Sicherheit
Terrorverdacht nach Zugunglück in Russland
29.11.2009 | 10:17 Uhr 2009-11-29T10:17+0100Moskau. Bei einem schweren Zugunglück in Russland sind mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Vier Wagen eines Zuges zwischen Moskau und St. Petersburg sprangen aus den Schienen. Offenbar detonierte in der Nähe eine selbst gebaute Bombe. Jetzt wird untersucht, ob Terroristen dahinter stecken.
Ein Terroranschlag war allem Anschein nach der Auslöser für ein schweres Zugunglück mit rund 30 Toten im Nordwesten Russlands. An der Unglücksstelle wurden Spuren von Sprengstoff gefunden, wie russische Nachrichtenagenturen am Samstag unter Berufung auf Sicherheitschef Alexander Borotnikow berichteten. Demnach detonierte am Freitagabend auf den Gleisen eine selbst gebaute Bombe mit einer Sprengkraft von sieben Kilogramm TNT und ließ den Schnellzug von Moskau nach St. Petersburg entgleisen.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden mindestens 30 Menschen getötet, andere Behörden sprachen von 26 Todesopfern. Fast 100 Menschen erlitten Verletzungen. 18 Personen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums am Samstag noch vermisst. Auf derselben Strecke war 2007 bei einem Bombenanschlag ein Personenzug entgleist, dabei wurden 27 Insassen verletzt.
Krater entdeckt
«Das war ein Terroranschlag», sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wladimir Markin, am Samstag der Nachrichtenagentur Interfax. Sollte sich das bestätigen, wäre es die schwerste Terrorattacke außerhalb des unruhigen Nordkaukasus seit Jahren. Am Unglücksort wurde ein Krater entdeckt, die Polizei riegelte das Gebiet ab.
Aussagen von Augenzeugen deuteten ebenfalls auf einen Bombenanschlag hin. Es habe einen lauten Knall gegeben, sagte der Reisende Witali Tafikow, der unverletzt blieb und bei der Versorgung der Opfer half. Igor Petschnikow sagte, er sei während des Unglücks durch den Wagen geschleudert worden: «Es gab ein Beben, und der Wagen rumpelte heftig nach links.»
Drei Wagen entgleist
Der «Newsky Express» wird häufig von Geschäftsleuten und Regierungsmitarbeitern genutzt und war am Freitagabend mit mehr als 600 Reisenden und 20 Bahnmitarbeitern besetzt. Der Schnellzug entgleiste nach Behördenangaben an den Grenzen der Provinzen Twer und Nowgorod rund 400 Kilometer nordwestlich von Moskau und 250 Kilometer südöstlich von St. Petersburg. Die letzten drei der insgesamt 14 Wagen seien von den Schienen gesprungen, sagte der Leiter des Katastrophenministeriums, Sergej Schoigu.
In Russland werden seit den Kriegen, die Mitte der 90er Jahre im Kaukasus begannen, immer wieder Terroranschläge verübt. Im Dezember 2003 wurden bei einem Selbstmordanschlag auf einen Pendlerzug in der Nähe von Tschetschenien 44 Menschen in den Tod gerissen. Nach dem Bombenanschlag auf der Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg 2007 gab es zwei Festnahmen, nach einem früheren Offizier wird noch gefahndet. Die Hintergründe dieser Tat sind nach wie vor unklar. (ap)