Starke Frau auf Zeitreise

Hin- und hergerissen zwischen Gegenwart und Vergangenheit: Claire Randall (Caitriona Balfe) und Jamie (Sam Heughan).
Hin- und hergerissen zwischen Gegenwart und Vergangenheit: Claire Randall (Caitriona Balfe) und Jamie (Sam Heughan).
Foto: Sony/VOX
Was wir bereits wissen
Diana Gabaldon hat von ihrer Highland-Saga Millionen Bücher verkauft.Jetzt ist aus der Geschichte die Fernsehserie „Outlander“ geworden

Köln.. Schottische Männer in Röcken haben sie bekannt gemacht. Und reich. Mehr als acht Millionen Mal hat sich die mythische High­land-Saga der Amerikanerin Diana Gabaldon verkauft. Fast 30 Jahre nach ihrem Entstehen ist sie jetzt verfilmt worden. Nicht fürs Kino, sondern fürs Fernsehen. Von heute an ist sie frei empfangbar bei Vox (20.15 Uhr) zu sehen. Frau Gabaldon ist begeistert. „Ich denke, es ist wirklich wundervoll geworden.“

Schon als Kind kann sie gut Geschichten schreiben. Aber sie kommt aus einer Familie, die sie selber „erzkonservativ nennt. Der Vater will, dass sie etwas Ordentliches lernt. „Seht zu, dass ihr eine gute Ausbildung bekommt“, predigt er seinen beiden Töchtern. Diana studiert Zoologie und Meeresbiologie, macht ihren Doktor in Ökologie, wird Honorarprofessorin und Computerspezialistin an der Northern Arizona University.

Eigentlich wollte die Autorin ihr Werk nie jemandem zeigen

Aber der Traum vom Schreiben, er bleibt. Mitte 30 ist die heute 63-Jährige, als sie ihn verwirklicht. Ein klassischer historischer Roman soll es zunächst werden, dann aber sieht sie eines Abends eine Folge der britischen TV-Reihe Dr. Who im Fernsehen, in der der zeitreisende Doktor im Schottland des 18. Jahrhunderts landet. Gabaldon ist fasziniert und legt los. In 18 Monaten entsteht „Feuer und Stein“.

Es erzählt von der englischen Armeekrankenschwester Claire Randall, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in den Flitterwochen mit ihrem Ehemann Frank in die schottischen Highlands reist. Dort gerät sie – verkürzt gesagt – in einen magischen Steinkreis und findet sich plötzlich im Jahr 1743 wieder, wo sie von einem englischen Offizier – ein Vorfahr ihres Mannes – gejagt aber von den Mitgliedern eines schottischen Clans gerettet wird, fortan allerdings ge­gen den Verdacht kämpfen muss, sie sei eine englische Spionin. Erst einmal gefangen in der Vergangenheit verliebt sich Claire in Jamie, einen blauäugigen, rothaarigen Schotten. Historie trifft auf Fantasy.

Für sie ist „Feuer und Stein“ „ein Buch zu Übungszwecken“. „Ich hatte nie vor, es irgendjemandem zu zeigen.“ Das macht sie dann doch. Auszüge des über 1000 Seiten starken Werkes stellt sie ins Internet, das Ende der 80er Jahre noch halbwegs überschaubar ist. Im Netz beantwortet die Frau aus Flagstaff in Arizona auch Fragen zu ihrem Werk, erläutert Hintergründe und Örtlichkeiten. Die Leser sind begeistert, einer vermittelt ihr einen Agenten. Schnell greift ein großer Verlag zu. Das Buch stürmt die Hitlisten – so wie die anderen sieben, die bisher gefolgt sind.

Natürlich geht es darin um Liebe. Die Männer sind stattlich und kernig, die Frauen fast alle attraktiv. Oft wird es romantisch, ebenso oft aber geht es recht brutal zu. Es gibt viel Sex, nicht immer ist er freiwillig und mehr als einmal müssen Claire und Jamie um ihr Leben kämpfen.

Mindestens noch zwei neue Bücher angekündigt

Seit Jahren fiebern Millionen Fans in aller Welt einer Verfilmung der Saga entgegen. Doch die über 1000 Seiten sind nicht in einen Kinofilm zu pressen. Aber, wenn auch mit Abstrichen, in eine 16-teilige Serie. „Outlander“ heißt sie, ist extrem aufwändig produziert, hält sich eng aber nicht sklavisch an den ersten Band und geizt wie das Buch nicht mit Gewalt- und Nacktszenen.

Vor allem ist sie nach Gabaldons Einschätzung perfekt besetzt. Von Caitriona Balfe, die die zeitreisende Krankenschwester spielt, war die Autorin sofort begeistert. Und Sam Heughan brauchte zehn Sekunden, um sie in seinem Casting-Video zu überzeugen: „Er ist Jamie.“

Und er wird es wohl auch noch längere Zeit bleiben. Die Einschaltquoten in den USA waren so gut, dass eine zweite Staffel bereits sicher ist. Stoff für mehr gibt es genug. Mindestens noch zwei Bände hat die Schriftstellerin angekündigt. Einzelheiten dazu nennt sie nicht, nur eines verrät sie: „Es wird ein Happy End geben, obwohl ich fest davon ausgehe, dass es die Leser trotzdem in Tränen aufgelöst zurücklassen wird.“