Sturm hat das Land im Griff

Berlin..  Die Sturmserie in Deutschland reißt nicht ab. Bis Freitag rechnen Meteorologen mit heftigem Wind. An den Küsten und im Bergland seien sogar orkanartige Böen möglich, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntag in Offenbach mit. „Elon“ und „Felix“ hatten am Wochenende in Europa zum Teil erhebliche Schäden angerichtet und vielerorts den Bahnverkehr lahmgelegt. Bei Unfällen starben mehrere Menschen.

Allein in Brandenburg erlitten vier Menschen – ein Fußgänger und drei Autoinsassen – durch umstürzende Bäume schwere Verletzungen. In mehreren Bundesländern kamen Fahrzeuge durch Böen von der Straße ab oder kippten einfach um.

Besonders schlimm hatte es am Samstag Bahnreisende im Norden und Westen Deutschlands getroffen — viele Hauptrouten waren stundenlang gesperrt.

„Wir hatten Ausnahmezustand“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Sonntag in Berlin. Der Sturm hatte in der Hauptstadt Dächer abgedeckt und zahlreiche Bäume umgerissen. Im Hamburger Hauptbahnhof bildeten sich lange Schlangen von gestrandeten Reisenden vor den Schaltern. Teilweise stiegen sie auf Fernbusse oder auf Sammeltaxis um. Andere wollten in der Hansestadt übernachten. Die Bahn wollte auch den Einsatz von Hotelzügen prüfen. Auch Regionalzüge fuhren zum Teil nicht, der Sylt-Shuttle stellte seinen Betrieb ein.

Mutprobe führte zum Tod

In vielen Bundesländern flogen schlecht gesicherte Gegenstände durch die Gegend – vom Trampolin bis zur Couch. Hamburg meldete Sturmfluten an der Nordseeküste, Bayern Überschwemmungen bei sehr milden Werten. In Polen wurden mindestens zwölf Menschen verletzt. Mehr als 200 000 Haushalte waren Sonntag ohne Strom.

Im britischen Seebad Brighton ging eine Mutprobe in stürmischer See tödlich aus. Die Polizei bestätigte am Sonntag, dass zwei Leichen gefunden wurden. Die Opfer zählten zu einer Gruppe von fünf Briten, die am späten Freitagabend bei stürmischem Wetter an den Strand gegangen waren. Einer von ihnen wurde zur Mutprobe aufgefordert, sich an den Meeresrand zu stellen. Er wurde sofort von einer großen Welle erfasst. Ein Freund ertrank beim Rettungsversuch.

Die Temperaturen sollen den Prognosen zufolge in den nächsten Tagen Achterbahn fahren. Am Samstag wurde laut DWD ein neuer bundesweiter Januar-Temperaturrekord gemessen. Im bayerischen Piding nahe der Grenze zu Österreich waren es frühlingshafte 20,5 Grad. Noch nie war es im Januar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor mehr als 100 Jahren in Deutschland wärmer. Grund waren subtropische Luftmassen, die das Orkantief „Elon“ nach Bayern geblasen hatte.

Graupel- und Schneeschauer

Montag folgen laut den Meteorologen weitere Regen-, Graupel- und Schneeschauer. Die Luft kühlt sich weiter ab. Im Bergland und in der Südhälfte besteht Glättegefahr. Bereits am Dienstag sollen die Temperaturen wieder auf bis zu zehn Grad steigen, am Oberrhein auf bis zu zwölf Grad.