Tödlicher Hubschrauberunfall bei Dreharbeiten in Argentinien

Von den verunglückten Hubschraubern sind nur noch Wracks übrig.
Von den verunglückten Hubschraubern sind nur noch Wracks übrig.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Bei den Dreharbeiten zur Realityshow „Dropped“ in Argentinien kollidierten zwei Hubschrauber. Die zehn Passagiere waren auf der Stelle tot.

Paris.. Er sei „tief bewegt, fassungslos und ungeheuer traurig“, ließ Staatspräsident François Hollande noch in der Nacht auf Dienstag mitteilen. Kurz zuvor hatte Frankreich die Nachricht von dem tragischen Zusammenstoß zweier Hubschrauber in Argentinien erreicht, bei dem neben den beiden argentinischen Piloten acht Franzosen, unter ihnen drei populäre Spitzensportler, den Tod fanden. Alle Rundfunk- und Fernsehstationen setzten gestern Sondersendungen an, um über das die Nation aufwühlende Unglück zu berichten.

Kurz nach ihrem Start unweit der 1100 Kilometer nordwestlich der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gelegenen Gemeinde Villa Castelli waren die beiden von einer französischen Produktionsgesellschaft angemieteten Helikopter in der Luft kollidiert und abgestürzt. Alle Insassen wurden auf der Stelle getötet. Die Ursache des Unglücks, das sich bei beinahe idealen Wetterbedingungen ereignete, ist noch unklar. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, so verlautete aus argentinischen Behördenkreisen, könnten weder eine technische Panne noch ein Pilotenfehler ausgeschlossen werden.

„Ganz Frankreich ist in Trauer“

In der abgelegenen und bergigen Provinz La Rioja hatten vor zwei Wochen die Dreharbeiten für die neue Realityshow „Dropped“ begonnen, deren Ausstrahlung in diesem Sommer vorgesehen war. Das Konzept der Sendung sah vor, acht ehemalige Spitzensportler in der argentinischen Wildnis auszusetzen. Sie sollten dabei gefilmt werden, wie sie sich in zwei Teams durch die Berge schlagen – lediglich ausgestattet mit etwas Wasser und einem GPS-Sender.

Außer den Piloten und einem fünfköpfigen Drehteam kamen bei dem Absturz mit der Extrem-Seglerin Florence Arthaud (57), der Schwimmerin Camille Muffat (25) und dem Boxer Alexis Vastine (28) gleich drei Champions ums Leben, die in Frankreich eine enorme Popularität genossen. Entsprechend zahlreich und von Erschütterung geprägt waren am Dienstag die Reaktionen aus der Welt des Sports sowie der Politik. „Ganz Frankreich ist in Trauer“, erklärte etwa Regierungschef Manuel Valls – fernab jeder Übertreibung.

Eine der erfolgreichsten Schwimmerinnen Frankreichs

Florence Arthaud ist in den 1990er-Jahren als „Verlobte des Atlantiks“ berühmt geworden. Die international erfolgreiche Skipperin gewann mehrere bedeutende Segelregatten. Vor allem aber trug sie sich als erste und einzige Frau 1990 in die Siegerliste der ebenso prestigeträchtigen wie knallharten „Route du Rhum“ ein, einem 3500-Meilen-Rennen von Saint-Malo in der Bretagne nach Pointe-à-Pitre auf der Antilleninsel Guadeloupe und stellte dabei eine Rekord auf, der erst 14 Jahre später unterboten wurde.

Die aus Nizza stammende Camille Muffat ihrerseits gehörte zu den erfolgreichsten Schwimmerinnen Frankreichs, bis sie im vergangenen Jahr überraschend ihrer Karriere ein Ende setzte, „um endlich mein Leben ein wenig genießen zu können“. Ihre größten Erfolge feierte sie bei den Olympischen Spielen in London (2012), wo sie gleich drei Medaillen (Gold über 400 m Freistil, Silber über 200 m Freistil und Bronze mit der 4×200-Meter-Freistil-Staffel) eroberte. Wie Arthaud im Jahr 1990 wurde Muffat 2012 zur französischen Sportlerin des Jahrs gekürt.

Höchst populär war auch der Weltergewichts-Boxer Alexis Vastine, obwohl er sich „nur“ mit einer Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Peking (2008) in die Annalen eintrug. Allerdings unterlag er damals im Halbfinale dem späteren Olympiasieger durch eine mehr als umstrittene Kampfrichterentscheidung; die Tränen des gutaussehenden Modellathleten während der Siegerehrung haben die empörten Franzosen zutiefst gerührt. Vastine galt als der größte Pechvogel des französischen Boxsports, seitdem ihm in London im Viertelfinale erneut der Sieg „gestohlen“ wurde. Trotzdem wollte er es bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (2016) noch einmal wissen.