Tinktur gegen die Lüge

Berlin..  So ist eben das Leben um die vierzig: Die Kinder werden größer, der Mann lebt getrennt von der Familie, der Job fordert seinen Tribut. Kathrin (Bettina Zimmermann) ist genau 39 Jahre alt und nutzt die Situation zu ihren Gunsten: Sie hält sich mit Luca (Eugen Bauder) einen jugendlichen Lover und steht beruflich als TV-Reporterin vor einer ihrer größten Herausforderungen – ein Interview mit dem berühmten Schauspieler Daniel König.

In der Sat.1-Komödie „Zum Teufel mit der Wahrheit“ an diesem Dienstag (20.15 Uhr) bringt dieses Interview Kathrins Leben völlig durcheinander. Weil sie unter einer Allergie leidet, wendet sie sich an eine chinesische Heilkünstlerin, die ihr eine Tinktur verabreicht. Die Wirkung der Lösung ist zunächst gleich null. Allerdings: Ihrem Pförtner beantwortet sie die Frage nach ihrem Befinden nicht wie üblich mit „gut“ oder „klasse“, sondern mit „schlecht“.

Kuriose Szenen mit dem Ex

Und dann kommt es zum Interview. Auf Kathrins Frage, ob er dem Publikum verraten wolle, wie er sich so jung gehalten habe, antwortet Daniel König: „Gute Gene, gutes Essen und viel Bewegung.“ Kathrin hält sich dann aber nicht an das vorbereitete Manuskript und ihr entfährt: „Und die Tatsache, dass Sie mehr Botox im Gesicht haben als Pamela Anderson Silikon in den Titten.“ Das Live-Gespräch platzt, der Skandal ist perfekt, Kathrin steht vor der Entlassung und wundert sich über sich selbst. Sie erzählt nur die Wahrheit – dank einer chinesischen „Quacksalberin“, wie sie noch geschimpft hatte.

Eine Frau, die nur die Wahrheit erzählt, geht das gut? Es kommt zu kuriosen Szenen, auch mit ihrem Ex-Mann (Christoph M. Ohrt), der einen Herzinfarkt erleidet und erst einmal bei ihr bleiben muss. Es gibt Ärger mit den Kindern, mit dem Lover und dem ständig vorgetäuschten Orgasmus. Doch der Film soll auch beweisen: Wer immer die Wahrheit sagt, findet zum Schluss sein Seelenheil.

Ist das alles so einfach? Wenn es nach Sat.1, Regisseur Granz Henman und Drehbuchautorin Barbara Jago geht: im Prinzip ja.

Die Komödie zieht das Publikum wie schon manch andere Filme wie zum Beispiel „Plötzlich wieder 16“, als Sophie Schütt plötzlich wieder zurück in die Pubertät versetzt wird, in eine Märchenwelt, die für den modernen TV-Zuschauer im Hier und Jetzt angesiedelt ist. Bettina Zimmermann, Christoph M. Ohrt und Eugen Bauder bieten ein kurzweiliges Stück Unterhaltung mit witzigen Dialogen und einigem Esprit. Die den Film durchziehende Frage, kommen Ohrt und Zimmermann wieder zusammen oder setzt sich das neue Glück durch, erfährt eine überraschende Antwort.

Plädoyer für offene Worte

Im Gespräch mit dem Sender setzt sich die Hauptdarstellerin mit dem Thema Lüge auseinander. Nützt es etwas zu flunkern? „Vielleicht für den Moment, in dem man durch Lügen eine Situation oder ein Thema beendet oder in eine für sich angenehme Richtung geführt hat“, sagt Bettina Zimmermann. „Auf Dauer gesehen kommt aber immer alles heraus und erschwert doch vieles. Daher bin ich immer für offene und ehrliche Worte.“ Sie versuche grundsätzlich, Lügen zu vermeiden. „Aber alleine schon bei der Beantwortung von Floskeln wie: „Hey, wie geht es Dir?“, sagen doch bestimmt 95 Prozent der Leute „gut“, um nicht jedem gleich die komplette Lebensgeschichte erzählen zu müssen.“

Die Lügen, sagt die Schauspielerin, hätten aber manchmal auch ihre schönen Seiten: „Fast alle Eltern lügen ja, wenn sie vom Weihnachtsmann erzählen. Aber das sind wunderschöne Lügen, die die Kinder mehr Kind sein lassen und den Erwachsenen ein Stück Kindheit zurückbringen.“

Fazit: Komödie ohne Tiefgang aber dennoch recht unterhaltsam und von Bettina Zimmermann und Christoph M. Ohrt ordentlich gespielt.

Sat.1, 20.15 Uhr