Tauglichkeitstests für Piloten sollen verbessert werden

Was wir bereits wissen
Taskforce zur Flugsicherheit stellt Ergebnisse vor – und die Luftfahrtbranche kündigt Änderungen an. So soll die „Zwei-Personen-Regel“ beibehalten und die psychologische Betreuung verbessert werden.

Berlin.. Die Luftfahrtbranche zieht Lehren aus dem Germanwings-Absturz: Um Flugzugkatastrophen wie das Unglück in den französischen Alpen künftig zu verhindern, wollen Branchenexperten die Tauglichkeitstest für Piloten verbessern und an der „Zwei-Personen-Regel“ festhalten, nach der Piloten niemals allein im Cockpit sein dürfen. Piloten sollen weiterhin die Cockpit-Tür von innen verriegeln können, um sich notfalls vor Terroristen zu schützen.

„Das hat sich bewährt, das muss erhalten bleiben“, erklärte Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Luftverkehrssicherheit (BDL) gestern. Die Taskforce zur Flugsicherheit stellte ihre Ergebnisse in Berlin vor. Beim Absturz der Germanwings-Maschine waren am 24. März 150 Menschen ums Leben gekommen – darunter auch der Copilot, der den Ermittlern zufolge seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht hatte. Der Lufthansakonzern, zu dem auch Germanwings gehört, bot den Hinterbliebenen der Opfer am Dienstag 25 000 Euro Schmerzensgeld an, zusätzlich zu den bereits gezahlten 50 000 Euro Soforthilfe.

Schmerzensgeld Die Taskforce aus Experten der Luftfahrtbranche schlägt neue Standards für die Tauglichkeitstests für Piloten vor – bei der Cockpit-Sicherheit dagegen sehen die Experten aktuell keine weiteren Verbesserungsmöglichkeiten. Als Reaktion auf den Absturz hatte die Lufthansa bereits vor drei Monaten die „Zwei-Personen-Regel“ für das Cockpit eingeführt: Danach darf sich kein Pilot mehr während des Flugs allein im Cockpit aufhalten.

Sensibler für Erkrankungen

Neben Lufthansa und Germanwings hatten sich auch weitere große deutsche Fluglinien wie Air Berlin, Condor und Tui­Fly angeschlossen. Reformbedarf sehen die Experten dagegen bei den Tauglichkeitstests für Piloten. Bei der medizinischen Erstuntersuchung sollten Piloten grundsätzlich auf Missbrauch von Drogen, Alkohol und Medikamenten untersucht werden.

Wichtig sei auch eine größere Aufmerksamkeit für die Psyche der Piloten: Sämtliche Beteiligten müssten sensibler auf Störungen und Erkrankungen achten. Fliegerärzte, die bei der Untersuchung auf psychische Auffälligkeiten stoßen, bräuchten Ansprechpartner, um sich beraten zu können. Crewmitglieder benötigten Anlaufstellen, um mit Vertrauensteams sprechen zu können, wenn sie bei Kollegen oder bei sich selbst Anzeichen für psychische Probleme sähen. Die deutschen Fluggesellschaften hätten solche Angebote längst eingerichtet – wichtig seien aber auch europaweit verbindliche Regelungen.

Schweigepflicht unangetastet lassen

Depressionen wie im Fall des Germanwings-Piloten seien weit verbreitet, so Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gestern. Aber sie seien in den meisten Fällen gut heilbar: „Wir müssen die Betroffenen ermutigen, gegenüber ihrem Arbeitgeber offen mit ihrer Krankheit umzugehen.“

Die ärztliche Schweigepflicht dagegen soll unangetastet bleiben. „Alles, was wir besprechen, kann nur unter Wahrung der Schweigepflicht geschehen“, erklärte Dobrindt. Wichtig sei zwar, dass Ärzte und Aufsichtsbehörden einen lückenlosen Überblick über die Krankengeschichte eines Piloten bekommen könnten – aber nicht auf Kosten der Vertrauensbasis zwischen Medizinern und Patienten.