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Tolle Wolle – was sie kann, woher sie kommt

04.10.2012 | 18:27 Uhr
Mann trifft Schaf: Johann Mittermayr ist Deutschlandchef der Firma Woolmark, die das Qualitätssiegel für Wollprodukte vergibt.Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.   Im Herbst und Winter wird es kuschelig. Die Woll-Lust bricht an. 80 Prozent der feinen Merinowolle stammt aus Australien. Dort leisten die Schafe Erstaunliches: Jedes Tier liefert jährlich Material für 14 Pullis. Designer wie Westwood und Lagerfeld sind echte Fans. Hier einige Fakten rund um die Wolle.

Sie ist weich und wärmt. In sie kann man sich reinkuscheln und trotzdem hübsch aussehen. Die Wolle, das Haupthaar der Schafe. Hier einige wichtige Fakten rund um die Woll-Lust.

Woher die Wolle kommt

Etwa 80 Prozent der feinen Wolle, die wir auf der Haut tragen, ist australischen Ursprungs. Das heißt: Sie stammt von Schafen, die auf dem fünften Kontinent leben. „Wir sprechen hier ausschließlich über die Merinowolle“, sagt jemand, dessen Beruf die Wolle ist: Johann Mittermayr, Deutschland-Manager der Woolmark Company. Das weltweit tätige Unternehmen arbeitet mit der gesamten Branche, vom Discounter über C&A bis zum Luxus-Designer, zusammen und vergibt das Wollsiegel, ein symbolisches Wollknäuel, das in Strick- und Webware eingenäht ist.

Das Merinoschaf liefert 4,5 Kilo Wolle pro Jahr. (Foto: Woolmark)

Das Siegel soll dem Kunden signalisieren, dass es sich bei der Ware um ein hochwertiges Produkt aus reiner Schurwolle handelt. „In letzter Zeit steigt die Nachfrage nach Wolle, das liegt an einem generellen Trend zu natürlichen Produkten“, sagt Mittermayr, der seinen Sitz in Düsseldorf hat. Hinter Woolmark stehen 29 000 Schaf-Farmer aus Australien, die es zuletzt nicht immer leicht hatten. Die Wollpreise waren so stark gesunken, dass die Züchter ihr Leben nicht mehr finanzieren konnten, viele haben aufgegeben. 1990 gab es 170 Millionen Schafe in Australien, zurzeit sind es noch 75 Millionen. „Aber die Wollpreise entwickeln sich nach oben. Jetzt haben die Züchter wieder eine Überlebenschance“, sagt Mittermayr.

Was ein Schaf leistet

Wolle ist ein natürliches Produkt. Sie braucht nicht mehr als Wasser, Sonne und Gras – und vor allem ein Schaf, auf dem sie wachsen kann. So ein ausgewachsenes australisches Merinoschaf liefert 4,5 Kilo Wolle pro Jahr, das macht umgerechnet rund 14 Wollpullover pro Schaf und Jahr. Kein Wunder also, dass jedes Schaf zweimal jährlich geschoren werden muss und sich darüber wahrscheinlich sogar freut. Wer mag schon gerne dick eingepackt in einen Haufen Wollpullis unter der warmen australischen Sonne herumlaufen?

Reine Wolle ist biologisch einwandfrei abbaubar. Vergräbt man sie in der Erde, hat sie sich nach zwei Jahren aufgelöst. Mittermayr nennt sie sogar einen „biologischen Dünger“.

Stricktrends 2012/13

Vom feinmaschigen und zarten Twin-Set bis hin zum groben Strick ist in dieser Saison vieles möglich. Die rustikalere Masche wird in Ponchos, lässigen Rollis, aber auch in Kapuzen- und Oversize-Strickjacken umgesetzt, wie aktuell in den Auslagen der Geschäfte zu sehen ist.

Wolle, hauchzart. In der aktuellen Kollektion von Vivienne Westwood.

Auf der anderen Seite ersetzen taillierte Strickjacken auf dem Geschäftstermin schon mal den Blazer, sie erinnern an den Mode-Stil einer Grace Kelly und stehen für den eleganteren Chic. Dazu zählen auch figurnahe Strickkleider, die meist über dem Knie enden. Gewagte Muster, Farben und Formen sind ein Trend, der auffällt. Bunt und geometrisch verspielt darf es sein. „Mindestens ein Teil in Weinrot, Cassis oder Beere sollte sich jede Frau in diesem Winter gönnen“, sagt die Düsseldorfer Modeexpertin Margit Jandali. Wer es lieber etwas dezenter mag, kann auf Camel-Töne ausweichen.

Die Designer und die Wolle

Wolle trifft Westwood. Die punkig angehauchte Designerin und britische Mode-Ikone Vivienne Westwood ist zu einer Botschafterin der Woolmark Company geworden. „Jede Frau liebt das englische Twinset, diese feine Strickmode. Sie ist leicht und angenehm. Man kann mehr als eine Schicht übereinander tragen. Es sieht großartig aus“, schwärmt Westwood. Zum Herbst/Winter hat die Modeschöpferin zwölf Teile für Damen und Herren aus feinster Merinowolle kreiert: ein Kleid in Knielänge mit korsettähnlicher Betonung, Taillendrapierung und einem aufsehenerregenden Ausschnitt beispielsweise.

Oder eine Feinstrick-Kombination, die wie ein Einteiler daherkommt. Diese Kollektion ist allerdings nichts für die Gartenarbeit und auch nichts für den verregneten Herbstspaziergang mit dem Hund. Schon allein wegen des Preises: ab 225 Euro bis vierstellig. Die Designerin selbst rechtfertigt das so: „Ich würde jedem Herrn empfehlen, nur eines meiner Teile zu erwerben und es für mindestens zehn Jahre zu tragen – anstatt zehn billige Sweater für nur ein Jahr zu kaufen.“ Erhältlich ist die Kollektion über den Online-Shop: www.viviennewestwood.com

Vivienne Westwood ist 70

Die Wolle hatte es den Designern schon immer angetan. Zu beobachten an dem seit 1954 existierenden internationalen „Woolmark Prize“. In den Anfangsjahren räumten die damals noch jungen Karl Lagerfeld und Yves St. Laurent ordentlich ab, „für beide brachte der Titel die Karriere erst richtig in Schwung“, sagt Johann Mittermayr. Der Preisträger des aktuellen Woll-Wettbewerbs wird 2013 in London gekürt.

Der Style der Zukunft

Der Wollsiegel-Verband setzt sich dafür ein, dass auch junge Modeschöpfer Gefallen an dem Naturprodukt finden. In diesem Jahr gibt es ein „Wool School Projekt“, an dem sich fünf deutsche Design-Hochschulen beteiligen. Studenten entwerfen Tragbares aus Wolle und werden dabei von namhaften Produzenten und Firmen unterstützt. In Düsseldorf arbeitet die Hochschule Niederrhein beispielsweise mit Marc Cain zusammen. Während einer Wool Week, also einer Wollwoche im November, werden die Kreationen der Studenten im Geschäft von Marc Cain ausgestellt.

Übrigens: Auch ein Prinz Charles mag das angenehme Tragegefühl von reiner Wolle auf der Haut. Der royale Mann engagiert sich als Schirmherr einer Woll-Kampagne.

Kirsten Simon



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