Mischling Adele wird nicht so richtig warm mit dem Hunde-Programm.
Mischling Adele wird nicht so richtig warm mit dem Hunde-Programm.
Was wir bereits wissen
US-Format soll Tiere unter anderem unterhalten, wenn Herrchen außer Haus ist. Doch im Test geben sich die beiden Versuchs-Hunde reichlich gelangweilt.

Essen..  „Katzen“, sage ich. „Vielleicht zeigen sie ja Katzen. Oder Hasen. Die machen unsere doch immer ganz verrückt.“ Meine Frau schüttelt den Kopf. „Quatsch“, sagt sie und findet es überhaupt „ziemlich bekloppt“, einen Fernsehsender für Hunde zu machen. „Wer soll denn da gucken?“

Zwei potenzielle Zuschauer haben es sich gerade zu unseren Füßen bequem gemacht. „Adele“ heißt die große Ruhige, „Luise“ die kleine Quirlige. Zwei von rund sieben Millionen Hunden, die in deutschen Haushalten leben. „Ich schalt mal ein“, sage ich. Denn Fernsehen für Hunde gibt es jetzt wirklich. Es kommt aus den USA. Deshalb nennt sich das neue Format auch Dog TV.

Vorher habe ich mich natürlich erkundigt. Man will seinen Hunden ja nicht irgendwas vorsetzen. Auch weil man ja ohnehin schon seit Jahren etwas falsch gemacht hat. Immer, wenn man seine Hunde allein zu Hause gelassen hat. Obwohl sie dann Trennungsängste entwickeln oder sich so langweilen können, dass sie Depressionen bekommen, wie Experten herausgefunden haben. Nein, da hilft es auch nichts, wenn man ihnen manchmal das Radio eingeschaltet oder das Licht im Flur angemacht hat.

Um weitere Fehler zu vermeiden, schaue ich mir im Internet ein Video mit Nicholas Dodman an, Professor in Boston, Hundepsychologe und wissenschaftlicher Berater des Senders. Er stellt erst einmal klar, dass Hunde durchaus Fernsehbilder erkennen können und rät: „Schauen Sie die ersten Minuten mit ihren Tieren.“

Mache ich. Luise liegt auf meinem Bauch, Adele vor meinen Füßen. Umgekehrt wäre auch schwierig. Ich schalte ein. Animierte Kauknochen fliegen über den Bildschirm und explodieren wie bei einem Feuerwerk. „Oh, guck mal da“, rufe ich. Offenbar denken beide, ich wolle ihnen etwas zu fressen geben, und sehen mich erwartungsvoll an. Ich zeige auf den Fernseher, beide drehen sich um. Und ich schwöre: Für mindestens zwei Sekunden schauen sie auf den Bildschirm. Vielleicht sind explodierende Kauknochen nicht das Richtige für den Einstieg.

Kamerafahrt durchs hohe Gras

Wenig später beginnt eine neue Sendung. Hunde tollen über eine Wiese mit hohem Gras. Die Kamerafahrten sind wie aus der Spürhund-Perspektive. Sehr tief. Und manchmal haben sie einem Hund offenbar eine dieser kleinen neuen Outdoor-Kameras ans Halsband gehängt. Das schwankt und wackelt dann wie Onkel Erwin an seinem 75. kurz nach Mitternacht. Nur schneller. „Wir machen“, denke ich an Dodmans Worte, „kein Fernsehen für Menschen, sondern für Hunde.“ Doof nur, dass meine bald eingeschlafen sind. So verpassen sie auch einen Lehrfilm zum Umgang mit Postboten. Dessen Quintessenz lautet, jetzt mal stark verkürzt: „Nicht beißen, den Mann.“

Nächster Versuch am Abend. „Relaxation“ steht auf dem Dog-TV-Programm, das in Deutschland nur über das Telekom Entertainment-Paket empfangen werden kann. Entspannung also. Langsame Kamerafahrten über verschneite Landschaften sind da zu sehen, manchmal auch ein herrlicher Strand im Sonnenuntergang oder ein herbstlicher Wald. Dass die Farben etwas merkwürdig sind, wundert mich nicht.

Hunde sehen nur dichromatisch, das heißt, sie nehmen nur die Farben blau und gelb wahr, können anders als der Mensch kein rot erkennen. „Deshalb haben wir das Farbspektrum angepasst“, erklärt Dodman. Und zu diesem angepassten Farbspektrum zupft ständig jemand eine Harfe oder spielt sanft auf dem Piano.

Hunde reagieren auf Gerüche, aber Dog TV riecht nicht – zum Glück

Mir fallen die Augen zu, bis mein Sohn aus seinem Zimmer ruft: „Kann mal einer das Gedudel ausstellen?“ „Ist doch für die Hunde“, rufe ich zurück. „Die sind schon seit einer Stunde bei mir“, lautet seine Antwort.

So etwas kann passieren, hat Dodman schon im Voraus gewarnt. Wie Hunde auf Dog TV reagieren, sei immer auch eine Frage von „Persönlichkeit und Rasse“. Spürhunde etwa würden eben mehr von Gerüchen statt von visuellen Reizen angezogen. Aber Dog TV riecht nun mal nicht. Zum Glück.

Kann aber auch sein, dass meine Hunde im Alter einfach schlecht sehen. Oder nicht verstehen, wenn einer aus dem TV-Gerät „Good Boy“ – „Guter Junge“ – ruft. Weil sie erstens Weibchen sind und wir es zweitens versäumt haben, sie mehrsprachig zu erziehen. Kann in diesem speziellen Fall aber auch daran liegen, dass sie keine Katzen zeigen.