Tilo Prückner ermittelt als Rentnercop am Vorabend

74 Jahre und topfit: Tilo Prückner.
74 Jahre und topfit: Tilo Prückner.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Schauspieler Tilo Prückner ist wieder auf den deutschen Bildschirmen zu sehen. Als berenteter Kommissar Edwin Bremer ermittelt er im Vorabendprogramm.

Wiesbaden.. Eine Theaterlegende ist er, Ur-Bayer ist er auch. Er gilt als Exzentriker, manche nennen ihn auch Berserker. Im Fernsehen ist er ab Dienstag (31.3.) einer der „Rentnercops“ (ARD, 18.50 Uhr), etwas rau im Ton, recht direkt in der Ansprache. Aber geht er ans Telefon, meldet er sich ganz freundlich: „Hallo, Prückner hier.“

Der gebürtige Augsburger ist gerade in Wiesbaden. War am Abend zuvor Gast in einer Fernsehshow. Er wird gerne eingeladen, er kann viel erzählen, er hat ja auch viel erlebt. Bald geht es zurück nach Berlin, über Ostern ein paar Tage zum Bodensee, ein wenig entspannen.

Denn auch mit mittlerweile 74 Jahren ist Tilo Prückner gut im Geschäft. „Liegt auch daran, dass viele der Kollegen in meinem Alter mittlerweile tot sind“, gibt er sich bescheiden. „Oder nicht mehr fit genug.“ Er ist es. Deshalb flattern ihm reichlich Drehbücher in sein Haus in Berlin. Manche Rollen lehnt er ab, manche nimmt er wegen der Gage an. „Man lebt ja davon.“

Eine Rolle, wie auf den Leib geschnitten

Die des aus dem Ruhestand geholten Beamten Edwin Bremer hat er übernommen, „weil ich den Typen saugut finde“. Ein gerne grantelender vielerorts ungeliebter, einzelgängerischer Stinkstiefel, so einen mag Prückner. „Wie auf den Leib geschrieben“ sei ihm die Rolle, sagt er. Außerdem ist sie mal etwas anderes: „Ich hab‘ mehrere Kommissare gespielt, wurde immer vor der Pension entlassen oder hab‘ damit aufgehört.“ Jetzt fängt er damit an.

ARD Denn dieser Bremer, das muss man wissen, ist laut Drehbuch eigentlich seit Jahren in Rente. Auf ein schönes Leben mit der Ehefrau hat er sich gefreut aber die ist gestorben. Nun sitzt er oft alleine zu Hause im Sessel, raucht und langweilt sich. Bis die Kollegen aus dem ehemaligen Dezernat vor der Tür stehen und wegen akuten Personalmangels eine Reaktivierung anbieten. Bremer tut wenig begeistert, ist in Wahrheit aber natürlich heilfroh, dass er wieder ins Leben zurückkehren kann. Zumal auch sein langjähriger Partner Günter Hoffmann (Wolfgang Winkler) wieder mit von der Partie ist. Gemeinsam stolpern sie in die Ermittlungen und müssen feststellen, dass sich seit ihrer Pensionierung einiges geändert hat.

Vor allem technisch ist das ungleiche Paar nicht mehr auf dem neuesten Stand. Akten kennen sie nur auf Papier und wenn sie sich verfahren, gucken sie nicht auf Navi, sondern fragen an der Tankstelle. Gerade das hat Prückner begeistert. „Mir geht es ganz ähnlich“. Ja, er besitzt ein Handy und wenn es sein muss, kann er auch eine E-Mail schreiben. „Aber ich nutze den ganzen Kram kaum. Ich schreibe noch Briefe und Postkarten.“

Auch sonst ist ihm dieser Bremer „sympathisch“, weil er so „unkonventionell“ ist und „sich oft über Regeln hinwegsetzt“. „Das mache ich ja selber gerne.“

Acht erste Folgen bereits gedreht

Er nimmt auch kein Blatt mehr vor den Mund. „In meinem Alter muss ich das nicht mehr.“ Nehmen wir die Produktionsbedingungen im Fernsehen. Weniger ein Vollzeitjob, eher „wie die Arbeit in einem Bergwerk“, findet er. Lange Drehtage, immer unter Zeitdruck, „das ist schon sehr extrem“. Zum Glück kann er das gestiegene Tempo mitgehen. „Nur das Textlernen dauert manchmal etwas länger“, gibt er zu. Er macht das aber trotzdem gerne. „Soll ja fit halten.“

Acht Folgen hat der WDR gedreht, geht es nach Prückner, können es ruhig mehr werden. „Ich wäre weiter mit dabei.“ Zu tun hat er aber auch so genug. Da sind zum Beispiel die vielen Drehbücher, die er selbst geschrieben hat, die die Sender „gut fanden“ aber dann doch nicht haben wollten. „Weggelobt“, sagt Prückner und lacht. „Von diesen Drehbüchern will er jetzt eines zum Roman umschreiben. „Das ist aber schwieriger, als man denkt.“ Selbst wenn man Erfahrung hat. Prückner hat zwar mit „Willi Merkatz wird verlassen“ schon einen Roman veröffentlicht. „Aber das war einfacher, denn das war zum Großteil autobiografisch.“

Was er macht, wenn er mal nicht dreht, nicht schreibt? „Manchmal“, sagt er, „sitze ich nur da und beobachte das Leben. Langeweile kenne ich nicht.“ Zumindest da unterscheidet er sich doch von Rentnercop Bremer.