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Staatsanwaltschaft ermittelt im Gebirgsjäger-Skandal

12.02.2010 | 15:17 Uhr
Staatsanwaltschaft ermittelt im Gebirgsjäger-Skandal

München.Die entwürdigen Mutproben bei Gebirgsjägern der Bundeswehr haben ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen einen Soldaten. Der Vorwurf: vorsätzliche Körperverletzung. Unter anderem mussten die Neulinge bis zum Erbrechen Alkohol trinken.

Nach dem Bekanntwerden entwürdigender Mutproben und Aufnahmerituale bei Gebirgsjägern der Bundeswehr hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen einen Angehörigen der Streitkräfte eingeleitet. Der Vorwurf laute auf vorsätzliche Körperverletzung, teilte ein Sprecher der zuständigen Anklagebehörde in München am Freitag mit. Was dem Mann zur Last gelegt wird und welche Position er in der Bundeswehr bekleidet, sagte er nicht.

Die Aufnahmerituale beim Hochgebirgsjägerzug des Gebirgsjäger-Bataillons 233 im oberbayrischen Mittenwald waren durch die Beschwerde eines Soldaten beim Wehrbeauftragten Reinhold Robbe (SPD) bekanntgeworden. Demnach mussten Soldaten dort bis zum Erbrechen Alkohl trinken und rohe Schweineleber essen, um in der internen Hierarchie des Eliteverbands aufsteigen zu können. Die Bundeswehr begann danach mit internen Ermittlungen, auch die Staatsanwaltschaft prüfte.

Ein Sprecher der den Gebirgsjägern übergeordneten zehnten Panzerdivision des Heeres hatte bestätigt, dass es Hierarchie-Rituale im Hochgebirgsjägerzug seit Ende der 80er Jahre gegeben habe, der sogenannte Fux-Test für junge Rekruten sei etwa Mitte der 90er Jahre hinzugekommen. Vorgesetzte Dienstgrade hätten die Rituale untersagt, als sie davon erfuhren. Es scheine aber so zu sein, das die Vorfälle weitergingen. In dem dem Wehrbeauftragten gemeldeten Fall vom Sommer vergangenen Jahres seien keine vorgesetzten Dienstgrade involviert gewesen.

Der Deutsche Bundeswehrverband forderte nach dem Bekanntwerden der Rituale Konsequenzen. Direkt Beteiligte müssten ebenso zur Rechenschaft gezogen werden wie Soldaten, die weggeschaut hätten, sagte dessen Vorsitzender Ulrich Kirsch. Auch Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kündigte nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine Prüfung an. Er leistete Anfang der 90er Jahre seinen Grundwehrdienst beim Gebirgsbataillon 233, hatte nach eigenen Angaben aber keine Kenntnis von den entsprechenden Praktiken bei den Hochgebirgsjägern. (afp)

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