Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Tier-Messie

Animal Hoarding - Tierschützer wünschen sich strengere Richter

27.06.2012 | 18:35 Uhr
Animal Hoarding - Tierschützer wünschen sich strengere Richter
Messie-Wohnung mit Tieren: In Berlin hielt ein Mann 140 Kleintiere in seiner Zweizimmerwohnung. Ein Fall von "Animal Hoarding".Foto: Deutscher Tierschutzbund

Düsseldorf/Essen.   Eine 53-jährige Düsseldorferin hat in ihrem Haus mit 113 Pudeln zusammen gelebt. Ein Amtsrichter verurteilte sie jetzt zu 2100 Euro Strafe. Tierschützer wünschen sich strengere Gerichte - und setzen sich ein dafür, dass das sogenannte Animal Hoarding als Krankheit anerkannt wird.

Vor wenigen Wochen war es ein Mann in Berlin, der mit 140 Kleintieren, vor allem Mäuse, Hamster und Ratten, in einer Zweizimmerwohnung hauste. Eine Amtsärztin ließ die völlig verdreckten Tiere ins Tierheim bringen. Im Mai rettete der Tierschutz-Notruf knapp 90 Haustiere aus der Obhut eines offenkundig überforderten Halters in Bremen. Und das Verwaltungsgericht in Göttingen sorgte im April diesen Jahres dafür, dass einem Ehepaar untersagte wurde weiterhin mit 700 (!) Hunden, Kaninchen und Meerschweinchen unter einem Dach zu leben. Animal Hoarding heißt dieses Phänomen, das in vielen Fällen krankhafte Züge hat. Doch rechtlich ist das übermäßige Horten von Tieren kaum eingegrenzt, beklagen Tierschützer. Berichte darüber häufen sich.

So ist der Fall aus Düsseldorf exemplarisch für die Problematik: 2100 Euro Geldstrafe soll eine 53-jährige Frau zahlen, urteilte am Mittwoch ein Amtsrichter. Sie hatte mit 113 Pudeln in ihrem Einfamilienhaus gelebt. "Völlig verfilzt" seien die Tiere gewesen, verwahrlost, unterversorgt und zum Teil in viel zu enge Käfige eingepfercht, als eine Tierärztin des Veterinäramts die Frau im Juli 2011 besuchte. Zwei Tierheime nahmen die Pudel anschließend auf. Mit viel Hingabe und Geld wurde sie ärztlich versorgt, aufgepäppelt und später alle - so versichert eine Mitarbeiterin im Düsseldorfer Tierheim - an neue Halter vermittelt. Von einem "Happy End" mögen Tierschützer jedoch nicht reden.

Ab wann beginnt krankhaftes "Animal Hoarding"?

Vorschriften, wie Tiere zu halten sind, gibt es in Deutschland kaum. Das Tierschutzgesetz etwa gibt nur allgemeine Vorgaben. Weiterreichende Verordnungen gebe es nur für Hunde, Nutztiere und zum Thema Tierschlachtung. "Für Katzen und andere Kleintiere gibt es keine Vorgaben zur Haltung", erklärt ein Essener Amtstierarzt auf Anfrage.

Mit einer Checkliste versucht man beim deutschen Tierschutzbund in den Griff zu kommen, ab wann man überhaupt von "Animal Hoarding" sprechen kann, also dem Horten von Tieren zu deren Schaden: Werden mehr Tiere als durchschnittlich üblich gehalten? Das wären dann mehr als drei Hunde, drei bis vier Katzen und/oder "ca. 5 Nager" pro Halter. Ein weiteres Kriterium: Zeigt der Halter "trotz überdurchschnittlich hoher Tierzahl und zu geringem Raumangebot keine Einsicht, dass der Tierbestand reduziert werden muss"?

  1. Seite 1: Animal Hoarding - Tierschützer wünschen sich strengere Richter
    Seite 2: Vom Retter bis zum Ausbeuter - vier Typen von Tier-Hortern
    Seite 3: Tierhaltungsverbote lassen sich leicht umgehen

1 | 2 | 3



Kommentare
Aus dem Ressort
Autos in Emmerich von Staren-Schwarm völlig verdreckt
Vogelkot
Nicht immer kommt alles Gute von oben. Bei einem Formationsflug in der Nähe des Emmericher Rathauses haben Vögel dafür gesorgt, dass gleich mehreren Wagen in die Waschanlage mussten. Vom Lack war nicht mehr viel zu sehen.
Giftschlange, Hyäne und Bär sollen in NRW verboten werden
Tiere
Würgeschlangen, Vogelspinnen, sogar Raubkatzen und Krokodile leben in deutschen Privathaushalten. Die Landesregierung zieht jetzt Konsequenzen aus der steigenden Zahl von Vorfällen: Die private Haltung hochgefährlicher und vor allem giftiger Tiere soll grundsätzlich verboten werden.
Laubbläser nerven und können kleine Tiere töten
Laubbläser
Laubbläser sind nicht nur laut, sie wirbeln Feinstaub auf und können Natur und Umwelt gefährden. In Graz sind die Geräte jetzt mit Rücksicht auf die Ohren und die Umwelt verboten worden. Naturschützer machen besonders Kombi-Geräte Sorgen, die kleine Tiere wie Igel und Mäuse häckseln können.
Dortmund gibt Kaninchen in Parks zum Abschuss frei
Myxomatose
Mit der Flinte gegen die Kaninchenseuche: Dortmunds Jäger haben jetzt den Auftrag erhalten, in Parks und an Sportplätzen Kaninchen zu schießen. Der Grund: Die Seuche Myxomatose wütet schlimmer als je zuvor in Dortmund.
Stute "Emma Ina" steckte zwei Stunden im Schlamm fest
Feuerwehr
Mit einem Traktor wurde ein vierjähriges Pferd in Hamburg aus einem Wassergraben gerettet. Die Stute war auf einer Weide in den Graben gerutscht und schaffte es nicht, sich aus eigener Kraft wieder zu befreien. Rund zwei Stunden dauerte die Rettungsaktion.
Umfrage
Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

Weil sie laut sind und Feinstaub aufwirbeln hat die Stadt Graz vor kurzem Laubbläser verboten. Würden Sie sich ein solches Verbot auch im Revier wünschen?

 
Fotos und Videos