Tausendsassa Gene Hackman - eine Kino-Legende wird 85

Schauspieler Gene Hackman wird 85. 1972 wurde er als "Bester Hauptdarsteller" in "French Connection – Brennpunkt Brooklyn" mit dem Oscar ausgezeichnet. 1993 erhielt er einen Academy Award für seine Leistung als Nebendarsteller in dem Western "Erbarmungslos".
Schauspieler Gene Hackman wird 85. 1972 wurde er als "Bester Hauptdarsteller" in "French Connection – Brennpunkt Brooklyn" mit dem Oscar ausgezeichnet. 1993 erhielt er einen Academy Award für seine Leistung als Nebendarsteller in dem Western "Erbarmungslos".
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Er ist der Mann, der alles kann. Oder besser: Der Hollywood-Star war der Beste. Denn drehen will Gene Hackman nicht mehr. Freitag wird er 85.

Essen.. Ob man ihn nicht doch noch einmal in einem Film sehen werde, hat ihn eine amerikanische Zeitschrift letztes Jahr am Telefon gefragt. Es hatte nicht einmal etwas von der anbiedernden Höflichkeit, mit der manch Fragender sich die Sympathien seines Gesprächspartners erkaufen will. Denn würde Gene Hackman noch einmal vor die Kamera treten, würde er ja den vielen, die seine Schauspielkunst zu schätzen wissen, einen Wunsch erfüllen. Diese Kunst, alles so unangestrengt, so einfach und normal aussehen zu lassen, wer beherrscht sie eigentlich so wie dieser Eugene Allen Hackman aus San Bernardino, Kalifornien?

„Sie sehen mich nur noch in Wiederholungen“, hat er knapp auf die Frage geantwortet. Aus und vorbei. Hackman, der an diesem Freitag 85 wird, ist zur Ruhe gekommen. Er malt in seinem Haus in Santa Fé, er schreibt Romane. Schade, ja, denn auf dieses Gesicht mit der wuchtigen Nase und dem entspannten Grinsen des Wissenden verzichtet man im Kinosessel nicht gern. Dieses Gesicht voller Lebenserfahrung, dieses Gesicht, das nie jung war, das Härte und Entschlossenheit, aber auch Ohnmacht und Zweifel spiegeln konnte, hat das neue amerikanische Kino der Siebziger, Achtziger und Neunziger geprägt wie kaum ein zweites.

Forbes-Liste Härte und Entschlossenheit

Dabei galten er und sein Kumpel an der Schauspielschule des Pasadena Playhouse in Kalifornien 1958 als die Unbegabtesten und zogen frustriert nach New York um. „Wir waren einfach zu hässlich“, erzählt der Kumpel heute gerne. Er heißt Dustin Hoffman. Und dass der ebenfalls noch unentdeckte Robert Duvall mit in ihre Bruchbude einzog, klingt nach Hollywood-Anekdote, ist aber wahr.

2004 hat Hackman sich mit der Komödie „Willkommen in Moose­port“ nach 80 Filmauftritten in 40 Jahren leise von der Leinwand verabschiedet. Er wolle nicht den richtigen Zeitpunkt verpassen, sagte er. Dass er uns nie abhanden kam, liegt an den Wiederholungen seiner Filme. Sein Repertoire ist universell, seine Glaubhaftigkeit frappierend. Er beherrscht Alphatiere so perfekt wie Jedermänner, und sein kontrollierter Minimalismus im Spiel hat uns seiner nie überdrüssig werden lassen. Ein Charakterdarsteller, der sich nie spreizt, weil er weiß, dass die kleine Geste stärker wirkt als die große Pose.

Erst mit 41 wurde er zum Star. Als Warren Beattys Bruder in „Bonnie & Clyde“ war Hackman zwar bereits 1968 für einen Oscar als bester Nebendarsteller nominiert, sein Auftritt als Drogenfahnder Jimmy „Popeye“ Doyle in William Friedkins legendärem Krimi „The French Connection“ aber brachte ihm die Trophäe als bester Hauptdarsteller. Hackman veredelte den irischen Hitzkopf in New York, der Gangstern zur Not auch mal in den Rücken schießt, zu einer brillanten Polizistenstudie. Wer ihm dabei zuschaut, wie er in endlosen Beschattungen seine nervöse Energie unter Kontrolle halten muss, ehe sie sich entlädt, spürt das ungeheure Potenzial, das in diesem Schauspieler lauert.

George Lucas Exzellente Arbeit

Für die Fortsetzung, in der es den Cop nach Marseille verschlägt, wo ihn Gangster mit Heroin vollpumpen und er sich den Qualen des Entzugs unterwirft, hätte Hackman noch einen Oscar verdient gehabt. Wie er sich, allein und unverstanden von den französischen Kollegen, in einer Bar bei ein paar Bourbons mit dem Barmann verbrüdert, der kein Wort Englisch spricht, ist zwischen Tragik und Komik so wunderbar gespielt, dass man heulen könnte vor Freude.

Als Abhörspezialist, der zum Opfer der eigenen Technik wird in Coppolas Politthriller „Der Dialog“, als Privatdetektiv, der in Abgründe voller Zynismus blickt, in Arthur Penns Krimi „Die heiße Spur“ und als Herumtreiber in Jerry Schatzbergs „Asphaltblüten“ lieferte Hackman in den Siebzigern exzellente Arbeit in exzellenten Filmen, denen aber zuerst die Anerkennung versagt blieb, die sie heute genießen. Fortan drehte er im Akkord, kassierte Millionen als Superman-Gegenspieler, tauchte in zu vielen Streifen auf, die seine Mitwirkung nicht verdienten. Mit Alan Parkers Südstaaten-Krimidrama „Mississippi Burning“ und Clint Eastwoods Western „Erbarmungslos“, der Hackman den zweiten Oscar brachte, kehrte er im Spätherbst seiner Karriere zum Qualitätskino zurück und zeigte sich auch in Komödien wie „Die Royal Tenenbaums“ auf der Höhe.

Was man einmal über ihn sagen solle, hat das Magazin ihn im letzten Jahr auch gefragt. „Er hat’s versucht“, hat Gene Hackman geantwortet. Filmemacher Alan Parker traf es besser: „Jeder Regisseur hat eine Liste mit Lieblingsschauspielern. Hackman stand auf jeder.“