Tausende bilden in Dresden Menschenkette gegen Neonazis
14.02.2010 | 10:02 Uhr 2010-02-14T10:02:00+0100
Dresden. Mit einer Menschenkette haben in Dresden mehr als 15.000 Menschen gegen Rechtsextremismus demonstriert. Die Stadt gedachte der Bombardierung vor 65 Jahren, die zahlreiche Menschen das Leben gekostet hatte. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Linken und der Polizei.
Am 65. Jahrestag der Bombardierung Dresdens haben am Samstag rund 15 000 Menschen mit einer Menschenkette um die Innenstadt gegen Rechtsextremismus demonstriert. Den Auftakt der Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag der Zerstörung der Stadt bildete am Morgen die traditionelle Kranzniederlegung auf dem Heidefriedhof, an der etwa 200 Dresdner teilnahmen. Unterdessen versammelten sich bis zum Nachmittag am Neustädter Bahnhof laut Polizei rund 5000 Neonazis, rund 1000 weniger als im Vorjahr.
Wasserwerfer im Einsatz
Zahlreiche Zufahrtsstraßen wurden von Gegendemonstranten blockiert. Ein Großaufgebot der Polizei aus mehreren Bundesländern sicherte die Veranstaltungen ab. In der Stadt sei es zu einigen Auseinandersetzungen gekommen, darunter auch in einem linksalternativen Kulturzentrum, sagte ein Polizeisprecher. Dieser Vorfall werde noch geprüft. In der Dresdner Neustadt wurde nach Polizeiangaben ein Wasserwerfer eingesetzt, nachdem Beamte angegriffen wurden.
Auf dem Weg zu Demonstrationen in Dresden war es am Morgen zu einer Schlägerei zwischen Neonazis und Linksautonomen auf dem Rasthof Vogtland/Süd bei Plauen gekommen. Drei Neonazis, ein 16-Jähriger und zwei 24-Jährige, wurden laut Polizei verletzt.
NPD bei Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof
Ein Sprecher des Aktionsbündnisses «Dresden Nazifrei» sagte, insgesamt hätten 10 000 Teilnehmer mobilisiert werden können. Sie hätten sich an den Blockaden der Straßen rund um die Neonazi-Versammlung beteiligt. Auch die Bahngleise zwischen Hauptbahnhof und Neustädter Bahnhof wurden für etwa eine Stunde blockiert, so dass die Strecke kurzzeitig gesperrt werden musste.
Bis zum späteren Nachmittag hatten die Neonazis noch nicht mit ihrem geplanten Marsch begonnen, der vom Oberverwaltungsgericht Bautzen bestätigt worden war. Zwischenzeitlich hatte die Polizei den Anhängern der rechtsextremistischen «Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland» (JLO) mitgeteilt, dass der Marsch aufgrund der nicht zu gewährleistenden Sicherheit nicht stattfinden könne. Mehrere Rechtsextremisten, darunter Vertreter der NPD-Landtagsfraktion, hatten sich am Morgen erneut an der Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof beteiligt.
Glocken läuten zur Erinnerung
Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) sagte zu Beginn der Menschenkette, den Versuchen von «Alt- und Jungnazis, diesen Tag der Trauer zu missbrauchen, stellen wir uns entgegen“. Der Jahrestag der Zerstörung sei in Dresden traditionell ein «stiller Tag der Trauer». Es müsse aber auch daran erinnert werden, «wer den verdammten Krieg losgetreten hat». Mit der Menschenkette, die erstmals ausgerichtet wurde und zu der ein breites Bündnis aufgerufen hatte, werde die Stadt zu einer «Festung gegen Intoleranz und Dummheit».
Während die Kette geschlossen wurde, läuteten die Glocken aller Kirchen in der Innenstadt. Diese war bei den alliierten Bombenangriffen 1945 zu großen Teilen zerstört worden. Damals waren nach Erkenntnissen einer von der Stadt eingesetzten Historikerkommission bis zu 25 000 Menschen ums Leben gekommen.
Zu der Menschenkette kamen mehr Dresdner als erwartet. Zum Teil standen sie in drei Reihen dicht gedrängt vom Neumarkt bis zum Altmarkt. Orosz zeigte sich angesichts der Resonanz stolz: Wie deutlich die Dresdner und ihre Gäste ein Zeichen gegen Rechts gesetzt hätten, sei überwältigend. Sie sprach von einem «beeindruckenden Bild».In die Menschenkette hatten sich unter anderen Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Innenminister Markus Ulbig (beide CDU), Landesbischof Jochen Bohl, der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, sowie zahlreiche Bundes- und Landtagsabgeordnete eingereiht. (ddp)
23:22
Zum Glück haben wir hier in Deutschland ein Wahlgeheimnis ..!
17:57
Während der Weimarer Republik standen sich der Rote Frontkämpferbund (oder auch Rotfront) - die Kampforganisation der damaligen deutschen KPD und die SA, was ihre Aktivitäten, Straßenkämpfe und Saalschlachten betraf, in nichts nach.
Die damalige SPD, sowie DDP (Deutsche Demokratische Partei) und die Zentrumspartei schufen den Reichsbanner Schwarz Rot Gold - Bund der republikanischen Frontsoldaten, die ebenfalls bereit waren mit Gewalt gegen die SA, aber auch die Rotfront vorzugehen.
