Studieren wird noch teurer

Den Haag..  In den Niederlanden kehrt die Zweiklassengesellschaft zurück. Zumindest im Bildungswesen. Denn nach langen, hitzigen Debatten hat die amtierende sozial-liberale Koalition unter Ministerpräsident Mark Rutte nun eine Bildungsreform durchgesetzt, die die Chancengleichheit abschafft. Ab August dieses Jahres gibt es in den Niederlanden kein Bafög für Studenten mehr.

Studenten müssen dann ihr Studium selbst finanzieren. Entweder es wird von ihren Eltern bezahlt, oder aber sie müssen sich verschulden und hohe Kredite aufnehmen, um sich bei der Alma Mater in ihrem Lieblingsfach einschreiben zu können. Denn außer dem Wegfall der bisherigen Bafög-Zahlungen des Staates sind an holländischen Universitäten und Hochschulen noch zusätzlich hohe Studiengebühren in jedem Semester fällig. In der Regel sind das bis zu 2000 Euro je Semester.

Studieren kann in den Niederlanden künftig nur noch, wer reich ist und reiche Eltern hat. Für Jan Modaal, den niederländischen Otto Normalverbraucher, wird die Universität dann kaum mehr erreichbar sein, weil er das Studium nicht mehr finanzieren kann – oder sich hoch verschulden muss, um zu akademischen Würden zu gelangen.

,,Ich weiß nicht mehr, wie ich über die Runden kommen soll, wenn ich kein Bafög mehr erhalte,‘‘ klagt eine Studentin namens Nadine. Sie hat wie Tausende auf dem Malieveld in Den Haag noch gegen das neue Gesetz zur Studienfinanzierung protestiert. Vergeblich. Auch Nadine muss jetzt in den sauren Apfel beißen. Sie hat nur eine Alternative: ihr Studium abbrechen oder aber hohe Kredite bei Banken aufnehmen, um es fortführen zu können. ,,Ich weiß noch nicht was ich mache,‘‘ sagt sie völlig verzweifelt. ,,Mir wird einfach die Zukunft genommen.‘‘

Studieren wird zum Luxus

Vielen Kindern aus weniger gut betuchten Kreisen blüht in den Niederlanden nun das gleiche Schicksal wie Nadine. Sie können sich das Studieren nicht mehr leisten. Schon jetzt haben niederländische Studenten – auch wegen der hohen Studiengebühren – nach einem vierjährigen Studium an einer Universität in der Regel einen Schuldenstand von bis zu 15 000 Euro. Wenn das Bafög ab August ersatzlos gestrichen wird, dann werden viele von ihnen, wenn sie ihren Master in der Tasche haben, voraussichtlich mit einem Schuldenberg von circa 50 000 Euro ins Berufsleben starten. Keine rosige Aussicht auf die man sich freuen kann.

Außerdem zwingt der niederländische Staat seine künftigen Akademiker nun per Gesetz dazu, dass sie ihr Studium im Schnelldurchlauf absolvieren müssen. Denn mehr als 11 760 Euro pro Jahr darf kein Student zu Niedrigzinsen um circa 3,0 Prozent leihen.