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Hautpilz aus Asien gefährdet wilde Amphibien in NRW

04.03.2016 | 05:54 Uhr
Hautpilz aus Asien gefährdet wilde Amphibien in NRW
Auch Erdkröten, die bald von ihren Überwinterungsgebieten zu den Laichplätzen ziehen, sind von den Hautpilzen bedroht.Foto: Archiv/Ulla Michels, FUNKE Foto Services

Essen.   In Kürze beginnt die Zeit der Krötenwanderung. Doch es sind weniger die Autos, die Amphibien in NRW dort gefährden. Ein tödlicher Hautpilz grassiert.

Wenige Wochen vor dem Beginn der Krötenwanderung erreicht Naturschützer in NRW in diesem Jahr erstmals eine besondere Aufforderung: Wer sich an Krötenschutzzäunen betätigt oder sonstwie den Tieren assistiert, sollte diesmal besonders auf Hygiene achten. Der Grund: ein tödlicher Hautpilz bedroht inzwischen flächendeckend wild lebende Amphibien in NRW.

Drei von vier der hiesigen Molcharten, neun Froscharten und sechs Unken- und Krötenarten gelten hierzulande als durch den Hautpilz gefährdet, sagt Peter Schütz, Sprecher vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv). Bedroht werden sie von zwei Chytridpilzarten, die aus Asien stammen.

Erstmals nachgewiesen wurde einer der Hautpilze bereits im Jahr 2003 bei Wasserfröschen im Ruhr-Tal bei Bochum. Mittlerweile hat sich der Pilz auf nahezu alle wild lebenden Amphibienarten in NRW ausgebreitet. "Seit 2008 befällt eine zweite Hautpilz-Art auch Molche und Salamander in Europa", heißt es beim Lanuv. Im vergangenen Jahr wurde der Pilz erstmals bei Amphibien auch in der Eifel entdeckt.

Amphibien-Halter sollen Tiere nicht mehr aussetzen

"Einzelne Amphibienarten bei uns sind bereits stark geschrumpft", sagt Lanuv-Sprecher Peter Schütz. Dazu gehörten etwa die Feuersalamander-Bestände im Bereich der deutsch-niederländischen Grenze bei Brüggen. Schütz beruhigt zwar, "aussterben tut noch nichts". Viele der betroffenen Amphibienarten stünden allerdings bei uns längst auf der "roten Liste" bedrohter Tiere und sind schon ohne diese Hautpilze gefährdet.

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Die Hautpilzart stammt "mit großer Wahrscheinlichkeit" aus Ostasien und wurde durch dort gezüchtete Tiere nach Europa und auch in die USA gebracht. Die Hautpilze haben sich wohl deshalb auch bei uns verbreitet, weil hiesige Amphibienhalter mitunter Tiere einfach in Parks, Bächen oder an Seen aussetzen. In jedem Fall also sollten Halter vor allem exotischer Amphibien Tiere auf keinen Fall mehr in freier Wildbahn aussetzen, mahnt der Lanuv-Sprecher.

Helfer bei Krötenwanderung sollten auf Hygiene achten

Die Infektion verbreitet sich auch durch Menschen. Wer im Terrarium exotische Amphibien hält und sie berührt hat, sollte sich danach stets gründlich die Hände waschen, auch wenn man an den Tieren keine Veränderung bemerkt. Wer bei der Krötenwanderung hilft, sollte Schuhwerk, Kleidung und Hände ebenfalls und auch zwischendurch stets gründlich reinigen und gut trocknen, rät Peter Schütz: "Chytridpilze vertragen keine Trockenheit".

"Ostasiatische Amphibien sind resistent, können aber den Pilz übertragen", warnt man im Lanuv. Kritisch sei zurzeit daher der weitere Import von Molchen und Fröschen aus Asien, "denn dadurch besteht weiterhin die Gefahr von Neuinfektionen". Biologen hoffen, dass auch hiesige Amphibien mit der Zeit Abwehrkräfte gegen diese Hautpilze entwickeln. Doch ob und wann das passiert, kann man nicht abschätzen. Peter Schütz: "Noch sehen wir dazu keine Anzeichen".

Dagobert Ernst

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Hautpilz aus Asien gefährdet wilde Amphibien in NRW
Hautpilz aus Asien gefährdet wilde Amphibien in NRW
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2016-03-04 05:54
nature, krötenwanderung, natur, umwelt, amphibien, infektion
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