Was die damalige Situation noch anheizte war allerdings die Tatsache, daß die aus dem Krieg heimgekehrten Soldaten nicht entwaffnet wurden und ihre gesamte Ausrüstung mit nach Hause nahmen. So waren diese Kampfbünde, bzw Gruppen nicht nur in der Lage mit Fäusten und Knüppeln aufeinander einzudreschen, sondern durchaus auch mit scharfen Waffen aufeinander loszugehen.
Die späteren sozialistischen/kommunistischen Staaten, auch die DDR hielten diese Tradition im übrigen aufrecht und schufen ihre Arbeiter- und Werksbezogenen Kampfgruppen, die nichts anderes als eine politische, Parteitreue Armee im Staate darzustellten, - neben den regulären Armeen. Ausgerüstet mit schweren Waffen, waren sie die Garanten der kommunistischen Einheitsparteien, und somit letztendlich auch der Diktaturen, die den Ostblock beherrschten.
Nun stehen wir in der Gegenwart vor einem ähnlichen Problem, nur mit dem Unterschied, daß die Rechte eben nicht die starke Bundes-, Landes- und kommunale Partei ist, die durch (Skinheads) Kampfgruppen auf der Straße gestützt werden. Sie waren bisher, und bleiben kleine, unbedeutende Randerscheinungen einer funktionierenden Demokratie, natürlich im Einzelnen und speziellen Fällen ob ihrer Gefährlichkeit nicht zu unterschätzen, aber eben nicht Staatsgefährdend. Allerdings muß sich diese Demokratie, - und da sprechen nun mal eindeutig die Fakten für sich, regelmäßig mit autonomer und linker Gewalt der verschiedensten Form auf der Straße auseinandersetzen. Sie sind noch nicht wie einst Parteibezogen organisiert, aber die Gemeinsamkeit im Geiste, vor allen mit der Vorstellung und Ideologie der linken Parteien läßt sich nicht von der Hand weisen.
Gruß
15:55
Mein Gott, Keinplatzfürfürdoofnazis bist du einfach gestrickt. Jeder, der nicht deiner Meinung ist, wird pauschal als Nazi gekennzeichnet, auf belegbare Fakten wird mit dem üblichen alles-Braune-Reflex geantwortet. Alles übrigens Verhaltensweisen, die auch die Rechten an den Tag legen. Das Etikett der Flasche mag ein anderes sein, die Inhalt unterscheidet sich aber offensichtlich nicht sehr. Wenn ich mir übrigens die Verlautbarungen der linkens Szene mal ansehe unterscheiden sich diese in der Diktion nicht wesentlich von denen der Rechten. Ich könnte sehr gut ohne beide Lager leben.
15:51
Ein Teil meiner Verwandten ist in Dresden während der Bombennacht bei lebendigem Leibe verbrannt. Ich kann diese Diskussion nur mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis nehmen...
15:31
#31 von Keinplatzfürdoofnazis, es kommt auf die Sicht der Dinge an. Die Liquidierung von Luxemburg und Liebknecht kann, und wurde durchaus als ein Akt der Notwehr angesehen, was um so verständlicher wird, wenn man sich mal genauer anschaut, was diese beiden Personen für eine Intention hatten, und wohin sie damals das Deutsche Reich steuern wollten, wem sie es ein- und somit auch unterordnen wollten. Das die Reichswehr sich entschieden der Absicht, das Deutsche Reich als Vasall zu Lenins Gnaden, der Macht Rußlands unterzuordnen, ist eigentlich nachvollziehbar.
Da führt auch die Verklärung seitens der Linken nicht dran vorbei, und das hat im übrigen überhaupts nichts mit den damals noch nicht politisch existenten Nazis zu tun. :)
Gruß
15:25
Was für Dresden gilt ist sollte doch bitte auch in Afghanistan zur Anwendung kommen.
Städte ausradieren - ein paar Taliban sind immer darunter. Ich kann einfach nicht verstehen, warum darum ein solches Theater gemacht wird.
Erst public viewing, dann public relation. Zum Schluß sind alle happy und wissen, dass es richtig war.
15:21
@Marcus Tullius Hitlero
Ausgerechnet die, die den Mördern von Rosa Luxemburg ideell am nächsten stehen, zitieren sie?!
Aber Euch Kameraden ist ja nichts zu billig. Und ziviler Ungehorsam, das hat wohl nichts damit zu tun, daß man Euch rassistisches, menschenverachtendes braunes Pack am Marschieren hindert.
15:06
Liebe Moderation, ein klein wenig Wissen über Hintergrund und Geschichte würde einer Redaktion, oder Moderation schon ganz gut stehen. Ehrlich!
Gruß
14:39
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
13:45
1. ist das Konzept von Dresden Nazifrei und No Pasaran der friedlichen Blockaden voll aufgegangen.
2. Die vereinzelten Krawalle dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade durch den friedlichen Aktionismus für die Polizei keine Möglichkeit bestand, die friedlichen Blockaden vor der Weltpresse für aggressive Autonome Nationalisten freizuprügeln.
3. kann man den linken keinen Vorwurf für die Dummheit der Nazis machen. Wenn Neonazis auf Krawall gebürstet, ein linkes Kulturzentrum 2 mal angreifen wollen und dann zu spät merken, dass beim 2. Angriff mittlerweile hunderte Gegendemonstranten diese bewachen, dann dürfen sie sich nicht wundern, dass damit die Gegenseite nicht einverstanden ist.