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Taucher orten 100 Jahre altes deutsches U-Boot in Nordsee

22.01.2016 | 20:24 Uhr
Taucher orten 100 Jahre altes deutsches U-Boot in Nordsee
So sahen deutsche U-Boote zwischen 1914 und 1915 aus. Ein ähnliches Schiff ist nun vor England gefunden worden.Foto: dpa

London.  Taucher identifizeren ein 100-jähriges Schiff der Kaiserlichen Marine. Gleichzeitig werden auch Details zum Tod der Besatzung bekannt.

Seit mehr als 100 Jahren ruht es auf dem Meeresgrund. Vor etwas mehr als drei Jahren wurde es entdeckt. Aber erst jetzt konnte es identifiziert werden: Das U-Boot-Wrack, das rund 90 Kilometer vor der Ostküste Englands liegt, stammt aus Deutschland. Die „SM U 31“ war im Januar 1915 zu einer Patrouillenfahrt in der südlichen Nordsee ausgelaufen und galt seither als verschollen. Nachdem im September 2012 ein britischer Windparkbetreiber das Wrack geortet hatte, konnte jetzt durch Filmaufnahmen nachgewiesen werden, dass es sich um ein deutsches U-Boot aus der Kaiserlichen Kriegsmarine handelt.

Vor drei Jahren hatte das britische Unternehmen Scottish Power Renewables in einem über 6000 Quadratkilometer großen Gebiet vor der englischen Südostküste den Meeresboden mit Sonar abgetastet. Die Mitarbeiter von Scottish Power waren auf der Suche nach geeigneten Standorten für Windräder und hatten durchaus vermutet, beim Scannen das eine oder andere Schiffswrack zu finden. Was sie nicht erwarteten, war, ein gut erhaltenen U-Boot-Wrack zu finden, das auf keiner Karte verzeichnet ist. Zuerst nahm man an, dass es sich um ein niederländisches U-Boot handeln würde, genauer: um die „Hr. Ms. O 13“, das einzige niederländische U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg, über dessen Verbleib nichts bekannt war.

Das U-Boot lief 1915 vermutlich auf eine Mine auf

Die Königlich-Niederländische Marine wurde eingeladen, den Fall zu untersuchen. Spezialtaucher und ein Sonar-Team kamen zum Einsatz. „Es war kein leichter Job“, meint Kommandant Jouke Spoelstra, der das Projekt leitete. „Mehrere Tauchgänge waren notwendig, bevor wir aufgrund der schlechten Seebedingungen irgendeinen Fortschritt machen konnten.“ Erst als sich die Sicht unter Wasser besserte, so Spoelstra, „war es möglich, klare Aufnahmen zu erzielen und die genaue Identität festzustellen.“ Doch dann die Erkenntnis: Das gefundene Wrack war kein niederländisches, sondern ein deutsches U-Boot.

Die „SM U 31“ war am 13. Januar 1915 in Wilhelmshaven unter dem Kommando von Oberleutnant Siegfried Wachendorff zu einer Patrouille vor der Südostküste Englands ausgelaufen. Seitdem war das Boot nicht mehr gesehen worden. Das jetzt gefundene rund 57 Meter lange und viereinhalb Meter hohe Wrack liegt 30 Meter unter der Meeresoberfläche. Der gut erhaltene Kommandoturm und das Layout des Decks deuteten auf eine deutsche Konstruktion hin. Ein Vergleich mit den Verlustlisten ergab, dass es sich um die „SM U 31“ handeln musste.

Das Schiff soll nicht geborgen werden

Das U-Boot war am Bug und Heck beschädigt. Mark Dunkley, ein britischer Unterwasserarchäologe, nimmt an, dass das U-Boot auf eine Mine auflief, sank und die gesamte 35-Mann- Besatzung – darunter vier Offiziere – mit in die Tiefe riss. „Nachdem es seit mehr als einem Jahrhundert auf dem Meeresboden lag“, so Dunkley, „ist es in bemerkenswert guter Verfassung. Die Verwandten und Nachkommen der Besatzung können sich nun vielleicht mit dem Gedanken trösten, zu wissen, wo die letzte Ruhestätte der Männer ist. Die Entdeckung dient als eine ergreifende Erinnerung an diejenigen, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben ließen“.

Es ist nicht beabsichtigt, das Wrack zu bergen, denn die Totenruhe will der Windparkbetreiber nicht stören. „Als offizielles militärisches Seegrab wird das Wrack in seiner letzten Ruhestätte verbleiben“, erklärte Scottish Powers Renewables und versprach: „Die Pläne für eine Offshore-Windfarm werden sicherstellen, dass es keine Beeinträchtigungen in dieser Gegend gibt.“

Charlie Jordan, Projektdirektor bei Scottish Power Renewables, ist begeistert über die Lösung des Mysteriums. „Es war faszinierend, die ganze Geschichte hinter dem U-Boot zu enträtseln“, sagte er. „Und es ist ermutigend zu wissen, dass die Entdeckung es den Hinterbliebenen ermöglicht, mit der Sache abzuschließen.“ Die Behörden wollen jetzt versuchen, sich mit den Familien von Angehörigen in Verbindung zu setzen.

Jochen Wittmann

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2016-01-22 20:24
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