Todesstrafe für Boston-Bomber Zarnajew

Washington/Boston..  Nur 14 Stunden, verteilt auf drei Tage, benötigten die zwölf Geschworenen im Prozess gegen den Bomben-Attentäter, der mit seinem Bruder beim Boston Marathon-Lauf 2013 für insgesamt vier Tote und über 260 Verletzte verantwortlich war. Dann stand das einstimmige Votum für die härteste aller Strafen fest: die Giftspritze. Bis Dschohar Zarnajew (21) von Staats wegen exekutiert wird, können noch zehn Jahre und mehr vergehen. Mit dem Todesstrafen-Urteil, das gestern in der US-Ostküstenstadt gefällt wurde, beginnt ein Justiz-Marathon mit ungewissem Ausgang. Die Verteidigung des Studenten tschetschenischer Abstammung wird das Urteil auf allen denkbaren Ebenen anfechten. Ziel: Umwandlung in eine lebenslängliche Haftstrafe ohne die Möglichkeit der Begnadigung.

Die Chancen dafür stehen rein statistisch gesehen nicht schlecht. Seit 1988 gab es in den USA auf Bundesebene, und nur um die geht es beim Verfahren in Boston, 498 Prozesse, in den auf Todesstrafe geklagt wurde. Nur in 80 Fällen wurde am Ende die Todesstrafe bestätigt. Und nur in drei Fällen wurde sie seither wirklich vollstreckt. Auf Ebene der Bundesstaaten gibt es ebenfalls eine große Diskrepanz zwischen zum Tode Verurteilten und tatsächlich Hingerichteten. Derzeit sitzen rund 3000 Männer und Frauen amerikaweit in Todestrakten diverser Gefängnisse; teilweise seit 20 Jahren. Jeder Einzelfall kostet den Steuerzahler pro Jahr fast eine Million Dollar.

Bill und Denise Richard, die in Boston ihren Sohn Martin (8) verloren hatten, plädierten vor wenigen Wochen öffentlich dafür, Zarnajew nicht die Chance zu geben, gegen ein Todesurteil anzugehen. Stattdessen, so ihre Bitte, sollte er für immer ins Hochsicherheits-Gefängnis ADX in Florence im Bundesstaat Colorado gesteckt werden. Begründung: „Erst in dem Moment, wenn der Angeklagte aus unseren Zeitungen und von den Fernsehschirmen verschwindet, können wir damit beginnen, unser Leben und das unserer Familien zurück zu gewinnen.“ Die Geschworenen in Boston haben anders entschieden.