Steinmetze klagen gegen Verbot von Grabsteinen aus Kinderarbeit

Die Stadt Kehl am Rhein hat auf ihren Friedhöfen die Verwendung von Grabsteinen verboten, die aus Steinbrüchen mit Kinderarbeit stammen. Dagegen klagen fünf Steinmetze aus der Umgebung.
Die Stadt Kehl am Rhein hat auf ihren Friedhöfen die Verwendung von Grabsteinen verboten, die aus Steinbrüchen mit Kinderarbeit stammen. Dagegen klagen fünf Steinmetze aus der Umgebung.
Foto: Hendrik Schulz
Was wir bereits wissen
Die badische Stadt Kehl will ohne Produkte aus Kinderarbeit auskommen und hat deshalb unter anderem die Verwendung von Grabsteinen verboten, die aus Steinbrüchen mit Kinderarbeit stammen. Dagegen klagen jetzt mehrere Steinmetz-Unternehmen aus der Umgebung.

Kehl.. Mit einem Verbot von Grabsteinen aus Kinderarbeit hat sich die Stadt Kehl am Rhein den Zorn mehrerer Steinmetze zugezogen. Wie eine Sprecherin der Stadt am Freitag mitteilte, haben Steinmetz-Unternehmen aus fünf Gemeinden im Umkreis von Kehl beim baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof in Mannheim Klage gegen das Verbot eingereicht.

Das Verbot ist in einer neuen Friedhofssatzung enthalten, die der Gemeinderat der badischen Kleinstadt Ende November beschlossen hatte. Demnach dürfen in Kehl nur „Grabmale aufgestellt werden, die nachweislich in der gesamten Wertschöpfungskette ohne ausbeuterische Kinderarbeit“ hergestellt wurden. Grundlage dafür ist eine Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Der Regelung zufolge müssen Steinmetze Nachweise über die Herkunft der Steine und über die Bedingungen erbringen, unter denen sie aus Steinbrüchen gehauen wurden.

Stadt will komplett auf Produkte aus Kinderarbeit verzichten

Das Verbot sei Teil einer Gesamtstrategie der Stadt, erläuterte Stadtprecherin Annette Lipowsky. Einem Gemeinderatsbeschluss vom Oktober zufolge kaufe Kehl grundsätzlich nur noch bei Unternehmen ein, die ihre Waren ohne Kinder herstellen. Dies gelte für die Arbeitskleidung der Feuerwehrleute ebenso wie für den Kaffee in der städtischen Kantine oder Pflastersteine für öffentliche Plätze. Zwar seien Grabsteine, die ohne Kinderarbeit hergestellt worden sind, in der Regel etwas teurer: „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand nicht bereit ist, dafür etwas mehr auszugeben - oder einen kleineren Stein zu nehmen.“

Der Klage der Steinmetze sehe die Stadt zuversichtlich entgegen, sagte Lipowsky. Im Juni habe das bayerische Verwaltungsgericht eine ähnliche Beschwerde abgewiesen.

Erst im Mai hatte die Gewerkschaft IG BAU ein bundesweites Verbot von Grabsteinen aus Kinderarbeit gefordert. Kommunen sollten in ihrer Friedhofsordnung auf fair produzierte Steine bestehen. Rund die Hälfte aller in Deutschland verkauften Grabsteine stammen Medienberichten zufolge aus Kinderhand - etwa aus Indien. (afp/we)