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"Tatort"

Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“

10.03.2013 | 20:00 Uhr
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
Ramponiert: Til Schweiger in der Rolle des "Tatort"-Kommissars Nick Tschiller.

Hamburg.   Deutschlands erfolgreichster Kino-Star, Til Schweiger, hat Action versprochen. Und genau das bietet der erste „Tatort“ mit Schweiger. Er mimt einen hartgesottenen LKA-Mann, der den Kiez aufmischt - und Schimanski lässt grüßen. Diesen Sonntag ist Premiere in der ARD.

Til Schweiger hat schon Fernsehgeschichte geschrieben, bevor sein erster Fall als LKA-Bulle Nick Tschiller ausgestrahlt wird. Dem NDR war Deutschlands erfolgreichster Kino-Star nicht nur lieb, sondern vor allem auch teuer. Schweigers Premierenfolge „Willkommen in Hamburg“ kostete dem Vernehmen nach rund zwei Millionen Euro – „Tatort“-Rekord. Ist der Krimi das wert?

Til Schweiger mimt mit Null-Mimik und Nuschel-Stimme einen geschiedenen Bullen mit dem bescheuerten Namen Nick Tschiller, der vom SEK in Frankfurt (er sagt manchmal „gell“) zum LKA nach Hamburg versetzt wird. Im Job geht er notgedrungen, aber buchstäblich über Leichen - daheim sorgt er sich als alleinerziehender Vater rührend um sein pubertierendes Töchterlein (Luna Schweiger). Als Macho kann er natürlich kein weiches Ei kochen. Die Comic-Figur Tschiller huldigt den altmodischen Idealen eines ausgekochten Kerls, flinke Fäuste, flinke Beine, jeder Schuss ist ein Treffer, Schrammen gehören zum Geschäft, aber sein Heim gleicht einer Rumpelkammer. Schimanski grüßt von Ferne.

Tschiller leidet an schwerer Hierarchie-Allergie

Im Dienst leidet Tschiller an schwerer Hierarchie-Allergie; er kann nur Zweierteam. Er ist hart, sein Kollege smart. Logisch, der Partner muss seinen Gegenpart geben. Schweiger-Kumpel Fahri Yardim verkörpert, im Gegensatz etwa zum „Tatort“ in Kiel, einen glaubhaften Computer-Experten namens Yalcin Gümer. Seine Hackerkünste retten immer wieder aufs Neue den schlagfertigen Kollegen aus höchster Not.

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Til Schweiger hat seine Kritik an deutschen Kino-Kritikern erneuert. Schweiger, der schon häufiger negative Kritiken seiner Filme kritisiert hatte, fühlt sich systematisch niedergeschrieben. Schweiger gehört mit seinen publikumswirksamen Komödien zu den erfolgreichsten deutschen Filmproduzenten.

Höchste Not heißt bei einem Kommerzkino-Star wie Schweiger: Störende Dialoge werden über weite Strecken gnadenlos durch knallige Action ersetzt, konsequenterweise von Anfang an. Leichen pflastern seinen Weg. Körperbetontes Fernsehen in Tateinheit mit Pyrotechnik satt appelliert an ein Jungmänner-Publikum, das Testosteron ausdünstet.

Ein schlichter Gut-Böse-Fall

Dazu passt ein schlichter Gut-Böse-Fall, der Männer-Phantasien aufs Schönste bedient. Eine – logisch – türkische Gang beutet – ebenfalls logisch – blutjunge, bildhübsche Prostituierte aus dem Osten aus. Die Luden schüchtern Zeugen ein, Tschillers ehemaliger Polizei-Partner Brenner (als sanfter Schurke eine Christoph-Waltz-Kopie: Mark Waschke) hilft ihnen dabei. Mit diesem Kunstgriff schrammen Schweiger und seine Handlanger – Regisseur Christian Alvart und Drehbuch-Autor Christoph Darnstädt – haarscharf an allerschlimmsten Klischees vorbei. Dazu kommt Gott sei Dank auch, dass mit Tschiller-Partner Gümer und Edita Malovcic als Staatsanwältin zwei Gute mit offensichtlich ausländischen Wurzeln dabei sind.

