Das aktuelle Wetter NRW 21°C
ZDF

„Terra X“ macht seit 30 Jahren Bildung zum Drama

13.07.2012 | 13:29 Uhr
„Terra X“ macht seit 30 Jahren Bildung zum Drama
Für eine "Terra X"-Reihe ist Hape Kerkeling Mitte 2011 durch die Weltgeschichte "gereist". Das Format feiert an diesem Sonntag sein 30-jähriges Bestehen.Foto: ZDF

Mainz.   „Terra X“ ist am frühen Sonntagabend aus deutschen Wohnzimmern nicht mehr wegzudenken – seit exakt 30 Jahren. Aber ist alles Gold, was in der ZDF-Reihe glänzt? Wie ist der Langzeit-Erfolg zu erklären? Und wo sind Schwächen der Reihe? Grimme-Chef Uwe Kammann gibt Antworten.

Die ZDF-Dokureihe „Terra X“ (Sonntag, 19.30 Uhr) läuft zur besten Sendezeit, fährt überdurchschnittlich gute Quoten ein und ist seit exakt 30 Jahren zu sehen. Über Licht und Schatten der Reihe sprach Grimme-Chef Uwe Kammann mit Jürgen Overkott.

Wie ist dieser Langzeit-Erfolg zu erklären? 
Da kommen einige Faktoren zusammen. Das geht vom sehr einprägsamen und attraktiven Reihentitel, in dem Abenteur und Geheimnis mitschwingt, bis zur ausgesprochen opulenten filmischen Aufbereitung. Dazu gehört natürlich auch der optimale Sendeplatz am Sonntagabend, eine zentrale Schaubühne der Extraklasse – besser geht’s nicht.

Was hat die ZDF-Reihe geleistet?
 
Sie hat vor allem archäologisch-wissenschaftliche Themen populär gemacht, hat Geschichte ins Saftige verwandelt, ganz in der Fortsetzung eines Buches wie „Götter, Gräber und Gelehrte“. Das musste man früher einfach gelesen haben – Bildung als buntes Abenteuer, als lebendiges Drama.

Nicht selten schematisch und überdramatisiert

Wo hat die Reihe Schwächen?
Die Dramaturgie ist nicht selten schematisch und überdramatisiert. Die Geschichte des mühseligen Suchens oder die pathetische Präsentation treten oft ganz in den Vordergrund, damit wird das Entdeckte, wird der Kern der Sache oder des Geschehens überlagert. Und das Fiktionale – im Erfinden und Nachspielen von Szenen – überschminkt das Dokumentarische oftmals allzu grell.

Uwe Kammann vom Grimme-Institut

Wie populär darf, wie populär muss Info-Fernsehen zur besten Sendezeit sein? Da gibt es keine feste Regel. Klar ist aber: Wer auf diesem Sendeplatz zu sparsam und sperrig, zu rigide und dogmatisch, zu akademisch und schmallippig auftritt, hat schon verloren. Er würde nur für den kleinsten Kreis der Eingeweihten und Kundigen predigen – und das wäre verschenkt.

Kerkeling wirkt merkwürdig uninspiriert

Zuletzt hat „Terra X“ versucht, Hape Kerkeling als Präsentator Geschichte mit Comedy aufzupeppen. Ist der Versuch geglückt?
 
Leider gar nicht. Kerkeling wirkte merkwürdig uninspiriert und verquer, das Gesamtunternehmen erinnerte an einen Schnittmusterbogen, nur mäßig animiert und ziemlich grob in den Details. Das Setzen auf einen Unterhaltungsstar war ein Missverständnis. Denn das Unterhaltende muss in der Geschichte und im Geschehen stecken, nicht im Rahmen.

Welche Themen fehlen?
In der Form überraschende Expeditionen in die gegenwärtigen Gesellschaften und ihre so unterschiedlichen Lebensformen, rund um die Erde. Aufregende Vergleiche wären möglich, so sinnliche wie zugleich analytische Beobachtungen und Vergleiche, Strukturbilder ganz ohne Worte – Lebensmodelle in vergleichender Form, mal statisch, mal dynamisch. Vieles auf der Welt ist weiterhin unbekannt, ist terra incognita, trotz unserer medienversessenen Zeit. Das X der Sendung lässt sich noch hundertfach anders buchstabieren.

Jürgen Overkott

Kommentare
16.07.2012
11:39
„Terra X“ macht seit 30 Jahren Bildung zum Drama
von akaz | #2

Auch die Hintergrundmusik stört sehr, wenn es wenigstens Hintergrundmusik wäre. Wenn z.B. über Dinos berichtet wird, kommt eine schaurige...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
"Party des Jahres": Stars feiern Mode beim "Met Ball"
Mode-Ball
Pop-Diva Beyoncé nutzte die "Party des Jahres" in New York für einen besonderen Auftritt: Zum "Met Ball" kam sie in einem Hauch von Nichts.
Behörden bestätigen Tod einer deutschen Frau bei Nepal-Beben
Erdbeben
Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben in Nepal ist auf 7600 gestiegen - darunter jetzt auch offiziell zwei Deutsche. Weitere werden vermisst.
Kates und Williams Tochter heißt Charlotte Elizabeth Diana
Royal Baby
Das Royal Baby hat einen Namen: Charlotte Elizabeth Diana. Kate und William ehren damit Williams Mutter Diana, die bei einem Autounfall gestorben war.
Gegenseitige Schuldzuweisungen nach Tod von Tugce A.
Prozess
Im Prozess um den Tod der Studentin Tugce A. berichteten Zeuginnen von "üblen Beleidigungen" durch den Angeklagten. Sein Freund hat es anders erlebt.
Polizei weitet Suche nach vermisster Fünfjähriger aus
Vermisst
Wo ist Inga? Das fünfjährige Mädchen war am Samstag in einem Wald in Stendal verschwunden. Trotz großangelegter Suche hat die Polizei noch keine Spur.
Fotos und Videos
article
6876555
„Terra X“ macht seit 30 Jahren Bildung zum Drama
„Terra X“ macht seit 30 Jahren Bildung zum Drama
$description$
http://www.derwesten.de/panorama/terra-x-macht-seit-30-jahren-bildung-zum-drama-id6876555.html
2012-07-13 13:29
Panorama