Supermarkt-Mitarbeiter Lassana Bathily ist "Held von Paris"

Malian Lassana Bathily, der als 16-Jähriger illegal ins Land kam, wird jetzt französischer Staatsbürger.
Malian Lassana Bathily, der als 16-Jähriger illegal ins Land kam, wird jetzt französischer Staatsbürger.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Beim Anschlag auf den Supermarkt rettete Lassana Bathily sieben Kunden das Leben, indem er sie im Kühlraum versteckte. Jetzt soll er belohnt werden.

Paris.. So richtig kann Lassana Bathily (24) die ganze Aufregung noch immer nicht verstehen. Er habe einfach „spontan reagiert“ an diesem Freitag vor zehn Tagen, als der Terrorist Ahmedi Coulibaly den koscheren Supermarkt im Osten von Paris überfällt, dessen Angestellter er ist. In dem Augenblick, als Coulibaly das Geschäft stürmt, hält sich der junge Mann im Keller auf.

Sechs Kunden, von denen einer ein zwei Monate altes Baby im Arm hält, gelingt es, unbemerkt die Treppe ins Untergeschoss hinabzusteigen. Dann fallen oben Schüsse, und Bathily handelt sofort. Er versteckt sich mit den Flüchtlingen im Kühlraum, dessen Strom er zuvor geistesgegenwärtig abschaltet.

Mit dem Lastenaufzug ins Freie

Es beginnt ein langes, banges Warten. Dass Coulibaly bereits vier Kunden des Supermarkts ermordet hat, wissen die Insassen des Kühlraums nicht. Aber sie sind trotzdem völlig verängstigt. Allein Bathily behält einen kühlen Kopf. Er schlägt vor, den Lastenaufzug zu benutzen, um ins Freie zu gelangen. Doch die anderen lehnen ab, weil sie fürchten, durch den Lärm den Geiselnehmer auf sich aufmerksam zu machen.

Terror Sie wollen lieber auf Rettung warten, zumal ein Mitglied der Gruppe mittlerweile per Handy in Kontakt mit der von einem Fluchtversuch abratenden Polizei steht. Schließlich macht sich der Malier alleine auf. Und er schafft es über einen Hintereingang und eine Feuerleiter nach draußen, wo er sich den Sicherheitskräften stellt. Die verdächtigen ihn, ein Komplize des Geiselnehmers zu sein, und nehmen ihn fest.

Eine wertvolle Hilfe

Eineinhalb Stunden lang trägt Bathily Handschellen, bevor seine Identität geklärt ist. Dann zeichnet er einen genauen Plan vom Inneren des Geschäfts. Er erweist sich als wertvolle Hilfe, als Eliteeinheiten der Polizei den Supermarkt stürmen und die Geiselnahme glücklich beenden.

Allein der Terrorist bleibt bei dem Einsatz auf der Strecke. Wobei der Zufall will, dass Coulibaly genau wie Bathily malischer Herkunft ist. Als in Frankreich geborenes Kind malischer Zuwanderer jedoch hatte er einen französischen Pass. Ganz im Gegensatz zu Bathily, der als 16-Jähriger illegal in das Land kommt, wo sein Vater Gastarbeiter ist.

Illegaler ohne Aufenthaltserlaubnis

Zwar wird der rasch aufgegriffene Junge in einem Flüchtlingsheim untergebracht und darf zur Schule gehen, bleibt aber ein „sans-papier“, ein Illegaler ohne Aufenthaltserlaubnis. 2010 schließt Bathily seine Ausbildung zum Fliesenleger ab – und erhält von den Behörden den Ausweisungsbescheid.

Nur weil sich ehemalige Lehrer und Ausbilder für den „fleißigen, intelligenten und zuvorkommenden“ jungen Mann in die Bresche werfen, kann die Abschiebung im letzten Augenblick verhindert werden. Im Juni 2011 erhält Bathily eine Aufenthaltsgenehmigung, die seither jedes Jahr verlängert wurde, weil er ab 2012 eine feste Anstellung in dem jüdischen Supermarkt findet und nie „auffällig“ wird.

„Wie saßen alle in einem Boot!“

Auf seine Bravour und sein selbstloses Handeln angesprochen zu werden, ist dem schüchternen, sich selber als sehr religiös bezeichnenden Moslem nach wie vor eher peinlich. „Das war doch keine Frage von Juden, Moslems oder Christen“, wiegelt er in einem TV-Interview ab: „Wir saßen alle in einem Boot!“ Durch das Interview wird auch bekannt, dass Bathily im Juli 2014 einen Antrag auf Einbürgerung stellte. Mehrere Organisationen starten daraufhin eine Online-Petition zu seinen Gunsten, die innerhalb einer Woche von mehr als 300.000 Menschen unterschrieben wird.

Letzten Donnerstag künden die Behörden an, dass der Afrikaner die französische Staatsbürgerschaft im Eilverfahren erhalten wird. „Es verdient Dank und Anerkennung, wie dieser Junge während der Geiselnahme mutig und wohlüberlegt Personen geschützt hat“, so das Innenministerium.