Die Vertreterin der Anklage ist die einzige Figur in der Geschichte, die über Tschillers Neigung zu bleihaltiger Konfliktlösung nachdenkt. Und dennoch wirkt der Dialog mit Tschiller über seine Motive und, mehr noch, über seine Gefühle wie ein pflichtgemäßes Tribut der „Tatort“-Macher an den Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, das derlei Treiben eigentlich ablehnt.

Erstaunlicherweise funktioniert der Popcorn-Krimi

Dass der Popcorn-Krimi allen Einwänden zum Trotz funktioniert, ist auch Regisseur Alvarts Gefühl für Rhythmus-Wechsel zu verdanken. Ruhige Szenen – vor allem mit Vater und Tochter – lassen das Publikum durchatmen. Kurz: Der Schweiger-Kommissar bietet leichte Unterhaltung als kleine Flucht aus dem Alltag.

Genau das leistet allerdings schon jetzt schon ein Duo aus Münster zum „Tatort“-üblichen Kurs von rund 1,3 Millionen Euro pro Folge. Obendrein haben die Herren Thiel und Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) einen Zuspruch wie sonst nur die Fußball-Nationalelf. Bei dem Aufwand, den Schweiger getrieben hat, muss er das Ergebnis toppen.

Jürgen Overkott



Kommentare
12.03.2013
02:43
ARD erreicht ihr Hauptziel: Man spricht wieder über den Tatort
von Seraquael | #48

Jetz mal ganz unabhängig über das für und wieder der Qualitätsstandards für die ein Schweigertatort stehen kann, ihr Hauptziel hat die ARD erreicht, man spricht und schreibt mehr über den Tatort als in den letzten zehn Jahren zusammengenommen. Und da es keine schlechte Publicity gibt waren die zusätzlichen Kosten gut angelegt.

Was nun den Film selber angeht: Jeder scheint nichts lieber zu tun als über die Machart von Privatfernsehenkrimis zu lästern und doch haben neue Alarm für Kobra 11 Folgen regelmäßig mehr Zuschauer als ein neuer Tatort. Deshalb finde ich es begrüßenswert wenn die ARD endlich mal Fernsehen für die Mehrheit der Gebührenzahler und vor allem auch jüngerer Menschen macht und nicht nur für einen kleinen Kreis von Qualitätswächtern, die können immer noch 3sat oder arte gucken.

Meinen Geschmack trifft es zwar auch nicht aber ich schaue außer Nachrichten sowieso selten TV. Video-on-Demand-Dienste sind viel praktischer, und ich kann besser auswählen was ich schaue.

12.03.2013
01:43
Til Schweiger sollte aufhören so einen Mist zu drehen
von Hans100 | #47

Es war der schlechteste Tatort, den ich je gesehen habe. Die Story kaum nachvollziehbar , die ständige Ballerei und nichts hinterlassen als "Schimansky war besser". Dafür geben die unsere Gebühren aus? Für so eine Schei...?!!

11.03.2013
09:38
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von guincho | #46

...der Komiker wäre besser bei seinen Teenager-Filmchen geblieben. Mit dieser komischen Pieps-Stimme würden die Gauner im richtigen Leben höchstens vor Lachen tot umfallen... ;-)

2 Antworten
Pieps-Stimme?
von immerzudiensten | #46-1

du musst mal den Ton an deinem Fernseher richtig einstellen...

nee is klar ...
von NeuerSchweigerFan | #46-2

... als Kommissar muss man ja auch eine tiefe klare Stimme haben. Was im Kopf ist egal!

11.03.2013
09:36
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von daisyblue | #45

Das Thema "Menschenhandel und Zwangsprostitution osteuropäischer Frauen" ist oft verfilmt worden. Mit Till Schweiger als Ermittler soll der Tatort nun also zum Action-Kino avancieren. Deshalb spielten einige Schauspieler ihren Part wohl auch völlig affektiert..
.
Wer das und Schweiger mag, kam auf seine Kosten. Ich fands einfach nur oberflächlich und platt.

11.03.2013
09:34
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von hehgmh | #44

Sehr viel "action" kann nicht über die Schwächen dieses Tatort-Teams hinwegtäuschen. Hier floss zu viel Blut, und es wurden zu viele Klischees bedient - das war unnötig. Die Verbrecher hätten auch deutsch sein können. Seine Probleme mit den Vorgesetzten wirkten aufgesetzt, der Schluss war billig.

11.03.2013
09:34
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von ralle2010 | #43

Popcorn rausgeholt, Fläschchen geöffnet und ein dreiviertel Stunde gut unterhalten worden. Was will man(n) mehr? Alle Kritiker, denen die Ernsthaftigkeit fehlte, empfehle ich in Zukunft das Dortmunder Team. Da schalte ich nun wirklich nicht mehr ein.

1 Antwort
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von Hombuerger | #43-1

Bei uns lief der Tatort 1 1/2 Stunden.Biste eingeschlafen? ;-))

11.03.2013
09:22
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von roadking99 | #42

Der Tatort mit Till Schweiger war einfach top! Natürlich nicht realistisch, was hier viele bemängeln, aber das ist das Duo aus Münster auch nicht (die mir übrigens auch gefallen!) Ansonsten war das mal richtig gute TV-Unterhaltung. Weiter so!

Und das Schweiger alles richtig gemacht hat sieht man an dem gewaltigen Medienecho!

11.03.2013
09:21
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von shayne | #41

...da hätte man viele Gebühren gespart, wenn man für 1,5 Mio. einfach eine Cobra11-Folge aus dem Hatz4-TV gekauft hätte!!!!

Weniger Niveau haben diese Produktionen auch nicht....

11.03.2013
09:15
Kein Schauspieler
von DerPrivilegierte | #40

Till Schweiger: NULL Weiterentwicklung seit "Manta der Film". Der Typ ist und war auch nie ein Schauspieler. Ich wundere mich immer wieder wieso der bei manchen noch so gut ankommt. Keine Ausstrahlung, keine Mimik und man versteht ihn kaum. Diesen Tatort braucht kein Mensch.

1 Antwort
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von NeuerSchweigerFan | #40-1

Gottgleicher, Du hast bestimmt Germanistik studiert.

11.03.2013
08:39
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von stinkestiefel | #39

Ich habe es mir tatsächlich angetan und mir den Schweiger-Tatort angesehen.....
Wie hieß es noch in einem Artikel sinngemäß (ich glaube es war sogar hier auf derwesten): Einer der besten RTL-Krimis seit langer Zeit....
...aber da gehört derart unsinniges Herumgeballere auch hin, ins Prekariatsfernsehen. Ich habe nicht viel Ahnung von der Arbeit des LKA, aber eines weiß ich mit Sicherheit: Jemand der sich derart über jede Hierarchie hinwegsetzt, einfach mal die Bösen abknallt und gleichzeitig noch Informationen weitergibt, wenn er es für richtig hält, der hätte in der Realität seinen Job schon nach den ersten 10 Minuten des Films verloren und müsste sich vor Gericht verantworten....
Aber gut, so ist das nunmal im RTL-Actionkrimi, aber sorry, selbst Schimanski in all seiner Proletenhaftigkeit war noch näher an der Realität als Schweiger, der sowieso immer so wirkt als wäre er intellektuel völlig überfordert mit seinen eigenen Filmen...

2 Antworten
Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von buntspecht2 | #39-1

#39 Das ist der mit Sicherheit.

Til Schweiger gibt den Baller-Mann im „Tatort“
von hehgmh | #39-2

Der Kommentar ist gut, ich stimme Ihnen zu - Glückwunsch!

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